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Gitarrenunterricht in Frankfurt

Dipl.-Gitarrenlehrer Stephan Zitzmann

Verstoß gegen die Ideallinie – „Moderne Gitarrentechnik“ von Thomas Ottermann – Teil 3

Wie im letzten Artikel Verstoß gegen die Ideallinie – „Moderne Gitarrentechnik“ von Thomas Ottermann – Teil 2 geschrieben beobachtete ich meine Schüler und begann mit mir zu experimentieren.

Ich glaube es ist wichtig vorab zu sagen, wie ich die Handhaltungen meiner Schüler beurteile.

Während meiner Studienzeit gab es einen ziemlichen Körpertechnikenboom. Yoga, Feldenkrais, Alexandertechnik und noch ein paar andere Techniken. Letztendlich Verfahren, die dazu führen, dass man seine Haltungen aus dem Körpergefühl beurteilt.

Für mich haben sich für die linke Hand zwei Hauptindikatoren gebildet.

  1. Wie gut ist die Klemmung der Fingerkuppe?
  2. Wie beweglich bleiben meine Finger? Also wie entspannt bleibt die Hand?

Der Begriff der Klemmung von Punkt eins muss erläutert werden. Ich kenne ihn aus dem technischen Bereich. Hier eine Seite, auf welcher Klemmformen beschrieben werden. Die Saite wird zwischen Fingerkuppe und Griffbrett geklemmt.

Aus dieser Introspektion hat sich ergeben, dass die linken Handhaltungen meiner Schüler eine körperliche Vorstellung in mir vermitteln, wie sich des Schülers Hand anfühlen könnte. Dementsprechend greife ich ein.

Unter dem Eindruck von Ottermanns Buch und dem Aspekt einer Ideallinie des Handgelenkes sah ich mir die Handgelenke meine Schüler*innen an. Nur ein Teil der Handgelenke entspricht der Ideallinie. Ich würde sogar sagen, eher der Minderheit. Die meisten Schüler haben ein eher leicht gebeugtes Handgelenk.

Also überlegte ich mir, wie sich die Schülerhände anfühlen würden, wenn ich die Handgelenke auf Ideallinie brächte. Ich ließ es lieber.

Grundsätzlich muss man sich über einen geometrischen Sachverhalt im Klaren sein. Sobald, wenn ich einen Ton greife, ich einen Winkel in der Kette von Schulter bis zur Fingerspitze verändere, müssen sich die anderen Winkel in dieser Kette auch ändern.

Oder anders formuliert, verändere ich eine Gelenkstellung müssen sich die anderen Gelenkstellungen auch ändern.

Und schon da stellt sich die Frage, wenn ich eine Gelenkstellung ins physiologisch Optimale bringe, nähern sich dann die anderen Gelenkstellungen zwangsläufig ihrem physiologischen Optimum an?

Schauen wir uns das doch mal genauer an.

Wenn das Handgelenk gebeugt ist, bekommt man es gerader, wenn man die Handfläche dem Griffbrett annähert. Also die Finger mehr krümmt.

Und jetzt mache bitte der*die geneigte Leser*in folgendes Experiment. Finger strecken und spreizen. Dann die Finger einrollen, aber die Spreizung aufrecht erhalten.

Was passiert? Der Abstand der Fingerkuppen wird immer kleiner.

Jetzt ist es aber leider so, dass die Bundstäbchen fixe Abstände haben. Nicht die Bundstäbchen passen sich den Fingern an, sondern die Finger müssen sich den Bundstäbchen anpassen.

Je nachdem wie dehnfähig die Hand ist. Hat man

  • kein Problem
  • befindet sich an der Grenze der aktiven Beweglichkeit seiner Finger
  • oder bekommt die Finger nicht mehr ausreichend auseinander.

Ich finde den zweiten Fall am interessantesten. Wenn man die Finger bis zum Anschlag dehnen muss, ist die Hand verspannt und die Finger sind steifer als mit gebeugtem Handgelenk.

Weiter hat man den Effekt, dass die Endglieder der Finger ihren Winkel zum Griffbrett ändern können/müssen. Dies führt dazu, dass die Fingerkuppen in vielen Fällen die Saite nicht mehr so gut klemmen.

Also es ist nötig, dass man mehr drückt. Also die Muskulatur ermüdet schneller.

Aber auch interessant ist, was in den Grundgelenken im Extremfall passieren kann. Endglied und Handrücken bilden eine Ebene. Man kann den Finger nicht mehr nach hinten bewegen.

So wie die Grundgelenklinie zur Griffbrettkante in viele Fällen steht, steht nur noch ein kleiner Teil des Bewegungsumfanges des Gelenks zur Verfügung. Teilweise ist dann die Griffbrettkante den Fingern im Weg.

Also für die Ideallinie eines Gelenkes brockt man sich eine Menge anderer Probleme ein.

Ist das sinnvoll? Wie entscheidet man solche Konflikte. Dazu gibt das Buch von Herrn Ottermann keine Handhabe. Er warnt eher nur.

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Der Beitrag wurde am Freitag, den 21. Juni 2019 um 08:56 Uhr veröffentlicht von Stephan Zitzmann und wurde unter den Kategorien: Buchbesprechung, Gitarre lernen, Gitarrentechnik, Gitarrenunterricht, praktisch, Übemethodik abgelegt. | Es gibt keinen Kommentar .