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Gitarrenunterricht in Frankfurt

Dipl.-Gitarrenlehrer Stephan Zitzmann

Scorio – Ein Onlinenoteneditor

Unter http://www.scorio.com gibt es einen Onlinenoteneditor. Ich wurde durch ein Postkarte darauf aufmerksam gemacht. Das ganze – so ein Logo – geschieht in Zusammenarbeit mit whc, also den Machern von capella.

Was halte ich von diesem Noteneditor. Ich hatte eine Art Déjà-vu-Erlebnis. Mir dürfte vor mehr als 15 Jahren eine der ersten capella-Versionen durch einen Mitstudenten, der auch beim Support von Capella mitgearbeitet hatte,in die Hand gefallen sein. In der Hochschule konnten wir Finale nutze. Finale kostete damals vierstellige Summen und war deutlich fähiger als Capella, welches – wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht – zwanzig Mark kostete. Dementsprechend schmalspurig war der Funktionsumfang.

Leider habe die Installations-Diskette von damals nicht mehr, um zu vergleichen, ob der Funktionsumfang von Scorio gleich, ähnlich oder geringer ist zu der damaligen Capellaversion. Aber damit ist das Fazit klar, von ernsthaftem Notensatz kann man nicht sprechen.

Da man vom IPad lesen kann, weil es kein ernstzunehmender Rechner ist, ist er in einer Zielgruppe erfolgreich, mit der keiner gerechnet hat, nämlich bei eher PC-unerfahrenen Menschen.

Vielleicht versucht Scorio so etwas  ähnliches. Ich persönlich würde aber trotzdem von der Nutzung von Scorio abraten.

Scorio scheint dem Cloudgedanken verpflichtet zu sein. Soll heißen, die von einem selbst erstellten Noten werden nicht auf dem eigenen Rechner gespeichert, sondern auf dem Server von Scorio.

Die Macher von Scorio sprechen zwar davon, dass man die Noten exportieren kann. Dies ist aber nur in Form von PDF-Dateien möglich, aber nicht in Dateiformaten, die andere Notensatzprogramme verarbeiten können. So wie momentan der Stand der Dinge beim Schreiben des Artikels ist, gerät man damit in eine Art Zwangsabhängigkeit von Scorio und dem Internet, weil man nur auf der Plattform seine Noten bearbeiten kann.

Mich empört diese Vorgehensweise. Scorio lässt zu, dass man Noten im MusicXML importieren kann, stellt aber keine Exportfunktion für dieses Format zu Verfügung. Was etwas erstaunt, denn MusicXML ist dazu gedacht, Notensätze zwischen verschiedenen Anwendungen problemlos austauschen zu können. Zu diesen Anwendungen gehören auch die meiner Meinung nach gängigen Notensatzprogramme.  Deswegen wirkt das auf mich so: „Wir saugen eure Festplatten ab, aber wir geben nichts zurück.“ Es wirkt ziemlich unfair auf mich.

GoogleDocs lässt zum Beispiel zu, dass man die dort erstellten Texte als Word- oder Openofficedokument herunterladen kann und damit unabhängig von google bleiben kann.

Zufällig habe ich auch einen anderen Onlineeditor entdeckt, dieser lässt auch den Export als MusicXML-Datei zu. Hier die Internetadresse: http://www.noteflight.com

Weil  mich die Vorgehensweise von Scorio ärgert habe ich mir Finale NotePad heruntergeladen. Es gibt im Netz noch ältere kostenlose Versionen davon. Damit ist man unabhängig von solchen webbasierten Anbietern.

Nachtrag: ich habe mir mal die Nutzungsbedingungen von Scorio angesehen. Und bin bei den AGB unter http://www.scorio.com/de_DE/web/scorio/terms unter §9 Absatz auf folgenden Passus gestoßen:

Mit dem Einstellen eines Inhalts (zum Beispiel ein Werk oder ein bearbeitetes Werk) auf dem Server des „Scorio“-Musikportals garantiert der Teilnehmer, dass er das Recht hat, der Verwenderin diese Inhalte zur Nutzung zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig räumt der Teilnehmer der Verwenderin ein Nutzungsrecht an diesen Inhalten ein. Das Nutzungsrecht, das der Teilnehmer der Verwenderin einräumt, umfasst das zeitlich uneingeschränkte Recht zur weltweiten Vervielfältigung, Verteilung, Übersendung, öffentlichen Wiedergabe, Veröffentlichung oder sonstigen vergleichbaren Nutzung der übertragenen Inhalte ausschließlich im Rahmen des Internetangebots des „Scorio“-Musikportals, ohne jedweden Anspruch auf Vergütung durch den Teilnehmer oder Dritte.

Das bedeutet, man will an fremder Leute Arbeit verdienen ohne sie partizipieren zu lassen. Dieser Passus ist vor allem interessant, weil ich Anhand der AGB nicht verstanden habe, was mit diesem Nutzungsrecht geschieht, wenn ich meinen Account lösche oder das Stück lösche. Werden die Stücke dann vollkommen gelöscht oder verbleibt eine Kopie bei Scorio, die dann weiter verwertet wird?

Unter http://www.scorio.com/de_DE/web/scorio/about-scorio kann man lesen:

Unsere Vision

Jeder kreativ Musikschaffende soll frei auf den ganzen Reichtum aktueller und überlieferter Musik zugreifen können und in einer offenen, auf Kommunikation angelegten Umgebung alle erdenklichen Werkzeuge finden, die seine kreativen Prozesse optimal unterstützen.

Wenn nur andere an meinem kreativen Prozess verdienen, kann ich ihn mir nicht leisten. Persönliche fühle ich mich von solch moralischer Verbrämung von Geschäftsinteresse abgestoßen und denke an Euphemismen wie „antifaschistischer Schutzwall“ für die Mauer.

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Der Beitrag wurde am Freitag, den 28. Januar 2011 um 08:16 Uhr veröffentlicht von Stephan Zitzmann und wurde unter den Kategorien: Eingeschoben, Software abgelegt. | Es gibt keinen Kommentar .