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Gitarrenunterricht in Frankfurt

Dipl.-Gitarrenlehrer Stephan Zitzmann

Kraft und nochmals Kraft oder doch nicht?

Ich bin auf der Internetseite „Theorie und Didaktik der Klassischen Gitarre“ auf den Abschnitt Krafttraining gestoßen. Manche Übungen waren mir unbekannt, ich machte diese und war ob der fehlenden Anstrengung etwas enttäuscht. Man könnte jetzt vermuten, dass ich halt ziemlich gut durchtrainiert bin. Aber ich fand solche Übungen schon immer nicht anstrengend. Als ich in die Musikerwelt eindrang, legte man mir nahe, ob ich meinen Händedruck  nicht musikerkompatibel gestalten möchte. Es gälten andere Regeln puncto Händedruck als auf dem bayrischen Dorf.

Bei Anfängern im Grundschulalter stelle ich immer wieder fest, dass es ihnen ungefähr ein bis zwei Wochen schwer fällt, die Saite auf das Griffbrett hinabzudrücken und dann geht es eigentlich ziemlich gut. Soviel Kraftzuwachs in so kurzer Zeit?

Andererseits habe ich mir vor kurzem ausgerechnet, wie viel Kraft nötig ist, um eine Saite herabzudrücken. Man benötigt meinen Berechnungen die Kraft, um ungefähr 200 bis 400 Gramm zu heben. Das scheint mir nicht so viel, wenn man bedenkt, dass die meisten Menschen mit ihrem Eigengewicht für längere Zeit an einer Stange festhalten können. Gehen wir von einem Gewicht von 70 kg aus, dann hält ein Finger knapp 9 kg. Und so ein Finger soll ein Krafttraining brauchen, um Saiten herunterzudrücken?

Aber kann man überhaupt gezielt Kraft bei Fingern aufbauen?

Als erstes möchte ich auf die Ausdauer eingehen. Wer Ausdauertrainings kennt, dem ist bekannt, dass diese mit Belastungen arbeiten, die gemessen werden. Meist wird die Pulsfrequenz verwendet. Bei Radfahrern kenne ich noch Meßpedale, die die erbrachte Wattzahl verwenden.

Letztendlich Gitarrespielen hat extrem wenig Einfluss auf den Puls, sodass ein Training nach diesen Prinzipien nicht möglich ist.

Die Kraftausdauer. Bei der Kraftausdauer heißt es, es müsse ein Reiz von 70 Prozent der Maximalkraft gesetzt werden. Geräte, wie der Gripmaster bleiben unter diesen Werten. Ich müsste mir ungefähr 7 Kilo Gewicht-wenn nicht sogar mehr – an einen Finger binden. Abgesehen davon, dass die Anbringung an einem Finger technisch schwierig ist. Wer das ausprobiert, wird feststellen, dass darunter die Feinmotorik leiden wird.

Wer seine Maximalkraft trainieren will, muss mit Gewichten arbeiten, die im Bereich der Maximalkraft liegen. Die Feinmotorik, wird das auch nicht gut finden.

Da ich Krafttraining mache, weiß ich wie sich Muskeln wie lange nach einer effektiven Einheit anfühlen. Würde ich so mit meiner Fingermuskulatur umgehen, würde dies das Spielen beeinträchtigen.

An dem obenerwähnten Gripmaster kann man aber noch ein weiteres Problem eines gezielten Fingerkrafttrainings verdeutlichen. So wie der Gripmaster gebaut ist, entspricht die Haltung beim Training eher der linken Hand eines E-Gitarristen. Kann man damit die Fingermuskulatur eines klassischen  Gitarristen trainieren? Viele werden sagen, dass dürfte doch egal sein.

Mein Krafttraining arbeitet mit Muskelisolierungen. Dadurch weiß ich, dass man durch kleine Abänderungen andere Muskeln reizen kann. Die Frage ist, trainieren die Methoden die richtigen Muskeln? Bzw. wie stellt man fest, dass ich die richtigen Muskeln trainiere.

Ich habe mein Krafttraining erst begonnen als ich schon jahrelang Rad gefahren bin. Obwohl ich in der Beinpresse mittlerweile das vierfache meines Körpergewichtes stemmen kann, quäle ich mich an mir wohlvertrauten Bergen genauso, wie damals ohne Krafttraining.

Dann bin ich auf den Begriff Schnellkraft gestoßen. Die Trainingsform ist unter anderem von der Bewegungsgeschwindigkeit der Finger abhängig. Bloß wie bestimmt man die?

Langer Erzählung kurzer Sinn, ich habe Probleme die Empfehlungen der Trainingslehre in den Umsetzungen der Gitarristenübungen wiederzuerkennen und habe starke Zweifel, ob diese Übungen wirklich das trainieren, was ihnen zugeschrieben wird  oder ob vielleicht doch etwas anderes.

Warum finde ich das wichtig? Wenn ich solche Übungen lese, frage ich mich natürlich, ob das mir auch helfen würde. Da aber bei mir diese Übungen kaum noch einen Effekt haben, auch wenn ich sie lange nicht gemacht habe, stellt sich die Frage nach Steigerung. Steigerung durch neue Trainingsreize und damit Trainingseffekt. Aber die praktischen Fragen, wie binde ich was für ein Gewicht an meine Finger ohne mir die Blutzufuhr abzuschneiden oder reichen die Gewichtsscheiben meiner Kurzhantel, die bei mir rumliegen, lassen mich an ein Fitnessstudio mit schwerem Gerät für Gitarristen denken.

Und plötzlich bekommt das Ganze etwas Absurdes.

Aber da kommt eine andere Erfahrung ins Spiel. Ich brach mir mal die linke Hand. Aus versicherungstechnischen Gründen wurde mein Genesungsprozess sehr genau ausgemessen. Die Ärzte waren sehr verblüffte, dass nach kurzer Zeit nach der Gipsabnahme mein linker Unterarm zwei Zentimeter dicker war als mein rechter. Man hat gleich noch einmal nachgemessen. Nach Abnahme des Gipses war der linke Unterarm deutlich dünner als sein rechtes Gegenstück.

Wenn Gitarre spielen so trainiert, warum extra trainieren?

Meine Krankengymnastik bestand aus Dehnübungen und Massage. Das Spielen alleine an der Gitarre hat diesen Muskelaufbau bewirkt.

Bei Dr. Robert Wolff und auch bei anderen Vertretern der Kraftübung habe ich den  Eindruck, dass sie jeden Menschen per se für zu schwach für das Gitarrespielen halten. Ich würde sogar so weit gehen, dass bei jedem erwachsenen Menschen genügend Kraft vorhanden ist.

Die interessante Frage ist also, was trainiert man mit diesen Übungen. Meine Theorie, Kraftkoordination. Kraftkoordination ist jetzt ein von mir geschaffenes Wort. Man lernt, wie man seine Kraft koordiniert oder auf den Punkt bringt.

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Der Beitrag wurde am Freitag, den 2. Mai 2014 um 13:13 Uhr veröffentlicht von Stephan Zitzmann und wurde unter den Kategorien: Übemethodik abgelegt. | Es gibt keinen Kommentar .