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Gitarrenunterricht in Frankfurt

Dipl.-Gitarrenlehrer Stephan Zitzmann

Garantiert Konzertgitarre lernen – Volker Saure

Ich habe hinter dem Titel „Garantiert Konzertgitarre lernen“ eine Gitarrenschule für Autodidakten vermutet. Diese Schule scheint aber nicht für den Autodidakten gedacht, sondern für den regulären Gitarrenunterricht. Dass man die Marketingsprache fragwürdiger Schlankheitskurenanzeigen, die auf Dummenfang aus sind, verwendet, für ein Produkt, welches ein seriöser Lehrer den Eltern ans Herz legen soll, finde ich mutig.

In meinen Augen erhebt der Titel den Anspruch, dass die Schule methodisch und didaktisch besonders hochwertig ist. Das musste ich dann doch einmal überprüfen.

Erste Feststellung, drei grundlegende Techniken der Konzertgitarre werden nicht besprochen.

  1. Abzugs- und Aufschlagsbindungen
  2. Lagenwechsel
  3. Barré

Dann fehlen noch kleinere Techniken, wie

  • Flageolett
  • Glianssando

Dann die nächste Feststellung, die einzelnen Themen sind etwas ungewöhnlich gewichtet.Die Schule hat ca. 134 Seiten Erklärungsteil. Bis Seite 104 geht es eigentlich nur um Notenlehre und Melodiespiel. Von den restlichen 30 Seiten gehört die eine Hälfte der Liedbegleitung. Die andere gehört dem Rest der Konzertgitarrentechnik.

Am Ende der Schule ist die erste und zweite Lage besprochen. Der Rest vom Griffbrett bleibt unbesprochen. Das wären sieben weitere Lagen, die praxisrelevant sind.

Das mehrstimmige Spiel besteht mehr oder weniger nur aus zweistimmigen Spiel mit leeren Bässen. Für den fachunkundigen Leser, dieses Thema ist der Einstieg in das mehrstimmige Spiel.

Was letztlich heißt, dass eindeutig zu wenig Material vorhanden ist, um das zu Lernende zu lernen.

Wie sieht es jetzt mit der Qualität der Erklärungen aus?

Es fällt auf, dass sehr wenige Erklärungen zur Technik kommen. Diese sind auch eher oberflächlich

Bei der linken Handhaltung werden Merkmale der richtigen Haltung nicht erklärt. Auf dem Bild zu dieser Erklärung, kann man auch nicht so richtig erkennen, worauf man achten muss.

Es wird eigentlich auch nicht so richtig erklärt, wie man am besten greift. Die Kerninformation am Bund greifen steht da. Aber als Tipp gekennzeichnet. Ehrlich gesagt ich habe den Tipp erst beim dritten Mal gesehen, nach einem Hinweis von Volker Saure.

Tipp bedeutet für mich eine nette aber nicht unbedingt zielführende Information. In den Tipps stehen aber sehr häufig Informationen, die ich nicht unter der Rubrik „Tipp“ zusammenfassen würde, weil diese wichtig und grundliegend sind. Dem Schüler wird meiner Meinung nach ein falscher Eindruck über die Bedeutung der Information vermittelt.

Manches ist einfach sprachlich schlecht erklärt. Bei den Zerlegungen schreibt Volker Saure: „Die Finger der rechten Hand berühren die Saiten nur für die Zeit des Anschlages.“

Es ginge auch deutlich einfacher und eindeutiger: „Bei Zerlegungen wird Tirando verwendet.“ (Das mag dem Laien zwar unverständlicher erscheinen, der Begriff wurde aber zuvor in der Schule erklärt.)

Auf der Produktseite der Internetpräsenz des Verlages ist zu lesen: „Die Grundlagen der klassischen Gitarrentechnik werden immer aus mehreren Blickwinkeln beleuchtet,…..“

Ich stelle mir darunter etwas deutlich anderes vor. Ich greife als Beispiel die Aussagen zur linken Handtechnik bei den Zerlegungen auf.

