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Gitarrenunterricht in Frankfurt

Dipl.-Gitarrenlehrer Stephan Zitzmann

Motivieren zur Musik – Nicolai Petrat (Buchbesprechung)

Ich habe mich vor einiger Zeit mit dem Thema Motivation befasst. Deswegen interessierte mich das Buch „Motivieren zur Musik“ von Nicolai Petrat wegen des Untertitels „Grundlagen und Praxistipps für den erfolgreichen Instrumentalunterricht“.

Um es vorneweg zu sagen, ich habe das Buch nicht fertig gelesen, weil ich teilweise einfach unerträglich empfand.

Woher dieser harsche Vorwurf? Vor kurzem las ich, das Übel der psychologischen und pädagogischen Sprache sei, dass man wohlklingende Sätze formulieren kann, mit denen man immer recht hat und die man in ihrer Schwammigkeit aber kaum in der Wirklichkeit anwenden kann.

Daran musste ich sehr häufig denken. Ich habe irgendwann nach Nikolai Petrat im Netz gesucht, um festzustellen, wie viel Praxiserfahrung Herr Petrat mit dem normalen Musikschulalltag und normalen Instrumentalunterricht hat.

Die Angaben sind dazu leider nicht eindeutig, aber sie weisen meiner Meinung eher darauf hin, dass Herr Petrat im Großteil eher eine selektierte Schülerschaft hat, die sich durch überdurchschnittliche Begabung und Interesse auszeichnet. Deswegen bemerkt Herr Petrat meiner Meinung nicht, wie wenig hilfreich das Buch wirklich ist und wie sehr das Buch an der Realität vorbei geht.

Wenn Herr Petrat auf S. 98 schreibt:

„Androhung einer Reduktion von anderen Freizeitaktivitäten, falls zu wenig geübt wird: Damit sind Aktivitäten gemeint, denen der Schüler außer dem Musikmachen gern nachgeht (Computer spielen, Sport etc.) Sanktionen müssen natürlich zuvor mit den Eltern abgestimmt werden.“

dann wundere ich mich. Noch viele mehr wundere ich mich, warum der Lektor nicht rebelliert hat.

Dieses Buch leidet an einem Phänomen, unter dem viele Publikationen zu instrumentalpädagogischen Themen leiden. Es schreiben Leuten, die an Konservatorien und Hochschulen unterrichten. Dort funktionieren diese Vorschläge und Ideen. Aber wie man den Schüler auf diesen Level bringt, damit er mit diesen Methoden umgehen kann, diese Frage wird nur selten geklärt.

Z.B. empfiehlt Herr Petrat, dass der Schüler verschiedene Interpretationen ausprobieren soll.

Es gibt aber einen nicht unerheblichen Zeitraum, bis der Schüler so wendig auf dem Instrument ist, dass er mehrere Interpretationen wirklich vergleichen kann. Oder die Idee, dass der Schüler eigene Interpretationen entwickelt. Dies ist den meisten Schülern erst einmal viel zu kompliziert und deswegen viel zu frustig. Denen ist erstmal deutlich lieber, wenn sie eine Lösung vorgesetzt bekommen. Wenn Schüler genügend Vorgaben erfüllt haben, dann sind sie erst fähig, diese Selbstbeteiligung, die Petrat fordert, wirklich zu leben.

Ähnlich ein Praxistipp. Petrat empfiehlt Mitspiel-CDs. Hört sich gut an. Leider gibt es das Problem, dass bei vielen Mitspiel-CDs das Tempo zu hoch ist. Petrat empfiehlt das Programm SlowGold.

Wenn man wirklich ernst machen wollte, dass die Schüler ausgiebig Playbacks zum Üben haben, dann ist das Programm SlowGold von der Nutzerfreundlichkeit so ziemlich die schlechteste Idee, die jemand haben kann. Um es sarkastisch zu sagen, Herr Petrat sollte dazu verdonnert werden, mal ernsthaft zu versuchen mit diesem Programm, die CDs der Schüler aufzubereiten, damit ihm klar wird, Tipps sollten einer gewissen Praxiserfahrung nicht entbehren. Sollten seine Schüler damit arbeiten, müssen sie ihren Lehrer sehr lieben oder schlichtweg nicht wissen, was praktisch ist.

Petrat erklärt auch die Grundlagen der Motivationspsychologie. Persönlich würde ich sagen, jemand der ernsthaft Interesse an diesem Thema hat, sollte dieses Buch nicht lesen, sondern doch eher zu dem Standardwerk Motivation und Handeln greifen. Ab und zu hatte ich den Eindruck, das Herr Petrat so manches einfach nicht richtig durchdrungen hat.

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Der Beitrag wurde am Freitag, den 11. Dezember 2009 um 08:48 Uhr veröffentlicht von Stephan Zitzmann und wurde unter den Kategorien: Buchbesprechung abgelegt. | Es gibt keinen Kommentar .