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Gitarrenunterricht in Frankfurt

Dipl.-Gitarrenlehrer Stephan Zitzmann

Ausbildung hilft

In den Anfangszeiten dieses Blogs habe ich mehrere Artikel geschrieben, in denen ich versucht habe darzustellen, warum ich glaube, dass meine Ausbildung sinnvoll ist und etwas für meinen Beruf bringt. Aber mir ist im Laufe der Jahrzehnte immer wieder die Auffassung begegnet, das ginge doch wahrscheinlich auch ziemlich gut ohne Ausbildung. Jetzt hatte ich ein Erlebnis, das mir wesentlich mehr verdeutlichte, wie sinnvoll Ausbildung sein kann, als ich es aus meiner bisherigen Berufserfahrung geschlossen hätte.

Ich unterrichte seit knapp mehr als einem Jahr zwei Grundschullehrerinnen in Liedbegleitung. Diese haben mich vor Kurzem gefragt, ob ich den Musikunterricht an ihrer Schule geben würde. Auf Nachfragen erfuhr ich, ich sollte ganz normalen Unterricht machen, Noten geben und so weiter. Eine der beiden ist Personalratsvorsitzende und ein Teil dieses Auswahlverfahrens für einen zukünftigen Musiklehrer dieser Grundschule.

Als ich nachfragte, ob ich irgendwie ausgebildet werden würde – ich dachte an das Quereinsteigerprogramm im Lande Hessen – wurde dies verneint.

Jetzt denkt sich vielleicht so mancher: Du hast Musik studiert, du hast eine pädagogische Ausbildung, wo siehst du das Problem?

Ich persönlich unterrichte meistens einzelne Schüler*innen, maximal Zweiergruppen, und ich unterrichte privilegierte Kinder. Wie ich mit einer Gruppe von 20 bis 30 Kindern, die zum Teil nicht privilegiert sind, umgehen soll, weiß ich nicht. Ich habe mal eine Instrumentenvorstellung mit Musikschulkollegen in einer Grundschule gemacht. Wir waren in einer Klasse. In dieser Klasse waren drei erwachsene Lehrkräfte der Schule anwesend. Erst am frühen Abend hatten sich meine Nerven beruhigt.

Letztendlich bändigten die Lehrkräfte der Schule die Klasse, wir haben unser Programm durchgezogen und waren froh, dass die Lehrkräfte da waren.

Obwohl ich mit Grundschulkindern arbeite und weiß, was ich ihnen in meinem Unterricht zutrauen kann, ist dieses Wissen so sehr an den Gitarrenunterricht gebunden, dass ich ganz starke Zweifel hätte, dass ich deswegen ansatzweise irgendwie eine richtige Idee davon hätte, was ich Grundschulkindern bei musiknahen Themen, die nichts mit dem Gitarrenspiel zu tun haben, zutrauen kann.

Aus meiner Kindheit kenne ich nur Frontalunterricht. Neue Formen wie Gruppenarbeit kenne ich nicht aus dem eigenen Erleben, sondern nur vom Hörensagen. Ich wäre absolut blank, was für Unterrichtsformen ich bei Grundschulkindern im Klassenverband anwenden kann und sollte.

Weiter liegt mir bei dieser Vorstellung auf dem Magen: Ich soll den Kindern Noten geben. Ich habe gar kein Problem mit den Noten, aber ich würde doch gerne gerechte Noten geben, habe aber trotz all der Erfahrung und auch Bewertung der Leistungen meiner Schüler im Grundschulalter keine Vorstellung, wie man dann Grundschulkinder im Schulmusikunterricht bewertet.

Die Vorstellung, Arbeiten für diese Grundschulkinder zu entwerfen, behagt mir auch nicht. Denn obwohl ich auch musiktheoretische Dinge vermittle, werden dort Themen bearbeitet – wenn ich betrachte, was mir die Kinder aus dem Musikunterricht in der Schule erzählen –, die für den Gitarrenunterricht vollkommen irrelevant sind und von deren Vermittlung ich absolut keine Ahnung habe.

Jetzt habe ich zwar kein Interesse daran, an dieser Grundschule Musik zu unterrichten. Aber alleine wie hilflos ich mich bei der Vorstellung fühle, ich würde mich darauf einlassen, merke ich, wie sehr mir eine Ausbildung helfen würde, obwohl ich eine musikalische und pädagogische Ausbildung habe, die mich aber auf ein ganz anderes Berufsbild vorbereitet hat.

Vielleicht begreife ich die Notwendigkeit von Ausbildung gerade in diesem Zusammenhang so sehr, weil ich mich als Berufsanfänger nicht einmal ansatzweise so hilflos gefühlt habe, wie bei der Vorstellung, in einer Grundschule zu unterrichten.

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Der Beitrag wurde am Freitag, den 4. September 2026 um 08:29 Uhr veröffentlicht von Stephan Zitzmann und wurde unter den Kategorien: Eingeschoben abgelegt. | Es gibt keinen Kommentar .