Visuelle Agogik
Eigentlich hätte ich die Sektion Phrasierung 2 in meinem Metronom nicht unbedingt entwickeln müssen, denn grundsätzlich ist es möglich, sich ein Metronom, mit dem möglich ist, dass sich das Tempo verändert zu basteln. Entweder man benutzt die Tempomaps in Digital Audio Workstations oder in MuseScore gibt es ein Plugin, in welchem man auch Tempomodulation gestalten kann. Dies schreibend denke ich gerade darüber nach, vielleicht hätte ich mir noch ein paar andere Notensatzprogramme anschauen sollen und hätte vielleicht dann entdeckt, dass es schon lange das gibt, was ich der KI hart abtrotzen musste.
Aber warum habe ich trotz dieser Möglichkeiten versucht, eine eigene Anwendung zu basteln? In Reaper kann man nur Tempo-Geraden machen, aber keine gebogenen Kurvenverläufe. In MuseScore kann man gebogene Kurvenverläufe machen, was sich natürlicher anfühlt, aber durch das Interface ist es etwas schwer zu handhaben. Im Nachhinein muss ich auch sagen, die Art der Kurvenmodulation in MuseScore ist meiner Meinung nach nicht so geeignet wie die, die ich – aber eher zufällig – entwickelt habe.
Ich weiß eigentlich nicht, woher das grafische Bild des Tempoverlaufs einer Phrase in meinen Kopf gekommen ist. Ob ich es aus einem Buch habe, ob einer meiner Lehrer es mal irgendwann aufgezeichnet hat oder weil ich ganz gerne Dinge so in meinem Kopf umsetze, dass dieses Bild einfach so in meinem Kopf entstanden ist. Wichtiges Merkmal meiner Vorstellung ist, dass der Tempoanstieg nicht als Gerade gezeichnet wird, sondern als Bogen.
Meine ersten Experimente mit einem agogischen Metronom machte ich in Reaper mit der Tempomap. Das half mir, aber ich fand, dass sich die Tempoänderungen etwas eigenartig anfühlten. Dann entwickelte jemand für MuseScore ein Plugin, das eine gebogene Kurve verwendete, aber das ganze Interface ist meiner Meinung nach unbefriedigend.
Aber in der Verwendung des Metronoms sind mir einige Dinge aufgefallen. Die erste Sache, die ich sehr merkwürdig finde, ist, dass meine Sensibilität für Tempo-Unterschiede anscheinend vom Tempo abhängig sind. Spiele ich eine meiner Tempokurven extrem langsam ab, nehme ich so gut wie keine Tempomodulation wahr. Steigere ich das Grundtempo, wird die Tempomodulation immer wahrnehmbarer. So weit, so gut, so schön. Aber kurioserweise gibt es dann einen Punkt, wenn ich das Tempo weiter erhöhe, dass dann wieder das Empfinden der Tempomodulation abnimmt, wobei einschränkend gesagt werden muss, wenn ich mitspiele, dann merke ich bei hohem Tempo anhand der motorischen Herausforderung die Tempomodulation trotzdem sehr deutlich.
Die nächste Sache, die ich aber auch sehr interessant finde, ist: meine vorgestellte Kurve, die ich über diesen grundsätzlichen Tempovorgang bei einer Phrasierung hatte, ist eine symmetrische Kurve.

Persönlich finde ich aber, dass eine asymmetrische Kurve den Vorgang einer Phrasierung wesentlich besser darstellt, als eine symmetrische Kurve.

Nächste Beobachtung: Ein Ritardando, stellt man sich ja eigentlich vor, damit es wirklich merkbar ist, dass man die Kurve, also dass das Endtempo merklich niedriger ist als das Anfangstempo der Phrase. Kurioserweise ist es aber häufiger so, dass die erste Kurve ein stärkeres Gefühl von Ritardando in mir erzeugt als die zweite Kurve , bei der das Tempo wesentlich stärker reduziert wird.


Daraus habe ich aber auch gelernt, dass Tempomodulation ein weitaus differenzierterer Prozess ist, als ich mir dachte, wobei ich jetzt einfach sagen möchte, das, was ich mir grafisch vorgestellt habe von dem, was ich tue, hat den Prozess simplifizierter dargestellt, als er anscheinend ist.
Vielleicht interessiert es manchen, wie denn das so mit den Tempoverläufen sein könnte. Der kann sich mit dem Metronom herumspielen, wobei ich jetzt keine Anleitung gebe, wie man die Phrasenbögen gestalten kann. Am besten man probiert die Felder in der Spaltenansicht aus und schaut was passiert.
Bitte nicht wundern, wenn sich die Kurve verändert, wenn man in die Grafik klickt. Ich habe es möglich gemacht, dass man die Kurve in der Graphik verändern kann. Aber dafür jetzt eine Anleitung zu schreiben ist momentan mir zu aufwendig.
Der Beitrag wurde am Freitag, den 12. Dezember 2025 um 08:43 Uhr veröffentlicht von Stephan Zitzmann und wurde unter den Kategorien: Gitarrenunterricht, Künstliche Intelligenz, praktisch, Rhythmus, Software, Übematerial, Übemethodik abgelegt. | Es gibt keinen Kommentar .