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Gitarrenunterricht in Frankfurt

Dipl.-Gitarrenlehrer Stephan Zitzmann

Die Aldigitarre – Versuch einer Objektivierung

In diesem Artikel äußere ich mich nur zu den Konzertgitarren und den Schülerkonzertgitarren von den Discountern. Denn es sind doch einige in den letzten elf Jahren seit dem Erscheinen des Artikels über die ALDI-Gitarre durch meine Hände gewandert.

Den Artikel über die ALDI-Gitarre habe ich 2006 geschrieben. Den Artikel habe ich damals geschrieben, weil ich die Diskrepanz zwischen Werbeaussage und Wirklichkeit doch zu frech fand.

Seitdem wird jedes Jahr im November dieser Beitrag wie verrückt gelesen. Dieses Jahr war es besonders verrückt. 3000 Aufrufe innerhalb von drei Tagen. Sonst erreicht der Artikel pro Jahr 1000 Klicks.

Deswegen habe ich ein paar Diskussionen im Netz zu den ALDI-Gitarren gelesen. Ich finde diese Diskussionen haben etwas leicht Religiöses. Und der Scherz der ALDI-Gitarren-Feinde notfalls könne man das Instrument am Lagerfeuer verfeuern, finde ich auch nicht zielführend.

Mittlerweile habe ich einige ALDI-Konzertgitarren und Kindergitarren in der Hand gehabt. Deswegen will ich mein Urteil abgeben.

Ich glaube, ALDI-Aktionsartikel haben den Nimbus, ein besonders gutes Preis-Leistungs-Verhältnis zu haben. Die Theorie, durch die großen Stückzahlen erhält man bei Aldi eine bessere Qualität für das gleiche Geld als anderswo.

Ist dem so? Meiner Auffassung nach in diesem Fall nicht.

Die Gitarren, die ich meinen Schülern so empfehle kosten ca. 250 Euro. Die ALDI-Gitarre ca. 50 Euro. Eine vernünftige Einsteigergitarre sollte meiner Auffassung nach eine massive Decke haben. Solche Gitarren starten preislich bei 150 Euro.

Meiner persönlichen Erfahrung nach fällt der merkbare Unterschied zwischen den 150 Euro Gitarren und 250 Euro Gitarren geringer aus, als zwischen den Discountergitarren für 50 Euro und den Gitarren für 150 Euro.

Hätte Aldi ein besseres Preisleistungsverhältnis dann müsste der Vergleich andersherum ausfallen. Also glaube ich sagen zu können, die Aldigitarren haben ein schlechtes Preisleistungsverhältnis.

Letztendlich muss ich den ALDI-Konzertgitarren attestieren, dass sie nach reichlich veralteten Konzepten gebaut werden. Bei der ersten dachte ich, ich bekomme ein Billigprodukt aus den sechziger Jahren in die Hand gedrückt. Warum ALDI an kein modereneres KnowHow kommt, kann ich nicht sagen.

Ich konnte bei den ALDI-Konzertgitarren die letzten elf Jahre keine technische Innovation erkennen. In dieser Zeit haben sich meine von mir empfohlenen Schülergitarren zum Besseren verändert.

Ich habe zwei drei Schüler in den letzten elf Jahren mit solchen Gitarren unterrichtet. Wie schlagen sich diese Gitarren?

Sie neigen massiv zum Überspielen. Überspielen bedeutet, dass die Saiten gegen das Griffbrett schlagen und kein reiner Ton erklingt, sondern zum Ton ein Schnarren entsteht.

Dies ist bei kindlichen Anfängern ein Problem. Denn Kinder versuchen ihre koordinative Probleme mit Kraft auszugleichen. Dies bedeutet, wo andere Kinder einen knalligen, aber noch akzeptablen Ton haben, müssen sich diese Kinder zurückhalten. Dies fällt ihnen aber schwer.

Beim Gitarrespielen soll man möglichst dicht am Bund greifen. Deswegen passiert Anfängern häufig, dass sie auf das Bundstäbchen greifen. Auf dem Bundstäbchen zu greifen, ist eine Technik, die sich „Étouffé“ nennt. Das bedeutet erstickt. Der Ton erklingt wie ein dumpfes Plopp.

Bei den Gitarren, die ich meinen Anfängern empfehle ist die Differenz zwischen einem sauber gegriffenen Ton und einem Greifen auf dem Bund deutlich für die Schüler wahrnehmbar. Ich habe keine Diskussionen mit den Kindern, ob sie jetzt auf dem Bund gegriffen haben oder nicht. Bei den Discountergitarren bin ich mir da selbst teilweise nicht so sicher, weil ein sauber gegriffener Ton sich so wenig von einem „Étouffé“-Ton unterscheidet.

Wenn ich mir die drei Schüler mit Discountergitarre Revue passieren lasse, dann fällt mir auf, dass alle eine sehr verkrampfte linke Hand hatten. Ich muss versuchen, ob diese Verkrampfung geringer wird, wenn diese Schüler eine bessere Gitarre in der Hand haben.

Also die ALDI-Gitarre macht sich negativ bemerkbar im Unterricht. Und nicht nur, weil sie nicht so toll klingt.

Ich möchte noch etwas zu den unglücklichen Diskussionen im Netz sagen. Bei mir tauchen immer wieder Leute mit Discountergitarren auf, die aber dann doch nicht mit dem Unterricht nicht anfangen, weil zu teuer. Menschen ihre Armut vorzuwerfen halte ich verfehlt. Wem finanziell nichts anderes übrigbleibt, als sich solch eine Gitarre zu kaufen, der soll es unverspottet und unverachtet tun. Aber jeder, der sich etwas besseres leisten kann, sollte sich etwas Besseres leisten. Denn die Aldi-Gitarre ist kein Schnäppchen, sondern hat ein unterdurchschnittliches Preisleistungsverhältnis.

Da gibt es aber noch die Menschen, die ausprobieren wollen, ob ihnen Gitarrespielen gefällt. Ich habe im Artikel über die ALDI-Gitarre auf die Möglichkeit des Mietkaufes hingewiesen. Es gibt aber noch eine andere Strategie. Man kauft sich eine Gitarre, die teurer ist, und wenn einem das Gitarrespielen doch nicht gefällt, verkauft man die Gitarre wieder.

Denn wenn einem das Spielen gefällt, will man etwas Besseres und muss das Geld zur Aldi-Gitarre drauflegen. Verkauft man die Gitarre wieder, verliert man je nach Spieldauer, den Preis der Aldigitarre oder ein bisschen mehr.

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Der Beitrag wurde am Freitag, den 10. November 2017 um 08:45 Uhr veröffentlicht von Stephan Zitzmann und wurde unter den Kategorien: Eingeschoben, Gitarrenunterricht, Instrumente, Kinder abgelegt. | Es gibt keinen Kommentar .