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Gitarrenunterricht in Frankfurt

Dipl.-Gitarrenlehrer Stephan Zitzmann

Aufnehmen im Unterricht – Teil 2

Dass das Aufnehmen die ein hilfreiches Mittel für die Selbstkontrolle der Schüler ist, ist schon oft geschrieben worden. Aber wie sieht das in Wirklichkeit aus. Ist Aufnehmen nur eine Kosmetik für das pädagogische Ego oder bringt es wirklich etwas?

Aus meiner Erfahrung es bringt bei vielen Schülern etwas. Und es haben sich auch mir Möglichkeiten im Unterricht erschlossen, die ich bisher so nicht kannte.

Letztendlich muss jeder Schüler mit dem Problem klarkommen, dass die Aufnahme gnadenloser und unfreundlicher ist, als das Erlebte beim Vortrag.

Interessant ist, dass dies bei einem Teil der Schülerschaft zu sehr erfreulichen Reaktionen führt. So mancher Schüler verbeißt sich regelrecht in die Aufgabe, eine hässliche Stelle in eine Positive zu verwandeln und wenn es ein halbe Stunde dauert. Jeder Versuch muss aufgenommen werden und wird aufmerksam angehört, was dann den Schüler zu neuen Verbesserungen antreibt.

Diese Schüler sind teilweise von dieser „Verbesserungswut“ nicht abzubringen.

Aber so ein singuläres Ereignis ist zwar schön zu beachten, aber was ist bei diesen Schülern auf lange Sicht zu beobachten.

Ihr Spiel wird insgesamt kultivierter. Sie berichten auf Nachfrage, dass sich ihr Hören verändert hätte. Sie würden jetzt störende Dinge im Spiel wahrnehmen, die sie zuvor nicht erkannt haben.

Bei mir ist teilweise der Eindruck entstanden, weil ich notfalls nur einen Ton aus der Aufnahme herausgreifen kann und dadurch das Problem deutlich wahrnehmbar wird, man sich einprägt, wie das Problem sich anhört und dann leichter wiedererkennt.

Bei abgerissenen Tönen versus normal ausklingenden Tönen fällt das besonders auf. Wenn sich ein Schüler zehnmal angehört hat, wie es sich anhört, wenn ein Ton abreißt im Vergleich zu einem ausklingenden Ton, dann erkennen viele Schüler dies dann auch während des Spielens.

Was mir weiter positiv aufgefallen ist, teilweise entsteht ein anderes Arbeitsverhalten bei den Schülern. Sie wollen plötzlich wissen, wie sie das von der Aufnahme gehörte verbessern können und ich muss es ihnen nicht „aufdrängen“.

Viele Schüler haben das so kommentiert, ihnen wäre jetzt wesentlich klarer, warum ich bestimmte Dinge kritisiere und welche Verbesserungen ich vorschlage.

Auf meiner Seite habe ich bemerkt, dass so eine Aufnahme meinen Feedback verbessert. Durch die Aufnahmen bemerke ich eigentlich erst so richtig, was in meinem Gedächnis untergegangen ist. Probleme des Schülers verschwinden trotz meiner zunehmenden Verkalkung nicht. ;-)

Was wird aber durch das Aufnehmen möglich. Ich kann den Effekt von Übemethoden besser demonstrieren. Während ich mit dem Schüler arbeite, stelle ich den Sequenzer auf Aufnahme. Dann vergleichen wir einzelne Momente in dem Prozess oder bewerten die Entwicklung.

Auch hier nehmen die Schüler, die Veränderungen besser war als wenn gerade mit dem ganzen Übeprozess beschäftigt sind. Manche reagieren extrem positiv darauf. Wenn das so gut wirkt, dann mache ich das.

Letztendlich verändert sich die Position des Schülers. Er wird weniger zum Befehlsempfänger, sondern zum Ratsuchenden und Ratempfangenden.

Auch habe ich entdeckt, dass dieses Aufnehmen eine Gehör erziehende Funktion haben kann. Es ist interessant, ob Schüler Textfehler hörend erkennen können oder nicht. Können sie das nicht, kann ich Aufgaben, teilweise mit Aufnahmen, stellen, bei denen sich der Schüler mit den verschiedenen Höreindrücken beschäftigen muss und damit einen Eindruck bekommt, wie es sich richtig anhört.

Dies ist besonders interessant bei Zusammenklängen. Wie klingt es mit dem richtigen Bass oder mit dem falschen Bass.

So positiv das alles klingen mag, das Arbeiten mit Aufnehmen ist auch zeitraubend. Ich bin zwar einerseits so angetan, dass ich mir überlege, eine Kamera zu kaufen. Wenn man aber noch die einzelnen Hände durchsieht, würde es den zeitlichen Rahmen sprengen.

Deswegen würde ich nicht ausschließen, dass ich in einem Jahr sage, die offensichtlichen Effekte sind wunderbar. Aber es geht so viel Zeit verloren, dass der jetzt geglaubte Gewinn sich in Luft auflöst und man das Ganze auch bleiben lassen kann.

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Der Beitrag wurde am Freitag, den 22. Juni 2012 um 08:49 Uhr veröffentlicht von Stephan Zitzmann und wurde unter den Kategorien: Gehör, Gitarrenunterricht, Übemethodik abgelegt. | Es gibt keinen Kommentar .