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Gitarrenunterricht in Frankfurt

Dipl.-Gitarrenlehrer Stephan Zitzmann

Macht Unterricht taub?

In dem Buch „The Art  of Piano Playing“ von George Kochevitsky wird die These aufgestellt, dass der Notentext zu erst eine Klangvorstellung evozieren solle. Die Klangvorstellung solle dann die Motorik wachrufen.Dieses Ideal taucht immer wieder in der instrumentalpädagogischen Literatur auf.

Aufgrund von früheren Artikel habe ich mit manchen Schülern ein Experiment gemacht. Sie sollten den Rhythmus ihres momentan geübten Stückes klatschen.

Das Ergebnis war interessant. Vielen Schülern konnte man anmerken und dies bestätigten sie auch, dass sie weniger auf die Klangerinnerung zurückgegriffen, sondern auf die verwendeten Strategien, um den richtigen Rhythmus zu erzeugen.

Also sie erinnerten sich zum Beispiel daran, wie sie zählen bei dem Stück und zu was für Zählzeiten sie anschlagen.

Die Ergebnisse waren entsprechend zähflüssig. Als ich die Schüler bat, sich zu vergegenwärtigen, wie das Stück klänge und zu klatschen, erhielt ich ziemlich schlechte und falsche Ergebnisse.

Ich muss sagen, ich war etwas verblüfft von diesem Ergebnis. Insbesondere als ich dann noch manche Schüler bat, irgendein Poptitel zu singen, der ihnen am Herzen liegt. Diese Ergebnisse waren deutlich besser. Die Ergebnisse standen teilweise im krassen Gegensatz zu den Klatschergebnissen bei den selbst geübten Stücken.

Nach längerem Überlegen würde ich behaupten, dies ist unterrichtsimmanent.

In meinen ersten Gitarrenjahren war ich Autodidakt. Meine Herangehensweise an den Notentext war gänzlich anders als in den späteren Zeiten, in denen ich Unterricht hatte.

Bei jedem Stück, das ich zwischen die Finger bekam, stellte sich mir als Autodidakt die Frage, wie klingt das Stück? Hört sich das wirklich so an, oder setze ich den Notentext falsch um? Wie bekomme ich es hin, dass das Stück richtig klingt?

Sobald ich Unterricht hatte, war das Hauptaugenmerk darauf gerichtet, die empfohlene oder eingeforderte Strategie verlässlich zu reproduzieren.

Ähnlich dürfte sich einen Schüler Unterricht darstellen. Man nimmt Unterricht auf, um Strategien zu erwerben, Notentext auf dem Instrument umzusetzen. Also bemüht man sich darum, diese Strategien zu erwerben und im Unterricht korrekt abzuliefern.

Also fokussiert sich das Bewusstsein beim Spielen auf die Strategien und nicht auf den Klang des Stückes.

Mir ist ein weiterer Punkt aufgefallen.

Ich habe jetzt einigen Schülern, die mehrstimmige Stücke spielten, ihre Stücke mit meinem elektronischen Equipment orchestriert. Ihre Aufgabe war, die einzelnen Stimmen mitzuspielen. Teilweise war die mitzuspielende Stimme auch weggeschaltet.

Erst als diese Schüler die Einzelstimmen mitspielen konnten, durften sie das normale Stück spielen. Sie waren davon sehr angetan. Der Tenor war, es wäre jetzt wesentlich leichter die Stücke zum Üben, da sie eine Idee von dem Stück hätten.

Lasse ich meinen Unterricht, den ich selbst bekommen habe oder den ich beobachtet habe, Revue passieren, dann stelle ich fest, es war sehr selten ein Thema, wie bekomme ich eine Idee von dem Stück?

Denke ich jetzt zu darüber nach, muss ich sagen, dies ist etwas merkwürdig. Jeder Musiker spricht davon, wie wichtig es ist eine Vorstellung von dem Stück zu haben. Betrachte ich mir, wie gerne diese Aspekt betont wird, verwundert es, wie wenig Strategien transferiert werden, damit diese Vorstellung im Kopf des Schülers entstehen kann.

Es wird allem Anschein nach davon stillschweigend ausgegangen, dass diese Vorstellung schon entstehen würde.

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Der Beitrag wurde am Freitag, den 12. April 2013 um 08:19 Uhr veröffentlicht von Stephan Zitzmann und wurde unter den Kategorien: Gitarre lernen, Gitarrenunterricht abgelegt. | Es gibt keinen Kommentar .