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Gitarrenunterricht in Frankfurt

Dipl.-Gitarrenlehrer Stephan Zitzmann

3-D-Befragungen der rechten Hand – Teil 6

Eigentlich suche ich ein ähnlich simples Modell, wie ich für die linke Hand bei meinen Überlegungen “Inverse und direkte Kinematik – Robotik für die linke Hand” fand. Bei der linken Hand waren die Dinge einfach. Der Handteller ist die Plattform für die Finger, die am Hals positioniert werden muss, damit die Finger greifen können. Die FInger müssen sich eigentlich nur noch strecken und beugen. Notfalls etwas spreizen bzw. die Spreizung mindern.

Bei der rechten Hand stellt es sich für mich momentan nicht so einfach dar. Zwar kann man auch bei der rechten Hand davon sprechen, dass der Handteller positioniert werden muss, damit die Finger anschlagen können. Aber die Dinge liegen nicht so einfach, weil in diesem Fall dieses Positionieren mehrere Funktionen beinhaltet.

Die erste Funktion ist leicht zu verstehen.

Der Höhenausgleich

Würde man nur mit dem Daumen oder nur den Fingern spielen, müsste die rechte Hand nur dafür sorgen, dass die Finger in der richtigen Höhe sind. Also z.B. wenn man eine Tonleiter von der tiefen E-Saite zur hohen e-Saite spielt.

Der Spannenausgleich

Leider ist es nicht so, dass man entweder mit den Fingern spielt oder dem Daumen, sondern Daumen und Finger spielen zusammen. Zwei einfache Beispiele zum Verständnis des Spannenausgleiches.

Enge Spanne

  • p auf d-Saite
  • m auf g-Saite

Weite Spanne

  • p auf E-Saite
  • m auf e-Saite

Wie bekommt man das unter einen Hut?

Es stellt sich die Frage, wie bestimme ich den Höhenausgleich und Spannenausgleich?

Die Komfortzone der Finger

Bei meiner Hand ist es so, dass wenn ein Finger eine angenehme Position für den Anschlag hat, dann kann er eigentlich nahezu problemlos die obere und untere Nachbarsaite anschlagen. Das gilt auch für den Daumen.

Solch eine Position habe ich persönlich, wenn p auf der A-Saite, i auf der g-Saite, m auf der h-Saite und a auf der e-Saite liegt.

Kann ich die Töne des ersten Akkordes problemlos spielen, kann ich auch mit wenig Mühe mit den entsprechenden Fingern die anderen Saiten anschlagen, ohne meine Handposition und Stellung des Handrückens zu verändern. Dazu muss ich die Finger entsprechend mehr beugen oder strecken.

Käme ich jetzt aber zum Beispiel auf die Idee, mit dem a-Finger die g-Saite oder mit dem i-Finger die e-Saite anzuschlagen, dann müsste ich einen Höhenausgleich von mindestens einer Saite machen, damit der i-Finger noch in seinem Komfortbereich ist.

Kann ich mit p die d-Saite problemlos anschlagen, habe ich kaum Probleme die g-Saite und die A-Saite anzuschlagen, ohne meine Handposition und Stellung des Handrückens zu verändern. Erst für die E-Saite bzw. h-Saite müsste ich einen Höhenausgleich von mindestens einer Saite ausführen.

Ich würde vorschlagen, man spricht von einer

  • normalen
  • gestreckten
  • gebeugten

Formung der Finger.

Ich würde diese Begriffe auch für den Daumen verwenden.

Wie verwendet man das?

Sehen wir uns dieses Beispiel an:

Bei der Zählzeit 3 müssen wir etwas verändern. Es gibt zwei Möglichkeiten.

Die Hand macht keinen Höhenausgleich, dafür wechselt der Daumen in die gebeugte Stellung und die Finger halten ihre Beugung bei. Die andere Variante wäre, die Hand macht einen Höhenausgleich um eine Saite. Der Daumen behält seine Stellung, die Finger beugen sich etwas mehr.

Die “verbotene” Situation

Vor kurzem hat ein Schüler von mir gemeint, dieser Anschlag gehört verboten.

Gehen wir von meiner bequemen Stellung schon oben beschriebenen angenehmen Stellung aus:

  • p auf der A-Saite,
  • i auf der g-Saite,
  • m auf der h-Saite
  • und a auf der e-Saite

Wenn man den Daumen gestreckt ausrichtet, dann muss man den i-Finger überstrecken oder aus seinem Komfortbereich, um an die e-Saite zu kommen. Oder man spielt die e-Saite mit einem gestreckten i-Finger, aber dann muss man den Daumen überstrecken.

Was nutzt das?

Und damit habe ich ein schönes Werkzeug, um meine Anschlaghand zu reflektieren. Was muss meine rechte Hand machen, um an die Töne zu kommen?

