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Gitarrenunterricht in Frankfurt

Dipl.-Gitarrenlehrer Stephan Zitzmann

Zu unbegabt für Gitarre?

Das war die Eingabe einer Anfrage, die einen Suchenden auf mein Blog führte. Ich war etwas verblüfft, dass diese konkrete Frage so bei Google eingegeben wurde. Es ist die Frage: „Hat es Sinn, dass ich versuche Gitarre zu lernen?“

Erst einmal einfach ein paar sachliche Informationen. Eine Begabung zum Gitarre lernen gibt es nicht. Es werden unterschiedliche Begabungen benötigt. Intelligenz, Motorik, Gedächnis, Musikalität, Selbstkontrolle, Frustrationstoleranz. Bis auf die Musikalität würde man von jedem Faktor, den ich genannt habe, sagen, dass der bei jedem Menschen vorhanden ist, aber unterschiedlich stark ausgeprägt.

Aber wie ist es mit der Musikalität? Von Amusikalität im Sinne von Teilleistungsstörungen wie Legasthenie oder Dyskalkulie sind ca. zwei bis vier Prozent der Menschen betroffen. Ansonsten ist jeder Mensch mehr oder weniger musikalisch.

Dass diese so unterschiedlich ausgeprägt ist, liegt daran das wir hier in Deutschland und Westeuropa eher in einer amusikalischen Gesellschaft leben. Wir hören zwar viel Musik, aber machen wenig Musik. Aber genauer. Ich erlebe Folgendes in Musikerfamilien, Lautäußerungen von Kindern werden auf ihren musikalischen Gehalt überprüft und es wird musikalisch darauf eingegangen. Wenn das Kind mit Löffel klopft, begleiten die Eltern es mit einem mit einem passenden Rhythmus oder probieren, ob das Kind einfache Rhythmen nachahmen kann. In nicht musikalisierten Familien, wird das Löffelklopfen eher als Lärm gewertet und nicht musikalisch aufgearbeitet. In musikalisierten Familien wird mit den Kindern gesungen, in nicht musikalisierten Familien wird das Kind beschallt. In was für einem Umfeld wird die Musikalität eher trainiert und gefördert? Da solche Umfelder aber selten sind, fallen solche Kinder selten auf, aber gelten deswegen als Sonderbegabung.

Trotzdem jeder kann etwas lernen. Aus meiner Erfahrung ist auch nicht Musikalität die wichtigste Begabung, sondern eine von vielen. Persönlich würde ich sagen, ein schlechtes Gedächtnis und geringes Denkvermögen machen sich aus meiner Erfahrung eher als Problem im Unterricht bemerkbar als geringe Musikalität.

Aber gibt es Schüler, bei denen es meiner Meinung nach keinen Sinn macht, von denen ich denke, dass es besser sei, dass sie mit dem Unterricht aufhören würden?

Für diese Frage bin ich der Falsche, weil ich die Erfahrung mache, die Leute kommen zu mir, weil das, was sie bei mir machen, ihnen Spaß macht und nicht, weil sie das Ziel einen bestimmten Level zu erreichen haben.

Wenn sich Schüler abmelden, dann heißt das, dass für sie das Lernen keinen Gewinn mehr gebracht hat.

Die Frage ist, was ist, wenn ein Schüler einen bestimmten Level erreichen will? Je höher das Level, desto weniger wahrscheinlich ist es, dass jemand diesen Level erreicht. Diese Aussage ist aber eher ein Allgemeinplatz und logisch. Ist es möglich diese Fragestellung fassbarer zu beantworten?

Es gibt Untersuchungen, wie viel Menschen im Schnitt geübt haben, wenn sie die Aufnahmeprüfung für eine Musikhochschule bestehen. Die Zahl liegt bei ca. 7500 Stunden Üben. Diese Zahl wurde bei Geigern ermittelt. Die Geige ist ein ähnlich übeintensives Instrument wie klassische Gitarre. Bei Bläsern ist es aus konditionellen Gründen weniger. Wie dem nun auch sei, ich habe mir erlaubt, das Bestehen einer Aufnahmeprüfung an Musikhochschule mit dem Bestehen des Abiturs gleichzusetzen. Wie komme ich darauf? Durch das Abitur wird einem bestätigt, dass man fähig ist zu studieren. Durch das Bestehen einer Aufnahmeprüfung wird einem bescheinigt, dass man fähig ist Musik zu studieren. Diesem Gedanken folgend habe ich ein wenig gerechnet und es ist diese Tabelle entstanden.