„Bei Arpeggien mit gegriffenen Saiten bleiben die Finger der linken Hand währende des Akkordes- meistens bis Balkenende – liegen. Falls einer dieser Töne im nächsten Akkord noch einmal vorkommt, bleibt der Finger nach Möglichkeit bis dahin weiter liegen.“

Es wird eine Regel der Finger der linken Hand angedeutet. Es wird aber nicht erklärt, wann man die Finger nach welchen Kriterien abzuheben hat. Weiter wird gar nicht darauf eingegangen, nach was für Kriterien die Finger der linken Hand aufzusetzen sind.

Weiter wird nicht erklärt, wie das Problem eines springenden Fingers in der linken Hand gelöst wird.

Zum Bewegungsrhythmus der Finger der rechten Hand verliert Volker Saure kein einziges Wort. Es tut mit leid, so etwas bezeichne ich als oberflächlich.

Witzig ist dann noch die Sache mit dem „Balkenende“ in dem oben angeführten Zitat. Es folgen drei Beispielstücke. Für alle drei gilt diese Aussage großteils nicht.

In der Werbung der Schule ist auch zu lesen:

„…so dass diese Schule auch hervorragend für den Selbstunterricht geeignet ist.“

Bei den Anschlagsformen „Tirando“ und „Apoyando“ steht, was für eine Form man verwendet, entscheide der Lehrer.

Es gibt keine Erläuterungen, wie man das für sich selbst entscheidet. Was ich aber viel schlimmer finde ist, dass nirgendwo erklärt wird, wie man mit den Problemen dieser Anschlagsformen insbesondere des Apoyandos im mehrstimmigen Spiel umgeht.

Auf den Umschlag prangt der Hinweis „mit Internetunterstützung“. Das musste ich mir auch mal genauer anschauen. Ich hatte jetzt Videos oder so etwas erwartet. Nein, ich habe eine FAQ vorgefunden, die nur wiederkäut, was in der Schule steht und die Möglichkeit Fragen an den Autor zu stellen. Kostenlos.

Hört sich gut an. So wie das technisch ausgelegt hat und ich mein Postfach so ansehe, dürften ca. 20-30 Prozent mit dieser Technik nicht zurecht kommen und keine Fragen stellen können.

Also ich war so frech und habe eine Frage gestellt, nämlich so eine typische Schülerfrage, wenn man mit gegriffen Tönen spielt: „Warum scheppert das so?“

Volker Saure hat innerhalb von 18 Stunden geantwortet. Die Qualität der Antwort war gut.

Mich interessiert an solchen Büchern immer wieder die Stückauswahl. Gibt es neues und gut klingendes. Aber Verlag und Autor haben ein urheberrechtliches Problem. Je lebendiger die Komponisten desto teurer wird es oder der Autor der Schule komponiert selber. Michael Langer ist dafür ein erfreuliches Beispiel. Volker Saure hat sehr viel Spielmaterial für seine Schule geschrieben. Ich muss leider sagen, ich bin mit keinem einzigen Stück so richtig warm geworden.

Der Rest der Stücke sind die üblichen, alten Bekannten aus Instrumentalschulen.

Letztlich ist ja die relevante Frage, werde ich als Lehrer für Konzertgitarre etwas aus dieser Schule übernehmen, habe ich neue Impulse bekommen? Aus dieser Schule werde ich nichts übernehmen. Impulse habe ich schon bekommen. Wie gesagt, ich finde die Erklärungen in der Schule nicht so toll. Aber deswegen sind mir ein paar Ideen gekommen, wie ich es besser machen könnte bzw. eine Art Checkliste für Erklärungen, um eine Mindestqualität der Information sicherzustellen.

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Der Beitrag wurde am Freitag, den 30. November 2007 um 08:00 Uhr veröffentlicht von Stephan Zitzmann und wurde unter den Kategorien: Lernen, Notenbesprechung abgelegt. | Es gibt keinen Kommentar .