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Gitarrenunterricht in Frankfurt

Dipl.-Gitarrenlehrer Stephan Zitzmann

Zeitfragen

Ausgangspunkt der folgenden Überlegung war ein Gespräch, nachdem ich einen Schüler mit der Methode aus dem Artikel „Der Rhythmus von Aufschlag- und Abzugsbindungen“ beglückt habe.

Dieser Schüler wollte wissen, warum die Aufschlagsbindungen gerne zu früh kommen. Ich muss zu meiner Schmach gestehen, ich habe eigentlich nie so recht darüber nachgedacht.

Aber mir fiel dann doch eine Antwort ein. Bei der Aufschlagsbindung legt der Finger in kürzerer Zeit einen längeren Weg zurück. Vermutlich startet man die Bewegung zum gleichen Zeitpunkt wie bei einer normalen Greifbewegung. Deswegen landet der Finger zu früh.

Dass der zeitliche Anfangspunkt und Endpunkt einer Bewegung nicht identisch mit dem musikalischen Rhythmus sind, ist mir schon lange klar. Aber dass sich vielleicht ein Kernproblem des Erlernens eines Instrumentes dahinter verbergen könnte, dämmert mir erst jetzt.

Ich würde drei Zeitpunkte einer Bewegung als wesentlich bezeichnen.

  1. Anfang der Bewegung
  2. Tonanfang bzw. Tonende
  3. Ende der Bewegung

Ich habe versucht, dies graphisch für vier Bewegungsformen der linken Hand zu verdeutlichen.

Zeitverläufe

Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, dass in vielen Erklärungsmodellen stillschweigend impliziert wird, dass Bewegung und Tonanfang bzw. Tonende identisch ist. Damit wird aber auch impliziert, dass eine Bewegung keine Zeit braucht.

Stellt sich natürlich die Frage, ist dies ein großes Problem? Man muss doch nur diese vier Zeitmuster ins Gefühl bringen.

Überlegt und beobachtet man genauer, stellt man fest, dass die Entfernungen zum tonauslösenden Zeitpunkt situationsbedingt nicht identisch sein können.. Damit schwankt aber entweder der Startzeitpunkt zum Tonanfang oder die Bewegungsgeschwindigkeit. Dabei gehe ich noch davon aus, dass dies für das klangliche Ergebnis des Tones unerheblich wäre. So bald man diesen Faktor auch noch mit einberechnet, wird klar, wie viele zeitliche Varianten es von diesen Grundmodellen gibt.

Erschwerend kommt hinzu, dass der zeitliche Start der Bewegungen der rechten Hand nicht identisch sein muss mit dem zeitlichen Startpunkt der Bewegungen der linken Hand.

Der Rhythmus der Musik in der Anfangsphase auch nicht stabil. Dass es möglich ist, dass die Zeitpunkte der verschiedenen Komponenten zeitlich korrekt zusammenfallen, grenzt unter diesem Gesichtspunkt an ein Glücksspiel. Lotto dürfte mit mehr Erfolg gesegnet sein.

Was bringt diese Erkenntnis? Grundsätzlich habe ich jetzt einen neuen Aspekt, mit dem ich manche Probleme meiner Schüler anders verstehen kann.

Zum Beispiel sehe ich den Aspekt des sich Vortastens bei den Bewegungen meiner Schüler neu. Bisher war ich der Ansicht, dass das Vortasten ein Zeichen dafür ist, dass der Schüler sich versichern will, wo die Saite ist. Jetzt überlege ich mir, ob dies auch nicht bedeuten könnte, dass der Schüler keine Vorstellung davon hat, zu was für einem Zeitpunkt er die Bewegung starten muss.

Für mich selbst habe ich ausprobiert, dass ich ähnlich der obigen Grafik einen zeitlichen Ablaufplan meiner Fingerbewegungen der linken Hand visualisiere. Für mich zeigt diese Art gute Ergebnisse. Ich kann mir aber vorstellen, dass diese Art nicht jedermanns Sache ist.

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Der Beitrag wurde am Freitag, den 28. Dezember 2012 um 08:57 Uhr veröffentlicht von Stephan Zitzmann und wurde unter den Kategorien: Gitarre lernen, Gitarrenunterricht abgelegt. | Es gibt keinen Kommentar .