  • Muss die Hand einen Höhenausgleich machen?
  • Müssen sich die Finger
    • strecken,
    • beugen,
    • die Beugung beibehalten?
  • Muss der Daumen sich
    • strecken,
    • beugen,
    • die Beugung beibehalten?

Es gibt ja diverse rechte Handübungen, bei welchen entweder die Finger oder der Daumen über die Saiten wandern. Sehen wir uns diese gerade von mir erfundene Übung an.

Es gibt mit meiner Betrachtungsweise verschiedene Varianten, wie man diese Übung ausführen kann.

Die erste Variante wäre zum Beispiel, i ist normal geformt, p startet gebeugt, wird dann normal und dann gestreckt, um dann in die normale Orientierung zurückzugehen.

Man könnte aber mit einem gebeugten i anfangen, es strecken zur normalen Form und geht dann weiter zur gestreckten Form. P bleibt immer normal orientiert.

Ich denke da an einen Schüler, der beklagte, er wisse gar nicht so recht, wie er seine rechte Hand positionieren muss. Dafür habe ich jetzt eine Sprache. Bzw. ich kann es jetzt auch notieren.

Der erste Buchstabe ist der Name der Saite, welche der m-Finger spielt oder spielen würde. Die Buchstaben s, b und n geben die Beugung der Finger an. Die Orientierung des Daumens ergibt sich logisch.

Gehen wir zu unserem oberen Beispiel:

Dies bedeutet, die Fingerformung bleibt gleich und die Daumenorientierung ändert sich bei Zählzeit Drei.

Notiere ich Folgendes:

Dann werden die Finger bei der Zählzeit der gebeugt, die Hand bewegt sich eine Saite nach unten. Der Daumen behält seine Orientierung bei.

Eine Art Resümee

Richtig elegant finde ich das System nicht. Aber ich finde es für mich hilfreich. Aus irgendeinem Grund wurde in meinem Unterricht hauptsächlich an der linken Hand gearbeitet. Fragte ich nach der rechten Hand, dann kam meistens, das stellt sich heraus. Eigentlich habe ich kein Raster an die Hand bekommen, wie ich Positionsfragen der Anschlagshand reflektieren könnte.

Ich stelle für mich einige Effekte fest. Beim Spielen stelle ich schon seit meinem Studium fest, dass sich die rechte Hand fester und weniger geschmeidig anfühlt als meine Linke. Auch wenn ich meine Finger im Alltag benutze, fühlen sich die linken Finger anders an als die rechten. Dieser Gefühlsunterschied geht bis in die Unterarme. Rechts ist mehr Widerstand.

Da man eigentlich an meiner rechten Hand kaum rumgemeckert hat und meinen Ton sehr lobte, habe ich das als naturgegeben hingenommen. Jetzt nimmt dieser Gefühlsunterschied ab.

Ich erkläre mir das momentan so.

Kein Streit zwischen den Möglichkeiten

Ich musste technische Übungen machen, wie die oben gezeigte. Aber es wurden eigentlich keine Varianten, wie ich oben formulierte, eingefordert. Aber es gibt verschiedene Lösungsmöglichkeiten. Meine These, ich spüre den Widerstreit zwischen den Lösungen.

Unrealistische Forderungen oder Glaubenssätze

Wenn man sich rechte Handhaltungserklärungen ansieht, dann sind die Finger – wenn man senkrecht auf das Schallloch sieht – meistens schräg zu den Saiten ausgerichtet. Andererseits wurde mir gegenüber die Forderung aufgestellt, dass der Anschlagspunkt beim Wandern über die Saite auf einer Linie bewegt, die im rechten Winkel zu den Saiten steht. Wenn dann noch die Forderung auftaucht, dass der Handrücken sich nicht bewegen soll, dann ist das eine nicht lösbare Aufgabe, weil der Anschlagpunkt dann nur schräg über die Saiten wandern kann. Wenn sich dann das Unterbewusste sich gegen das geometrische Mögliche wehrt, dann entsteht Spannung in der Hand. Bzw. wenn die geometrischen Zusammenhänge nicht klar sind, wie die Forderungen zu erfüllen sind, dann führt der Widerspruch zwischen der angenommenen Geometrie und der wirklichen Geometrie zu Spannungen. Denn die Finger müssen aus geometrischen Gründen, wohin gehen, wovon man glaubt, es verhindern zu müssen, aber nicht die Grundlage schaffen kann, dass die Finger so gehen können, wie man will.

Aussichten

Mit dem, was ich bisher geschrieben habe, ist noch nicht geklärt, wie der Höhenausgleich funktioniert. Dazu mehr im nächsten Artikel.

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Der Beitrag wurde am Freitag, den 24. November 2023 um 08:25 Uhr veröffentlicht von Stephan Zitzmann und wurde unter den Kategorien: Gitarre lernen, Gitarrentechnik, Gitarrenunterricht, Übemethodik abgelegt. | Es gibt keinen Kommentar .