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Gitarrenunterricht in Frankfurt

Dipl.-Gitarrenlehrer Stephan Zitzmann

Die Discountergitarren bei Aldi, Lidl und Co

Heute erhielt ich telephonisch eine Unterrichtsanfrage. Dabei wurde ich auch nach der Aldigitarre, die heute auch unter anderem in der FAZ beworben wurde, gefragt.

Vorab muss ich sagen, kaufen Sie bitte eine Gitarre erst, wenn Sie einen Lehrer gefunden haben und nicht weil es gerade eine Gitarre bei Aldi gibt.

Warum? Gitarre dürfte in seinen musikalischen Erscheinungsformen und dadurch bedingten Bauarten das vielfältigste Instrument im mitteleuropäischen Raum sein. E-Gitarre, Westerngitarre, Konzertgitarre, Wandergitarre und Flamencogitarre. Ein Klavier ist dagegenhin einfach ein Klavier und bleibt eines, egal was man darauf spielt.

An der heutigen Aldianzeige hat mich folgender Satz eklatant gestört: „Ideal für den Gitarrenunterricht.“ Das dürfte diese Gitarre ganz bestimmt nicht sein. Die meisten Anfänger sind Kinder. Für diese gibt es entsprechend kleine Instrumente. Die Aldigitarre ist von den Dimensionen ein Instrument für ältere Jugendliche und Erwachsene.

Weiter wird in der Aldianzeig geschrieben:“Besonders hochwertige Holzinstrumente – in Handarbeit gefertigt. Aldi bewegt sich mit dem Preis von 49,99 Euro an der untersten Grenze. Besser gesagt, Aldi definiert damit die unterste Grenze. Gute handgearbeitete Konzertgitarren bewegen sich im fünfstelligen Bereich mit einer Wartezeit von mehreren Jahren.

Es fällt auch auf, dass bei diesen Discountergitarren die Decken aus Lindenholz sind. Bei Konzertgitarren werden Decken aus Fichte oder Zeder gebaut. Lindenholz wird für Decken nicht verwendet. Ich vermute, dass bei diesen Discountergitarren Lindenholz verwendet wird, weil es im Schnitt die Hälfte von Fichte kostet. Aus tonlichen Gründen wird dieses Holz bestimmt nicht verwendet.

Die Werbeaussage hochwertige Mechaniken verwundert auch. Hochwertige Mechaniken sind im Bereich der Konzertgitarren normaler Weise handgebaut. Sie kosten ca. 500 bis 700 Euro. Ich habe soeben ein paar Kataloge studiert. Die billigeste Mechanik kostet 3,50, dann 10 Euro und das nächst beste Modell knapp 50 Euro. Also so viel wie die Aldigitarre mit einer Tasche, Notenheft und einer Karaoke-CD inklusive.

Persönlich finde ich, dass ich selten eine solche Diskrepanz zwischen Werbeaussage und Wirklichkeit gesehen habe.

Ich hatte mal, als Lidl(?) so eine Aktion machte, eine dieser Gitarren in der Hand. Die 100 bis 150 Euro mehr, die meine Schüler im Schnitt für ihre Instrumente zahlen, bemerken diese eindeutig. Sogar die Kleinen im Alter von sechs Jahren merken diesen Unterschied.

Meiner persönlichen Erfahrung gibt es bei Gitarren preislich eine Grenze nach unten, die sich durch den Klang definiert. Klingt die Gitarre noch nach Gitarre oder nicht mehr? Dies wird durch die Art der Gitarrendecke bestimmt. Ist die Decke eine massive Decke und mit den traditionellen Hölzern gebaut? Dadurch kommt eine Untergrenze für eine Schülergitarre von 130 – 150 Euro zustande.

Wer Lust und Laune hat kann sich mal die Empfehlungen für das Jahr 2003/4der European Guitar Teachers Association – Deutschland ansehen.

(Nachtrag November 2015: Immer zur Vorweihnachtszeit lässt dieser Artikel – obwohl 2006 geschrieben – meine Statistik durch die Decke gehen. Deswegen die Listen von 2015/16, 2013/14, 2011/12 und 2009/10. Die darin aufgeführten Hellweg und La Mancha Gitarren stehen auch auf meinen Empfehlungslisten. Um eine Preisvorstellung zu bekommen setze ich Links zu Amazon. Hellweg-Gitarren und La Mancha)

Wenn jemand sich jetzt mit dem Gedanken trägt, sich solch ein Instrument zu kaufen, um mal einfach auszuprobieren, ob ihm das mit dem Gitarrespielen gefällt, für den hätte ich einen anderen Tipp. Mietkaufbasis. Man mietet ein Instrument und muss sich nach einer bestimmten Zeit (meist drei Monate) entscheiden, ob man das Instrument haben will. Die Miete wird auf den Kaufpreis angerechnet. Dies ist billiger als eine Discountergitarre und man dürfte deutlich mehr Freude am Instrument haben.

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Der Beitrag wurde am Montag, den 13. November 2006 um 21:56 Uhr veröffentlicht von Stephan Zitzmann und wurde unter den Kategorien: Eingeschoben, Instrumente abgelegt. | Es gibt 7 Kommentare