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Gitarrenunterricht in Frankfurt

Dipl.-Gitarrenlehrer Stephan Zitzmann

Zu Linux wechseln?

In letzter Zeit tauchten in meinem Medienkonsum immer wieder Berichte über digitale Souveränität auf. Als Lösung wurde vorgeschlagen, man könne ja auf Linux wechseln. Das Problem mit der digitalen Souveränität – dass meine Daten vielleicht nach Amerika fließen –, stört mich weniger. Aber mein Windows bläht sich momentan immer weiter auf, und irgendwann werde ich mir deswegen einen neuen Rechner kaufen müssen. Ich benutze kaum noch Microsoft-Programme; also gibt es auf den ersten Blick keinen Grund mehr, Windows zu nutzen. Mein Rechner muss aber auch aus mechanischen Gründen vermutlich bald ersetzt werden. Bei den Modellen, nach denen ich mich umschaue, werden viele ohne Betriebssystem angeboten.

Deswegen schaute ich mir ein Video an und stellte fest, dass Linux anscheinend bei Weitem nicht mehr so frickelig ist, wie es vor 20 Jahren war, als ich es mal kurz ausprobierte. Auch hieß es überall, dass Terminaleingaben nur noch selten nötig seien. Dazu kam – und das faszinierte mich sehr –, dass bei meinem Erstversuch LibreOffice unter Linux vom USB-Stick schneller startete als von der Festplatte unter Windows. Das bestätigte, was ich einige Male zu hören und zu lesen bekam: Linux verbraucht nicht so viele Ressourcen.

Also dachte ich mir, ich schaue mal, wie weit ich Linux für meine Bedürfnisse auf einem USB-Stick zum Laufen bringe. Und wenn das zu meiner Zufriedenheit geschieht, dann läuft der nächste Rechner unter Linux. Aber so leicht ist der Wechsel nicht, insbesondere für einen doch schon altgedienten Gitarrenlehrer wie mich. Ich habe schon während meiner Studienzeit einen Computer genutzt und ich verwende teilweise Dinge, die ich schon vor 35 Jahren auf einem Windows-Rechner gemacht habe. Ich besitze also einen Wust an Material, der irgendwie von Windows abhängig ist.

Denn es gibt bei so einem Betriebssystemwechsel ein Problem: Bestimmte Dateien werden in andere Dateien eingebunden. Zum Verständnis: Wenn ich in Reaper eine MP3-Datei öffne und dann die Reaper-Datei abspeichere, steht irgendwo in der Datei: „Hol dir aus dem Ordner Hasenfuß von der Festplatte die Datei Maria.mp3 von Tarrega.“ Unter Windows heißt der Pfad dazu: C:\Hasenfuß\Maria.mp3.

Das Problem ist jedoch: Wenn ich diese Reaper-Datei unter Linux öffne, heißt der Pfad zur Datei ganz anders, zum Beispiel: /mnt/home/Hasenfuß/Maria.mp3. Es stellt sich also die Frage: Wie bringe ich meine Dateien, die andere Dateien einbinden, unter Linux zum Laufen?

Dann gibt es das nächste Problem: Wenn man mit Notensatzprogrammen oder Digital Audio Workstations (DAWs) arbeitet, haben sich so manche VST-Plugins angesammelt, die man gerne weiternutzen möchte. Andernfalls müsste man ja alle alten Dateien auf neue Plugins umschreiben.

Also, wie weit bin ich gekommen?

Weiter oben schrieb ich: „… dass Terminaleingaben nur noch selten nötig seien.“ Was sind Terminaleingaben? Man öffnet ein bestimmtes Fenster – „Kommandozeile“ genannt – und tippt Befehle ein. Obwohl ich seit MS-DOS-Zeiten PCs nutze und das damals die einzige Art war, einen Computer zu bedienen, sind Terminaleingaben nervig. Man muss immer herausfinden, was man eingeben muss. Dann muss man die Pfade finden, die für den eigenen Rechner gelten. Hinzu kommt, dass man sich gerne mit Syntaxfehlern herumschlagen muss.

Also installierte ich Linux auf einem Stick. Das ging problemlos. Dann startete ich Linux. Weil ich davor schon die Suchmaschinen befragt hatte, wusste ich, dass ich erst einmal Audio- und Video-Codecs installieren muss, damit sämtliche Dateien auf meinem Rechner abgespielt werden können. Das vorinstallierte Dienstprogramm, das dies erledigen sollte, meldete einen Fehler. Daraufhin fragte ich eine KI. Dort bekam ich den Hinweis, das Terminal mit diesem oder jenem Befehl zu benutzen. Ich erhielt jedoch weiterhin Fehlermeldungen.

