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Gitarrenunterricht in Frankfurt

Dipl.-Gitarrenlehrer Stephan Zitzmann

Primarcy of the Ear (Ran Blake) – Ein Ideenkatalysator 4

Jetzt komme ich wieder auf die Frage zurück, warum merken sich manche Schüler den Klang und die Tonhöhen so schlecht? Warum tuen sich andere so leicht?

In meinem Studium hatten wir ein computergestütztes Gehörbildungslabor, um dort Gehörbildung zu üben.

Aber beim Öffnen der Beispiele konnte man die Noten sehen. Leider ist mein Gedächtnis so gestrickt, sodass damals ein kurzer Blick reichte, mir die Noten einzuprägen. Das Problem war deswegen, mir hat dieses Labor wenig geholfen. Weil ich quasi von Blatt gesungen habe. Ich konnte mein Gedächtnis nicht abschalten.

Da ich ziemlich viel in Chören gesungen habe, ansonsten auch gerne singe, weiß ich auch durch Introspektion, dass, wenn ich eine Melodie singend nach Gehör lerne, es in meinem Kopf anders aussieht, als wenn ich eine Melodie auf einem Instrument nach Gehör lerne.

Der entscheidende Unterschied ist, dass die Informationen, die ich beim Singen lernen in meinem Hals spüre, mir keine Anhaltspunkte liefern, was ich beim nächsten Durchlauf motorisch machen muss, um den Ton richtig zu treffen liefert.

Sobald ich nach Gehör, aber mit einem Instrument lerne, bekomme ich solche Informationen.

Jetzt habe ich einem Schüler den Auftrag gegeben, er möge die Oberstimme seines Stückes auswendig lernen.  Schumann „Stückchen“ in der Teuchert-Bearbeitung. Merktechnisch ist das Stück durch Melodieaufbau und Form ein Klacks.

Wer kam in die Stunde rein und starrte verzweifelt in die Noten. Der Schüler! Auf die Frage des Warums kam die Antwort: „Ich muss mir die Noten und die Finger merken.“ Er kam nicht über die ersten zwei Takte.

Er musste dann die erste Phrase nach Gehör ohne Notenspielen. Dann die dritte. Er musste den Unterschied benennen. Dann Phrase 2 und 4. Dort die Unterschiede benennen. Ähnlich gingen wir im zweiten Teil vor. Nach zwanzig Minuten konnte er die Oberstimme komplett ohne Noten spielen.

Als ich mich mit ihm unterhielt, war der Schüler der Ansicht, eigentlich wäre es wesentlich einfacher sich die Melodie über den Klang zu merken, weil sich  das zu Merkende durch die Melodie auf wenige Informationen reduzieren würde. Finger und Noten wären ja unendlich viele Detailinformationen, die man sich ja gar nicht merken könne.

Aber sich eine Melodie zu merken, dass wäre auch leicht unheimlich. Den er könne eine Melodie so schlecht beschreiben. Noten und Finger wären fassbarer, weil leichter beschreibbar.

Also sobald wir mit Noten und einem Instrument Musik erlernen, werden uns Informationen angeboten, die uns mehr das Gefühl geben können, die Musik verlässlich zu erzeugen. Dieses Gefühl kann aber trügerisch sein, weil uns diese Informationen vertrauter sind.

Denn ich finde, diese Zeilen schreibend, doch einiges merkwürdig.

Ich habe Schüler, die spielen lieber nach Gehör, statt nach Noten. Darunter sind Kandidaten, denen man eine geeignete Anfangsnote für ihren Könnensstand ihrer Wunschmelodie geben kann und nach einigen Minuten erklingt die Melodie. Aber sogar diese Schüler fragen erst nach Noten, wenn sie sich wünschen ein Lied zu spielen.

Ich habe eine Zeit lang meine Stücke von CD gelernt. Ich bekam von meinen Professoren zu hören, ob ich denn zu viel Zeit hätte. Aber Professoren an Musikhochschulen sind überdurchschnittlich musikalisch. Warum glauben die, nach Noten lernen ginge schneller? Erfahrung oder Vermutung? Weil sie es nie ausprobiert haben, es nicht anders kennen?

Ich stelle folgende These in den Raum, die Ohren werden nicht benutzt, weil man glaubt, auch zu Unrecht einfach glaubt, mit Ohren würde es deutlich schwerer.

Diese Entscheidung ist nicht einmal eine bewusste, sondern ein zufällige intuitive im Unterbewusstsein.

Vermutlich geht es auch um Sicherheit. Die Ideologie besagt, die Klangvorstellung soll die Bewegung hervorrufen. Aber was macht so ein kognitiver Apparat, wenn er vom Lehrer angemeckert wird, dass da der falsche Finger den Ton gespielt hat, obwohl die Klangvorstellung oder Tonhöhenvorstellung einwandfrei war. Er nimmt dann doch lieber die Bewegungsvorstellung oder eine andere Informationsebene die Ärgerfreiheit verspricht. So ein kognitiver Apparat ist auch nur ein Mensch.

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Der Beitrag wurde am Freitag, den 21. April 2017 um 08:33 Uhr veröffentlicht von Stephan Zitzmann und wurde unter den Kategorien: Gitarrenunterricht, Musikalität abgelegt. | Es gibt keinen Kommentar .