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Gitarrenunterricht in Frankfurt

Dipl.-Gitarrenlehrer Stephan Zitzmann

Schülerprofil

Seit langer Zeit beschäftige ich mich in diesem Blog immer wieder damit, wie kommt man zu einer musikalischen Vorstellung? Beziehungsweise, warum bildet sich diese musikalische Vorstellung teilweise so schlecht bei Schülern aus?

Jetzt habe ich für diese Frage eine besonders interessante Konstellation. Etwa zum gleichen Zeitpunkt bekam ich zwei gleich alte Mädchen. Eine von ihnen, ich nenne sie A hatte neun Jahre Klavierunterricht und besucht ein Gymnasium mit musikalischem Schwerpunkt. Die andere Schülerin, ich nenne sie B, hat keine musikalische Vorbildung.

A. fiel mir schon beim Kennenlernen auf. Als ich ihr einiges aus meiner Unterrichtsliteratur vorspielte, äußerte sie: „Da sind ziemlich viele harmonische Wendungen dabei, die ich auch vom Klavier kenne.“ In meinem Unterricht beginne ich mit den Noten h, g, a. Als ich ihr das a erklärte, dachte ich mir: „Greife auf ihr Klavierwissen zurück und lasse sie den Ton herausfinden.“ Meine Erwartung war, dass sie sich, wie andere Exklavierschüler den Ton über ihr Wissen durch die Tastatur, was ein Halb- und Ganztonschritt ist, ausrechnen würde. Nein, sie schlug die g-Saite an, sang das g, dann einen Ganzton hoch und verglich die Töne auf der g-Saite mit diesem gesungenen Ton. Weiter fiel bei dieser Schülerin auf, sie sang sich bei neuen Stücken die Passagen vor, um sich dann die nötigen Finger auf dem Griffbrett zu suchen.

Jetzt kommt die spannende Frage, wer lernt schneller und wer spielt sicherer? A oder B? Kurioserweise lernen beide ungefähr gleich schnell, aber B spielt sicherer. Wobei B sich bei weiten nicht so musikalisch anhört.

Von A weiß ich, dass sie beim Klavierspielen das Problem hatte, sicher und fehlerfrei durch die Stücke zu kommen.

Weil A mal wieder mit der Sicherheit bei einem Stück kämpfte, wurde ich neugierig. Ich drehte ihr die Noten weg und bat sie, mir das Stück vorzusingen. Das war kein großes Problem. Dann bat ich sie, mir den Fingersatz des Stückes zu sagen. Sie kam einen Takt weit.

Meine erste Reaktion war: „Weist Du, die Klangvorstellung ist kein Problem für Dich, aber Du musst darauf achten, dass deine motorische Vorstellung genauso gut und eindeutig ist.“

In den Weihnachtsferien habe ich ausgemistet, dabei fielen mir aus meinem Studium die Methodikunterlagen und Vom-Blatt-spiel-Unterlagen in die Hände.

In den Methodikunterlagen steht viel darüber, wie man an der Technik arbeitet, wie man den Notentext erarbeitet. Für die musikalische Vorstellung soll man das Stück dem Schüler am Anfang vorspielen. Sonst kein Wort dazu, wie man an einer auditiven Vorstellung arbeitet.

In den Vom-Blatt-spiel-Unterlagen stand, man möge sich den Notentext durchlesen und sich die Fingermotorik vorstellen. Kein Wort davon, dass man sich auch den Klang vorstellen möge. Ob der damalige Dozent, dass nicht dazugeschrieben hat, weil er davon ausging, dass eine Klangvorstellung automatisch vorhanden ist, oder weil er es für unwichtig hielt, weiß ich nicht.

Erinnere ich mich an mein Studium und Unterricht zurück, die auditive Vorstellung war kein Thema. Wie man die Finger erzieht, dies war das durchgehende Thema.

Man hat zwar an der musikalischen Gestaltung gearbeitet, aber die Frage, wie gut hörst Du das innerlich, wurde gar nicht gestellt.

