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Gitarrenunterricht in Frankfurt

Dipl.-Gitarrenlehrer Stephan Zitzmann

Akkorde herausfinden mit Software

Eigentlich lautet die eingegebene Frage bei Google „akkorde herausfinden software“, die ich in meiner Webstatistik fand. Da ich in meinem Logdateien ähnlich lautende Fragen finde, will ich mal eine Antwort auf diese Frage schreiben.

Eigentlich findet man Akkorde letztendlich mit dem Ohr heraus. Es gibt Software, die von sich behauptet, sie könne das. Aus purer Neugierde habe ich solche Software natürlich ausprobiert.  Die Testergebnisse waren bisher immer schlecht. Das wird sich vermutlich nicht so schnell ändern.

Ich versuche auch mal zu erklären, warum das so ist?

Wenn jemand einen C-Dur-Akkord spielt, und man versucht die Tonhöhen zu messen, funktioniert das erst einmal nicht. Man muss dieses Tonsignal mit der Fourieranalyse aufbereiten. Das Ergebnis dieser Analyse sind die hörbaren Töne.

Leider erhält man nicht nur die Töne c-e-g, sondern auch andere Töne. Diese Töne  gehören zu der Obertonreihen der Töne c-e-g. (Sogar wenn man nur einen Ton spielt, werden bei diesem Verfahren deswegen mehrere Töne gemessen.)

Bemerkenswert ist, dass das menschliche Ohr auch erstmal nichts anderes als diese Fourieranalyse macht. Eine Mischung aus neuronaler Verschaltung des Hirnes und kulturbedingter Lernleistung ermöglicht eine Bewertung der Klänge, die mit Software bisher noch nicht möglich ist.

Eine Software erkennt nur die statistische Verteilung der einzelnen Frequenzen. Die entscheidende Zusatzinformation zu dieser statistischen Verteilung, die der Mensch gelernt hat zu verarbeiten, ist die Instrumentierung und der musikalische Kontext.

Ein Mensch erkennt zum Beispiel drei Flöten. Das sind maximal drei Töne. Aus dem bisher von dem Stück gehörten, erkennt er, wie viele Töne wirklich gespielt worden sind. Die Software erkennt weder die Flöten, und schon gar nicht die Anzahl der Flöten.

Man kann das Problem auch mit einem kleinem Experiment  nachvollziehen. Die meisten kleinen Kinder glauben, wenn man ihnen eine Oktave auf einem Instrument vorspielt, dass man ihnen nur einen Ton vorgespielt.

Zurück zur Software. Können diese Messungen hilfreich sein, wenn man einen Akkord herausfinden will? Eigentlich nein. Wenn man diese Messergebnisse sinnvoll interpretieren kann, hat man sich schon so viel mit Musik beschäftigt, dass man diese Meßergebnisse nicht mehr braucht. Durch diese Beschäftigung hat man gelernt, die Akkorde mit dem Ohr zu erkennen.

Bei meinen Tests konnte ich eine interessante Beobachtung machen. Die Ergebnisse dieser Software sind bei Pop- und Rockmusik schwerer interpretierbar als bei Klassik.

Ich vermute, weil bei Popmusik die Obertöne gerne in der Abmischung stark betont werden, bzw. weil ein dreckiger Ton also geräuschhaft angestrebt wird, und damit das Obertonspektrum schwerer interpretierbare Signale liefert.

Persönlich finde ich, es lohnt sich, dieses Heraushören zu lernen. Wenn man es kann, erlebt man Musik noch intensiver.

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Der Beitrag wurde am Freitag, den 24. November 2006 um 08:28 Uhr veröffentlicht von Stephan Zitzmann und wurde unter den Kategorien: Gehör, Software abgelegt. | Es gibt keinen Kommentar .