  Aufnahmeprüfung gleichgesetzt mit Abitur Hauptschul-abschluss Niveau der vierten Klasse
Gesamtübezeit 7500 Std. 5046 Std. 2130 Std.
  Zeit pro Tag Zeit pro Tag Zeit pro Tag
Klasse 1 30 Min. 30 Min. 30 Min.
Klasse 2 37 Min. 35 Min. 30 Min.
Klasse 3 45 Min. 40 Min. 31 Min.
Klasse 4 55 Min. 47 Min. 31 Min.
Klasse 5 1 Std. 7 Min. 54 Min. 32 Min.
Klasse 6 1 Std. 22 Min. 1 Std. 3 Min. 32 Min.
Klasse 7 1 Std. 40 Min. 1 Std. 13 Min. 32 Min.
Klasse 8 2 Std. 2 Min. 1 Std. 24 Min. 33 Min.
Klasse 9 2 Std. 29 Min. 1 Std. 37 Min. 33 Min.
Klasse 10 3 Std. 2 Min. 1 Std. 53 Min. 34 Min.
Klasse 11 3 Std. 43 Min. 2 Std. 11 Min. 34 Min.
Klasse 12 4 Std. 32 Min. 2 Std. 31 Min. 35 Min.
Durchschnittliche Übezeit pro Tag 1 Std. 54 Min 1 Std. 17 Min. 32 Min.

Wie komme ich auf die ganzen Zahlen. Zu erst, ich gehe von 330 Übetagen pro Jahr aus.

Ich habe das Übepensum für das Bestehen einer Aufnahmeprüfung anteilig mit den Wochenstundenzahlen der Jahrgangsstufenzahl der verschiedenen Schulabschlüsse ausgerechnet. Hierbei habe ich die Zahlen des Landes Hessen zu Grunde gelegt.

Da ich für das Land Hessen keine Stundentafeln für die Hauptschule gefunden habe, habe ich die Wochenstundenzahlen bis zur neunten Jahrgangsstufe des G8 zur Grundlage genommen.

Die Steigerungsraten sind rein willkürlich. Die Grundüberlegung lautet, je älter man ist und je länger man lernt, desto länger kann man sinnvoll üben. Ich habe pro „Bildungsabschluss“ einen Prozentsatz der Steigerung derÜbezeiten gewählt, so dass am Ende die notwendige Stundenzahl erreicht worden ist. Ob genau diese Art der Steigerung sinnvoll ist, möchte ich dahin gestellt sein lassen.

Wesentlich wichtiger erscheint mir, dass deutlich wird, in was für Größenordnungen des Übens man sich bewegen muss, um etwas zu erreichen. Meine Schüler waren ziemlich verblüfft, als sie die Zahlen sahen. Besonders, wenn wir ausgerechnet haben, wo sie mit ihrem Übefleiß in dieser Tabelle landen würden.

Auch ich war verblüfft. Ich gelte zwar als Vielüber, und war davon überrascht, was dies konkret bedeutet, wenn man das mal auf 12 Jahre Leben umrechnet.

Wer will kann sich mal seine Endstunden mit dieser Formel ausrechnen, was er mit seinen momentanen Übezeiten erreicht und diese in der obigen Tabelle einordnen.

(Tägliche Minutenzahl*330*Jahreszahl)/60= erreichte Stundenzahl

Man kann sicherlich darüber diskutieren, ob meine Gleichsetzungen zulässig sind. Aber ich glaube Übezeitdiskussionen sind Diskussionen, denen eine statistische Grundlage fehlt und bei der jede Seite der Meinung sein kann, sie hätte recht. Jetzt kann man eher verdeutlichen, was die jeweils diskutierte Übezeiten bedeutet.

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Der Beitrag wurde am Freitag, den 22. April 2011 um 08:43 Uhr veröffentlicht von Stephan Zitzmann und wurde unter den Kategorien: Gitarrenunterricht, Lernen, Übemethodik abgelegt. | Es gibt keinen Kommentar .