Meinem Eindruck nach, ist zwar unter Musikern klar, dass dieses innere Hören notwendig ist, aber wie man daran arbeitet, ist in meiner Wahrnehmung dafür erstaunlich selten ein Thema. Warum auch, wenn man zu dem Teil der Bevölkerung gehört, der mit innerem Hören gesegnet ist.­

Mir ist deswegen der Gedanke gekommen, wir beurteilen und arbeiten hauptsächlich an den motorischen Fähigkeiten der Schüler. Also wir arbeiten mit solch einer Skala.

Man könnte diese Skala in ein zweidimensionales Koordinatensystem erweitern.

Meiner Meinung nach muss man Musiker in diesem Koordinatensystem so eintragen.

Sollte ich recht haben, dann wird vielleicht klar, warum so viel an der Motorik gearbeitet wird und uns Instrumentallehrern so wenig KnowHow vermittelt wird, wie man an der Klangvorstellung arbeitet. Damit haben wir ja kein Problem.

Aber reicht es, die Schüler in mit Klangvorstellung gesegnet oder nicht einzuteilen? Ich habe in der letzten Zeit immer wieder Artikel geschrieben, deren Grundtenor war, was sich ein Schülerhirn beim Üben so einprägt, ist eher Zufall. Jetzt hatte ich mit einem Schüler ein interessantes Erlebnis, der sehr leicht nach Gehör spielen kann, aber trotzdem ziemlich wenig zustande bringt. Ich schob das auf seine Konzentrationsfähigkeit. Dieser Schüler sagt mir vor Kurzem, Ziel des Gitarrenunterrichtes wäre, alles mit den Fingern richtigzumachen. Ich versuchte ihm klarzumachen, es wäre auch wichtig, sich einzuprägen, wie die Lieder klingen. Also bat ich ihn, einen sehr kleinen Abschnitt sich vorzuspielen, sich das Gehörte einzuprägen und nachzuspielen. Wichtig sei es natürlich, dass er sich die Dinge richtig vorspielt.

So arbeiteten wir das ganze Stück durch. Seitdem spielt dieser Schüler deutlich besser. Seine Erklärung ist: „Ich merke mir jetzt, wie die Sachen klingen und weil ich das weiß, kann ich besser spielen.“ Aber ich musste ihn darauf stoßen, obwohl er eine überdurchschnittliche musikalische Merkfähigkeit hat. Aber ich muss ihn ständig daran erinnern, daran arbeiten, dass er daran denkt. Ebenso bei der oben erwähnten, auffällig musikalisch begabten Schülerin.

Unterricht, den ich als Schüler und Beobachter erlebt habe, hat das Können eigentlich nach dem Funktionieren der Finger beurteilt. Ebenfalls, wenn ich mir die Reaktionen der Lehrer ins Gedächtnis rufe. Ich weiß noch, mit meinem ersten Lehrer hatte ich sogar ein Gespräch darüber. Ich glaube, ich ging ihm ab und zu leicht auf den Wecker, weil ich wissen wollte, was gute Gitarristen beim Gitarrenspielen in ihrem Kopf machen. Er meinte damals, wenn man den Leuten in den Kopf schauen könnte, dann wäre es sinnvoll sich, darum zu kümmern. Das ginge aber nicht, es bliebe nur das Funktionieren der Finger. Dieser Lehrer war einer der zwei Methodikdozenten des Frankfurter Konservatoriums. Von diesem Lehrer würde ich behaupten, dass er sich am wenigsten um Klangvorstellung gekümmert hat.

Also, wohin ich den inneren Fokus des Schülers richte, ist meiner Erfahrung nach selten ein Thema.

Nimmt man das Koordinatensystem von oben als Denkanregung, kann man sich vielleicht eher überlegen, woran man arbeitet und den Fokus der Schüler ausrichtet.

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Der Beitrag wurde am Freitag, den 24. Mai 2024 um 08:22 Uhr veröffentlicht von Stephan Zitzmann und wurde unter den Kategorien: Gitarrentechnik, Gitarrenunterricht, Übemethodik abgelegt. | Es gibt keinen Kommentar .