Also installierte ich Antigravity, um mir das Problem von einer KI lösen zu lassen. Dazu muss ich erst mal erklären: Was ist Antigravity? Es ist eigentlich eine Programmierumgebung, in der man der KI einen Auftrag gibt. Die KI erledigt diesen, holt sich aber teilweise die Erlaubnis ein, bestimmte Dinge zu tun. Dadurch wird sie fähiger, als wenn man sie nur im Browser benutzt, weil sie Befehle auf dem Computer ausführen, das System untersuchen, Dinge herunterladen oder kleine Programme schreiben kann.

Ich beauftragte also die KI in Antigravity, und das Problem wurde gelöst. Das nächste Hindernis war jedoch, dass ich meine Audiofiles nicht wie gewohnt per Drag-and-drop in Reaper hineinziehen konnte. Sie wurden einfach nicht geöffnet. Ich befragte das Internet und stellte fest, dass dieses Problem seit mindestens einem Jahr besteht. Es wurden zwar Lösungswege genannt (natürlich wieder via Terminal), aber ich bekam nur Fehlermeldungen.

Der Hintergrund dieser Problematik: Je nach Linux-Version muss man unterschiedliche Dinge in das Terminal eingeben. Es wird zwar die gleiche Aktion ausgeführt, aber die Befehle variieren je nach Linux-Variante. Also bat ich wiederum Antigravity um Hilfe. Es tat wie befohlen, und ich konnte wie gewohnt Audiofiles in Reaper nutzen.

Daraufhin widmete ich mich dem oben beschriebenen Pfadproblem. Die Lösung ist eigentlich ziemlich unspektakulär, und ich habe sie schon öfters auf meinem Android-Handy benutzt: der „symbolische Link“. Man sagt dem Betriebssystem: „Wenn irgendwo steht, du sollst zum Pfad C:\Hasenfuß\ gehen, dann gehe stattdessen zum Pfad /mnt/home/Hasenfuß/.“ Auch hier produzierten die Terminaleingaben, die ich im Netz fand, nur Fehler. Also beauftragte ich wieder Antigravity.

Das Ergebnis war, dass mein USB-Stick gelöscht wurde – was ich jedoch viel zu spät merkte. Da dieser Stick mit meiner Cloud synchronisiert wird, schob ich einen ganzen Tag lang Panik, dass die Arbeit von 20 Jahren verloren sei. Dem war letztendlich nicht so, aber es war dennoch eine sehr unerfreuliche Situation. Jetzt könnte man natürlich sagen: „Warum lässt du auch eine KI unbeaufsichtigt herumwerkeln?“ Aber ohne die KI hätte ich gar keine Chance gehabt, dieses Problem überhaupt anzugehen.

Unter Windows bin ich bei Weitem nicht so hilflos. Man sieht schon: Das sind alles Dinge, die man als vielleicht nicht computer-affiner Mensch nicht tun will und von denen man vielleicht gar nichts weiß. Wenn man meinen Blog liest, merkt man ja, dass ich eher computer-affin bin. Dennoch: Ohne KI wäre ich wahrscheinlich gegen eine Wand gelaufen, und mit der KI habe ich mir beinahe eine Katastrophe eingehandelt.

Nach dem gelöschten USB-Stick war Linux für mich erst mal gestorben. Es ist klar: Alleine kann ich mir nicht helfen, und andere Hilfsmöglichkeiten können im Fiasko enden. Sollte man Linux deswegen gänzlich meiden? Persönlich würde ich sagen: Man muss es ausprobieren. Die Dinge, die unter Linux funktionierten, liefen genauso gut und bequem wie unter Windows. Bloß wenn etwas nicht funktionierte, wurde es deutlich schwieriger.

An meinem Bericht sieht man vielleicht, auf was für Probleme man stoßen kann. Weiter sollte man sich fragen: Wie gestaltet sich der elektronische Austausch mit den Schülern? Wie ich bereits an verschiedenen Stellen in diesem Blog geschrieben habe, verwende ich im Unterricht Reaper und MuseScore als portable Installationen. Diese kann ich den Schülerinnen und Schülern auf ihren USB-Stick kopieren, und sie können die Programme direkt nutzen. Ich kenne die Hürden, auf die sie treffen könnten, und muss mich nicht in unzähligen verschiedenen Programmversionen zurechtfinden. Damit kann ich mit 80 % der Schülerschaft (wenn nicht sogar mehr) problemlos arbeiten. Unter Linux wird das deutlich schwerer.

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Der Beitrag wurde am Freitag, den 6. März 2026 um 08:59 Uhr veröffentlicht von Stephan Zitzmann und wurde unter den Kategorien: Notensatz, Recording, Software abgelegt. | Es gibt keinen Kommentar .