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Gitarrenunterricht in Frankfurt

Dipl.-Gitarrenlehrer Stephan Zitzmann

Primarcy of the Ear (Ran Blake) – Ein Ideenkatalysator 5

Primarcy of the ear V

Ich habe in irgendeinem anderem Artikel mal als Übemethode beschrieben.

Vor jedem Anschlag versuchen den Klang in sich zu hören -> spielen -> realen Klang mit vorgestelltem vergleichen -> notfalls den realen Klang mehrmals im Kopf wachrufen.

Ich habe mich bei dieser Methode immer gewundert, wie viele meiner Schüler von sich sagten der vorgestellte Klang wäre identisch mit dem realen. Aber ich wusste nicht, wie ich die Aussage meiner Schüler überprüfen hätte können.

Nachdem ich mich mit Ran Blakes Buch beschäftigt hatte, habe ich diese Vorgehensweise wie folgt modifiziert.

Vor jedem Anschlag versuchen den Klang in dir zu hören -> den Ton oder die Töne singen -> spielen und vergleichen, ob die gesungenen Tonhöhen die richtigen sind.

Ich bin mit dieser Methode auf wenig Gegenliebe gestoßen, denn dieses einzelne Töne „auszustoßen“ ist den Menschen unangenehm. Von einigen meiner Schüler weiß ich, wie sie eine Melodie singen. Dieses einzelne Töne voraussingen hörte sich verglichen dazu sehr, sehr unfrei und „gequält“ an.

Einige Schüler haben mir erklärt, dieses Ungewisse, ob das alles stimmen würde, was man machen müsse, was man den tun solle, wäre sehr unangenehm. Komischer Weise sagten das auch Schüler, die ziemlich gut klar kamen.

Aber vom Effekt fand ich die Methode bei einigen Schülern gar nicht schlecht. Es gibt ja Schüler, die machen beim Üben mit ihren Fingern eine Art Trial-und Error-Achterbahn. Mit deren Finger könnte man dann wahrscheinlich Schlagsahne schlagen. Diese Schüler wurden plötzlich ganz langsam, wenn sie mit der oben beschriebenen Methode ein Stück neu erarbeiteten. Es schien mir so, dass die Finger sich erst bewegten, wenn ihnen der Ton wieder klar wurde. Meiner 76-jährigen Kuchenversorgung hat das sehr gut getan.

Ich habe zwei Schüler, die einige Jahre in Frankreich Instrumentalunterricht hatten und damit mit dem französischen Solfègesystem zu tun hatten. Bei dem einem Schüler ist das 30 Jahre her. Es war verblüffend, wie gut er die Töne traf, verglichen zu Schülern, die jahrelang im deutschen System waren, indem nicht gerne gesungen wird, aber immer vom französischen Solfègesystem geschwärmt wird.

Letztendlich bleibt erst Mal die bedauerliche Bilanz, wie wenig ich weiß, was da im Kopf passiert, aber auch wie wenig das Thema ist. Jeder Musiker wird zustimmen, man müsse die Dinge in sich hören können. Aber wenn ich mir die ganze Übeliteratur so ansehe, es geht großteils um die Zähmung der Motrik, nicht um den Aufbau einer Klangvorstellung. Aber es wird dann doch wieder „gejammert“ warum die Leute es nicht können. Vielleicht ein hausgemachtes Problem?

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Der Beitrag wurde am Freitag, den 28. April 2017 um 08:05 Uhr veröffentlicht von Stephan Zitzmann und wurde unter den Kategorien: Gitarrenunterricht, Musikalität abgelegt. | Es gibt einen Kommentar