Griffbrettgrafik
Um meine SchülerInnen und Schüler mit den Tönen in den höheren Lagen vertraut zu machen, lasse ich sie für eine Zeit einstimmige Melodien in verschiedenen Lagen spielen. Dabei kommen allmählich größere Lagenwechsel hinzu. Dies hat bisher keine größeren Probleme aufgeworfen.
Jetzt hatte ich einen Schüler, bei dem ich mich sehr über seine Blickmuster und über die lange Suche nach dem Platz des Zieltons wunderte.
Bei diesem Lagenwechsel erklärte er mir, er würde den vierten Bund suchen, indem er vom Sattel abzählt, weil es ja die vierte Lage sei und der erste Finger dann zum vierten Bund müsse. Das Offensichtliche — dass der vierte Finger an denselben Bund geht, an dem zuvor der dritte Finger war — hat er offensichtlich nicht erkannt.
Beim nächsten Lagenwechsel wunderte ich mich wieder über das Blickmuster. Jetzt erklärte mir dieser Schüler, er würde den Platz des Tons in der ersten Lage suchen und dann fünf Bünde hochzählen. Er wisse durch das Stimmen, dass die Töne dann fünf oder vier Bünde höher liegen müssten und eine Saite tiefer. In diesem Moment war ich sehr perplex.
Warum? Einerseits ist dies der zweite Schüler in circa 35 Jahren, der dieses System erkannt hat, dass man die Töne um fünf, vier beziehungsweise zehn oder neun Bünde verschieben kann. Andererseits hat er nicht erkannt, dass es ganz andere Orientierungsmerkmale auf dem Griffbrett gibt.
Man könnte jetzt einwenden, dass dieser Schüler erstmals Lagenwechsel macht. Man könnte sagen, ich erwarte zu viel. Aber dieser Schüler arrangiert sehr fleißig hinter meinem Rücken Poptitel. Ab und zu bekomme ich auch etwas zu sehen. Er spielt nicht nur in den tiefen Lagen, aber er erzählt mir, weil er das Orientieren beim Lagenwechsel schwer findet, würde er Lagenwechsel eher vermeiden.
Ich persönlich bin der Meinung: Wer dieses Verschiebungssystem erkennt, müsste eigentlich auch das System erkennen, das ich benutze, um mich bei Lagenwechseln zu orientieren. Aber als ich darüber nachdachte, stellte ich fest, dass mir niemand beigebracht hat, wie ich mich beim Lagenwechsel auf dem Griffbrett orientiere — das hat sich von selbst ergeben.
Da ich mir einbilde, dass mein System ganz praktisch ist und anscheinend doch nicht so selbsterklärend ist, wie ich bisher dachte, möchte ich dieses System darstellen. Kurz gesagt — allerdings schon fast verfälschend —: Die nächste Lage ist höchstens zwei Bünde entfernt.
Es gibt einen Zielmarker und einen Orientierungsmarker.
Orientierungsmarker sind:
- erster Bund,
- fünfter Bund,
- siebter Bund,
- zwölfter Bund;
- bei mir auch noch der dritte Bund (wobei ich mir nicht sicher bin, ob das individuell geprägt ist; denn wenn ich meine Logik weiterdenke, müsste eigentlich auch der zweite Bund ein solcher Marker sein — bei mir ist er es jedoch nicht).
Weitere Orientierungsmarker sind
-
Der Bund des ersten und vierten Fingers in der Ausgangslage, egal ob diese greifen.
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Der Bund eines der greifenden Finger.
Die Zielmarker sind: der erste oder vierte Finger der linken Hand in der Zielposition oder einer der greifenden Finger.
Wenn man jetzt nach einem Lagenwechsel einfach irgendeine Position auf dem Griffbrett ausprobiert, wird man feststellen, dass die Zielmarker entweder identisch mit einer Orientierungsmarker sind, direkt daneben liegen oder einen Bund weiter.
Also: Wenn man einen Lagenwechsel lernt, muss man sich für eine Orientierungsmarke und für eine Zielmarke entscheiden und lernen, wie groß der Abstand zwischen Zielmarke und Orientierungsmarke ist. Dies ergibt meiner Meinung nach gut merkbare Bilder, deren Position man auf dem Griffbrett leicht findet.
Der Beitrag wurde am Freitag, den 13. März 2026 um 08:43 Uhr veröffentlicht von Stephan Zitzmann und wurde unter den Kategorien: Gitarre lernen, Gitarrentechnik, Gitarrenunterricht, praktisch abgelegt. | Es gibt keinen Kommentar .
