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Gitarrenunterricht in Frankfurt

Dipl.-Gitarrenlehrer Stephan Zitzmann

Schauen! Aber wohin?

Ich bin vor einiger Zeit auf „Aaron Sheares“ „Learning the classic guitar“ gestoßen. Ziemlich am Anfang empfiehlt Shearer eine Methode, die er selbst „Aim Directed Movement“ nennt. Man soll in die linke Hand schauen, sich erst die Bewegung vorstellen, dann erst ausführen. Natürlich soll die Vorstellung und die Bewegung richtig sein.

Diese Methode ist nicht sonderlich bemerkenswert, denn die meisten klassischen Gitarristen schauen in die linke Hand. Aaron Shearer gibt aber noch vor, dass man mit dem geistigen und realen Auge voraus sein soll. Ich finde diese Methode gut und schaue ab einem bestimmten Punkt selber fortwährend in die linke Hand, aber andererseits verbiete ich nahezu meinen Schülern sehr lange in die linke Hand zu blicken. Das ist doch ziemlich widersprüchlich. Dieser Widerspruch fiel mir beim Lesen der Aim-Directed-Movement-Methode richtig auf.

In diesem Artikel will ich nicht entscheiden, was ist besser, sondern auf die Probleme und Vorteile der Strategien in die Noten oder auf das Griffbrett schauen erläutern.

Bei jungen Schüler*Innen merkt man teilweise ziemlich gut, was die beiden Methoden auszeichnet und es wird vielleicht klar, warum ich das Schauen auf das Griffbrett quasi verbiete.

In meinen Anfängen als Lehrer vertrat ich und übernahm Schüler*Innen. Da gab es häufig Kinder, die mit ihren Augen zwischen Noten und Griffbrett pendelten. Es fiel auf, dass der Notentext sehr frei gespielt wurde. Neue und falsche Töne, falsche Rhythmen usw.

Ich hatte den Eindruck, dass dieses Pendeln zwischen den zwei Blickfeldern das Problem ist. Schaut man in die Noten, muss man erst wieder finden, wo man war. Schau man zurück zum Griffbrett, muss man sich auch wieder orientieren. Weiter ist sehr hinderlich, dass durch das Rotieren des Kopfes und des Oberkörpers die Gitarre permanent ihre Position ändert, die linke Hand nicht stabil zum Hals bleibt. Also es muss Ruhe in das System.

Mir kam damals die Idee, die Schüler auf entweder Du schaust nur in die linke Hand oder Du schaust nur in die Noten zu verpflichten. Das Protestgeschrei war groß.

Wie soll ich meine Töne treffen, wenn ich nicht in meine linke Hand schauen darf? Wie soll ich wissen, was ich spielen muss, wenn ich nicht in die Noten schauen soll?

Also wer in die linke Hand schauen will, muss ziemlich schnell auswendig spielen können. Was, je mehr man ein*e Anfänger*In ist, umso schwerer ist. Wer in die Noten schauen will, braucht irgendwie Orientierungshilfen, um die Töne zu treffen.

Also, egal wofür man sich entscheidet, man bekommt ein gravierendes Problem, welches man lösen muss.

Und beide Strategien unter einen Hut bekommen? Meiner Erfahrung nach schwierig.

Meine Idee war, man könne das Pendeln des Blickes systematisieren. Also man schaut bei fest definierten Stellen in die Noten zurück und merkt sich fest definierte Bereiche und blickt dann in das Griffbrett zurück. Es stell(t)en sich zwei Probleme heraus. Die für die Schüler*In merkbaren Bereichgrößen sind/waren bei den Meisten zu klein, sodass diese Methode weitergeholfen hätte. Letztendlich muss aber auch der Ablaufplan der Blickwechsel gelernt werden. Das macht mehr Probleme als es löst.

Weiter oben schrieb ich: „Wer in die Noten schauen will, braucht irgendwie Orientierungshilfen, um die Töne zu treffen.“

Manche*r wird sich fragen: „Und was ist diese Orientierungshilfe?“ Was sie für meinen Unterricht sind, das wurde mir beim vorbereitenden Denken zu diesem Artikel klar. Für meinen Unterricht sind es zwei Dinge.

All meine Anfänger bekommen beim Erlernen des anfänglichen Fünftonraumes für die linke Hand eine Hilfestellung verordnet. Der erste, dritte und vierte Finger sitzen auf der hohen e-Saite. Dies fixiert die linke Hand und dem zweiten Finger wird damit eine bestimmte Bewegung aufgezwungen. Wenn der erste Finger vom Tonumfang dazukommt, dann wird die Hilfestellung nur noch aus dem dritten und vierten Finger gebildet. Dann kommt der dritte Finger dazu und nur noch der vierte Finger bildet die Hilfestellung. Kommt dann das e’ dazu, fällt die Hilfestellung weg.

Der andere Teil dürfte sein, dass ich den Tonraum tonweise mit ziemlich viel Stücken erarbeite und dies bei den weiteren Tönen beibehalte. So haben die Schüler*Innen genügend Zeit, mit den kinästhetischen Informationen vertraut zu werden und mit diesen umzugehen.

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Der Beitrag wurde am Freitag, den 8. Juli 2022 um 08:08 Uhr veröffentlicht von Stephan Zitzmann und wurde unter den Kategorien: Gitarre lernen, Gitarrentechnik, Gitarrenunterricht, Übemethodik abgelegt. | Es gibt keinen Kommentar .