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Gitarrenunterricht in Frankfurt

Dipl.-Gitarrenlehrer Stephan Zitzmann

Der Glaube im Instrumentalunterricht

Ich habe vor Kurzem „Tanz um dein Leben“ von Royston Maldoom gelesen. Royston Maldoom dürfte den Meisten durch den Film „Rhythm is it“ ein Begriff sein.

Maldoom beschreibt immer wieder, dass viele Menschen, vor allem Eltern und Erzieher, nach den Vorstellungen auf ihn zukämen und verwundert feststellen würden, dass sie solch eine Leistung den Kindern und Jugendlichen nicht zugetraut hätten. Maldoom pflegt darauf zu antworten, dass genau das Problem sei.

Für mich geht da ein psychologischer Zeigefinger einher, denn ich auch verspüre, wenn ich lese, Lehrer müssten an den Schüler glauben und dann würde der Schüler schon eine bessere Leistung bringen. Mir ist das zu simpel.

Doch bei dem Lesen von Maldoomes Buch kam mir die Idee, dass Maldoom da etwas verwechselt. Es ist vermutlich so, dass die Eltern ihre Kinder gar nicht unterschätzen, sondern den Gegenstand Ballett schlichtweg überschätzen. Also die falsche Vorstellung über den Gegenstand ist das Problem.

Dazu eine Geschichte. Ich bin unsportlich, fahre gerne Rad und traute mir Berge nie zu. Mir keine Berge zutrauend wollte ich eine Radreise an der norwegischen Nordseeküste machen. Das Informationsmaterial zu der Strecke zeigte glückliche Senioren mit Dreigangrädern. Also genau das richtige für mich. Da aber für Norweger „totaly flat“ Gegenden sind, in denen die Berge nicht über hundert Meter gehen, gab es in Norwegen ein sehr, sehr böses Erwachen.  Ich musste eigentlich die ganze Zeit mehrmals am Tag Höhenunterschiede von 300 Meter überwinden. Vom Meeresspiegel bis zum Gipfel. Erstaunlicher Weise fühlte ich mich dabei gar nicht so schlecht. Nein ich mochte dieses Bergfahren sogar.

Seit dieser Erfahrung suche ich teilweise die Berge sogar. Wenn ich von meinen Radreisen Menschen berichte, die ich sogar als sportlicher als mich einschätze, schlägt mir Bewunderung entgegen. Diese Leute trauen sich nicht einmal 100 Kilometer an einem Flussradwanderweg zu.

Ihr Problem, sie haben so wenig Erfahrung mit dem Radfahren, dass sie einfach nicht einschätzen können, was möglich ist.

Solche Limitierungen könnte es auch im Instrumentalunterricht geben.

Kinder und Eltern gehen richtigerweise und verständlicherweise davon aus, dass sie die Dinge nicht so gut können können wie der Lehrer. Doch wie groß ist der Abstand wirklich?

Ab und zu wenden Schüler und Eltern ein, ich würde zu viel von ihnen erwarten. Aus einem mir unerfindlichen Grund kommt keiner darauf, dass ich auch nur das fordere, was ich als möglich im Unterricht erlebe. Unterrichtserfahrung habe ich mittlerweile hoffentlich genug. Wenn ich darauf hinweise, dass mir meine Erfahrung sagen würde, was möglich ist, dann bemühen sich die Schüler weiter und geben nicht auf.

Aber auch die Erwartung des Lehrers an die Fähigkeit von Kindern ist ein entscheidendes Maß für das, was möglich ist. Wenn ein Lehrer nicht glaubt, dass Kinder schon zu etwas fähig sind, wird er dies auch nicht ausprobieren und nicht erfahren, dass es doch möglich wäre.

Wobei hier ein interessanter Gedanke ist, wer Kinder vor Überforderung und Misserfolg schützen will, unterfordert sie vielleicht.

Ein weiterer Gedanke ist, wenn ich Kindern etwas nicht zutraue, ist das vielleicht auch ein Ausdruck meiner Fähigkeiten und nicht der Kinder. Wenn ein Lehrer sagt, Kinder können das nicht, heißt das vielleicht auch, ich habe keine Idee, wie ich das beibringen kann.

Was für praktische Konsequenzen können diese Gedanken für den Unterricht haben?

Ich für mich habe jetzt mal beschlossen, dass ich manchen Schüler deutlicher machen muss, was ich ihnen zutraue und was sie schaffen.  Also wenn das Geübte vorgespielt wird, mitteilen, dass ist vom Ergebnis das, was ich dir mit deinen Fähigkeiten zugetraut habe, bzw. mehr oder weniger.

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Der Beitrag wurde am Freitag, den 14. Mai 2010 um 08:53 Uhr veröffentlicht von Stephan Zitzmann und wurde unter den Kategorien: Gitarre lernen, Gitarrenunterricht abgelegt. | Es gibt keinen Kommentar .