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Gitarrenunterricht in Frankfurt

Dipl.-Gitarrenlehrer Stephan Zitzmann

Die falsche Demut von Anfängern

Um die Discounterangebote von Gitarren sind in verschiedenen Forensystemen Diskussionen entstanden. Was ich von diesen Discountergitarren halte, habe ich schon unter http://www.gitarrenunterricht-frankfurt.de/2006/11/13/die-discountergitarren-aldi-lidl-und-co/ deutlich gemacht.

Mir fällt dabei aber auch immer wieder eine Haltung auf, die ich hie und da in Beratungsgespräche auch vorfinde. Als Anfänger bin ich doch zu stumpf, um diese Unterschiede überhaupt zu bemerken. Warum also Geld ausgeben? Wenn ich spielen kann, dann kaufe ich eine teuere Gitarre, weil dann kann ich sie auch ausnutzen.

In dieser Haltung sind zwei Fehlannahmen.

Auch Anfänger hören Unterschiede. Ich gehe des öfteren mit meinen Schülern – auch im Grundschulalter – Gitarren einkaufen. Was mich anfänglich verblüfft hat, Kinder, die nicht trainiert sind, nehmen diese Qualitätsunterschiede wahr und bilden sich ein Geschmacksurteil. Dieses subjektive Urteil stimmt erstaunlich gut überein mit meiner Qualitätsbeurteilung.

Aber wenn Kinder diese Unterschiede hören, dann hören sie ältere Menschen erst recht. Dieser Geschmack will weiter entwickelt werden. Wer sich von Anfang seines Lebens nur von Fastfood ernährt, wird auf Dauer seine Geschmacksinne abstumpfen und gutes Essen nur noch schwer schätzen können.

Die andere Fehlannahme ist, man kann auf einem schlechten Instrument lernen ein gutes Instrument auszunutzen. Dem ist nicht so. Sie müssen sich klar machen, was bedeutet „ein gutes Instrument“? Der Maßstab für ein gutes Instrument ist der Reichtum der Gestaltungsmöglichkeit der Töne und damit der Musik.

Um eine gutes Instrument nutzen zu können, müssen Sie lernen, diese Gestaltungsmöglichkeiten zu nutzen. Das können Sie aber nur, wenn die Gitarre auf ihre Gestaltungsversuche reagiert. Das tut aber ein Billiginstrument, wie z.B. die Aldigitarren, so gut wie gar nicht.

Also können Sie auf solch einem Instrument nicht lernen ein gutes Instrument auszunutzen. Es ist ungefähr so, als würden Sie permanent Fertiggerichte kochen, in der Hoffnung, wenn Sie dann echte Gewürze in die Hand bekommen, würden Sie dann mit diesen schon umgehen können.

Sie können natürlich wieder die Frage stellen: „Brauche ich das? ich bin ja kein musikalisches Genie.“

Das sind sie vermutlich genauso wenig wie ich. Aber Sie haben ein musikalisches Qualitätsempfinden, was bei weitem nicht so rudimentär ist, wie sie glauben. Sie halten es nur für so rudimentär, weil Sie ihr Qualitätsempfinden sehr schlecht artikulieren können, da ihnen die Sprache dazu fehlt. Der Unterschied zwischen einem Laien und einem ausgebildeten Musiker ist weniger die Wahrnehmungsfähigkeit, sondern das Wissen – also die Ausbildung-, was man aus dem Wahrgenommenen schließen kann und worauf man achten muss. (Dazu ein interessanter Artikel aus der FAZ)

Bei meinen Leihgitarren habe ich deswegen auf eine Mindestqualität Wert gelegt, weil ich mir ja die Schüler nicht vergraulen will. Würde ein Anfänger nichts merken, könnte ich mit billigeren Gitarren hantieren und hätte weniger Kosten.

Ich unterrichte meist mit einem meiner guten Instrumente. Es gibt Momente, da frage ich mich, ob ich es lieber sein lassen sollte. Die Schüler, die ich nicht vor schlechten Instrumenten bewahren konnte, fangen meist schon in der zweiten Stunde zum jammern an, dass ihr Instrument so hässlich klänge.

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Der Beitrag wurde am Freitag, den 22. Dezember 2006 um 07:30 Uhr veröffentlicht von Stephan Zitzmann und wurde unter den Kategorien: Instrumente, Lernen abgelegt. | Es gibt keinen Kommentar .