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Gitarrenunterricht in Frankfurt

Dipl.-Gitarrenlehrer Stephan Zitzmann

Corona und die Lehren für den Onlineunterricht – Teil 2

Changing the System

Wenn man im realen Unterrichtsalltag etwas neues ausprobieren will, baut man einfach um. Meist muss man den Schülery gar nicht oder wenig belasten.

Beim Onlineunterricht habe ich es so erlebt, wenn ich etwas zum Besseren ändern möchte, muss der Schüler irgendetwas auch installieren oder Neues auf seinem Rechner nutzen.

Das ist für beide Seiten zeitraubend. Einerseits, weil die Leute sich nicht unbedingt schnell in neuen Programmen zurechtfinden. Aber auch die unterschiedlichen Endgeräte.

Ein Beispiel. Ich wollte mit Schülern, die über die Klangqualität unglücklich waren auf Zoom wechseln. Dass, wenn die andere Seite an einem Applegerät sitzt, plötzlich Dinge nicht so funktionieren wie auf meinem Windowsrechner, ist eine Binse. Aber dass der Schüler mit einem Windowsrechner bei Zoom plötzlich nicht die Option hat, das Computeraudio einzuschalten, verblüfft. (Besonders ärgerlich war, dass dieser Schüler mit einem H2n die besten Mikros von meinen Schülery hat.)

Letztlich hat der Schüler eine halbe Stunde für nichts verbraten, bloß weil ich dachte, das wäre besser.

Reales Papier, virtuelles Papier

Einerseits habe ich zwar festgestellt, dass ich meinen Schülern im realen Unterricht wesentlich mehr diktieren sollte und ich sollte nicht andauernd die Sachen in die Noten schreibe.

Aber es ist erstaunlich, wie viele Probleme sich sehr einfach lösen lassen, wenn man auf das Papier deuten kann, damit klar wird, wovon man spricht.

Im Onlineunterricht geht das auch. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, aber man muss sie aufrufen, das entsprechende Dokument (sofern es digital vorliegt) aufrufen. Aber es dauert länger.

Vor die Kamera halten und auf die richtige Stelle deuten, ist gar nicht so einfach. Dann ist das Bild noch unscharf und die Hände zittern.

In der Bürowelt ist das nicht so gravierend, weil das Dokumente nur auf dem Bildschirm reicht. Aber im Instrumentalunterricht, muss das Dokument vom Bildschirm auf den Notenständer.

Weil wenn der Schüler spielt, will ich ihn sehen. Da muss dann der Dokumentenbearbeitungsmodus geschlossen werden. Damit verschwindet das Dokument vom Bildschirm.

Diese Problematik war und ist momentan ein ziemlicher Zeitfresser.

Master of Ceremonies

Eine Schülerin meinte, Onlineunterricht wäre anstrengender als Präsenzunterricht. Es wäre fordernder, all die Sachen im Blick zu behalten. Im realen Unterricht wären die wesentlichen Dinge im Blickfeld.

(Bei dem Einwand bin ich mir nicht ganz sicher, ob er zutrifft. Denn wenn man standardmäßig online unterrichtet, dann optimiert man die Dinge. )

Aber ein simples Beispiel. Bei Zoom kann man zwischen der Audioqualität hin und her schalten. Für ein Wechselgespräch sind andere Einstellungen vorteilhaft, als wenn eine Seite spielt. Es hilft auch, wenn die zuhörende Seite ihr Mikrophon stumm schaltet.

Aber das muss mitgedacht, angeleitet und ausgeführt werden. Das kostet Zeit und lenkt ab. Obwohl es bei Zoom sogar ziemlich unaufwendig ist.

Oder mit Programmen wie OBS oder Manycam kann man verschieden Bildschirmsettings vorbereiten.

  • Was für eine Kamera überträgt?
  • Was für ein Dokument aus was für einer Anwendung übertage ich?
  • Soll bei dem Dokument eine Kamera mit übertragen werden oder nicht? Soll beides möglich sein?

Wenn man dann das noch für verschiedene Schülery vorbereitet, dann muss man im Unterricht auch noch die Übersicht behalten und das bedienen. Diese Konzentration geht dann für den Schüler ab.

Das eierlegende Wollmilchsauprogramm

Vielleicht hat sich so mancher gedacht, dieses oder jenes Problem kann man doch mit diesem Videokonferenztool lösen. Das mag schon sein, aber dafür fehlt plötzlich ein Funktion, die in dem anderem Programm so praktisch für den Unterricht war.

Ein Beispiel. In Skype bleiben die Chats mit den Schülern erhalten. Man kann Dokumente außerhalb der Unterrichtsstunde reinstellen. Es entsteht eine Art Protokoll des Unterrichts. Dafür habe ich kein Whiteboard. Bei Zoom habe ich ein Whiteboard, aber die Chats verschwinden, wenn das Meeting beendet wird. (Das gilt für die Basisversionen:)

Beides in einem Programm zur Verfügung zu haben, wäre schöner.

Im Unterrichtsraum bestimme ich, was möglich wird und ist und kein Softwareentwickler. Wenn ein Unternehmen entscheidet, dass eine Funktion geändert wird oder sogar verschwindet, muss ich mich und der Schüler damit auseinandersetzen.

Also die Software bestimmt zu einem nicht unerheblichen Teil, wie ich den Unterricht organisiere und nicht ich alleine.

Conclusio

Langer Rede kurzer Sinn, ich finde ein Teil der Aufmerksamkeit wird nicht für den eigentlichen Unterricht genutzt, sondern für die Organisation und Verwaltung der elektronischen Struktur.

Zum zweiten Mal, langer Rede und kurzer Sinn von diesem und letztem Artikel.

Onlineunterricht ist nicht so effizient wie Präsenzunterricht. Um die Effizienz zu steigern muss sich nicht nur der Lehrer mehr anstrengen, sondern auch der Schüler. Wobei die Anstrengung auf Seiten des Schülers auch eine nicht unerhebliche finanzielle Anstrengung sein kann.

Letztlich behaupte ich, man muss als Schüler mehr ausgeben und reinstecken, bekommt aber für sein Geld trotzdem weniger.

Kleine Schlussbemerkung

Ich bin mal etwas medienwirksam vom Fahrrad gefallen. Mein linker Arm war von oberen Oberarm bis Mittelgelenke der Finger für 10 Wochen eingegipst. Ich habe damals unterrichtet.

Ich habe mich durch diesen Gips weniger behindert gefühlt als beim Onlineunterricht.

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Der Beitrag wurde am Freitag, den 1. Mai 2020 um 08:47 Uhr veröffentlicht von Stephan Zitzmann und wurde unter den Kategorien: Corona, Eingeschoben, Gitarrenunterricht, praktisch, Software abgelegt. | Es gibt keinen Kommentar .