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Gitarrenunterricht in Frankfurt

Dipl.-Gitarrenlehrer Stephan Zitzmann

Musik-Sprache – Der hinkende Vergleich – 4

Denke ich weiter, würde ich folgende Hypothese aufstellen. Wenn Menschen eine musikalische Erziehung beginnen, haben sie ein bestimmtes Fähigkeitsprofil. Dieses Fähigkeitsprofil lässt einen bestimmten Platz, um sich selbst zu zuhören und die Musik wahr- und aufzunehmen. Je weniger die Fähigkeiten, die nichts mit dem Zuhören zu tun zu haben, ausgelastet sind, desto mehr kann man sich zuhören und um so eher ist es möglich, dass sich eine Klangvorstellung des Stückes und von neuen Noten bildet.

Wenn dem so sein sollte, dann lautet vielleicht die Fragestellung, wie finde ich die geeignete Aufgabenform und -schwierigkeit für den Anfängerunterricht heraus. Weiter wäre es interessant zu wissen, wie die statistische Verteilung einer geeigneten Aufgabenform aussieht. Ob es eine deutliche Bevorzugung für ohne Noten gäbe.

Ich habe weiter oben einige Unterschiede zwischen Sprache und Musik genannt. Es sieht für mich so aus, dass Sprache sich dem Anschein nach einem Kind wesentlich strukturierter darbietet und damit besser gemerkt werden kann. Die Strukturmerkmale erschließen sich dem Kind bei Sprache von selbst. Bei Musik vermutlich nicht. Deswegen lautet die Frage, sollte ich mit meinen Thesen Recht haben, wie kann man Kindern und Anfängern diese Strukturen transparent machen?

Vielleicht ist auch ein anderer Gedanke wichtig, der die Diskrepanz der auditiven Vorstellung beim Lesen von Text und beim Lesen von Notentext bei verschiedenen Individuen erklären könnte.

Auf Sprache liegt ein höherer biologischer Druck. Lerne ich nicht sprechen, also weiß, wie die Wörter klingen, dann werden die Überlebenschance in der freien Wildbahn deutlich geringer. Ohne Musik überlebt man trotzdem. Die Biologen meinen, je höher der selektive Druck auf ein Merkmal, desto geringer fällt die Diskrepanz dieses Merkmals in einer Art aus.

Vielleicht könnte das aber gerade ein Argument für ohne Noten sein. Es bleibt kaum noch etwas anderes übrig, als sich die Sachen auditiv zu merken.

Aber, so sehr ich positive Erfahrungen mache, indem ich Schüler nach Gehör spielenlasse, stoße ich auch auf Schüler, die, würde ich diesen Weg in Reinform anwenden, schlichtweg frustriert das Handtuch werfen würden.

Bei dieser Sorte der Schüler stellt sich die Frage, wie fördert man ihre auditiven Fähigkeiten besser. Geht man den Gehörweg, dann bleibt ihnen gar nichts anderes übrig als diese Fähigkeiten zu entwickeln. Aber auf Grund ihrer Schwierigkeiten können sie nicht mit soviel musikalischem Material vertraut werden, als würden sie nach Noten spielen. Mit Noten könnten sie wesentlich mehr Höreindrücke gewinnen und dadurch ihre auditiven Fähigkeiten entwickeln.

Letztendlich bleibt die Antwort Spekulation.

Ein weiteres Argument hat mich stutzig gemacht. Die Autoren meinen, dass durch das ohne Noten die auditive Erinnerungsfähigkeit trainiert und gefördert werden würde.

Das mag schon stimmen. Bevor es Nummernspeichern bei den Telefonen gab, konnten wir uns alle wunderbar Telefonnummern merken. Als dann die Nummernspeicher aufkamen, verloren auch gute Nummernmerker ziemlich stark ihre Fähigkeit sich Nummern zu merken.

Es stellt sich deswegen die Frage, was passiert, wenn der Schüler dann auf Noten zugreifen kann? Büßt er dann auch die antrainierten Fähigkeiten ein?

Aber trotzdem werde ich verstärkt den Gehörweg einschlagen. Ich erfahre, dass dieser Weg lustbesetzter ist als der Notenweg. Deswegen hoffe ich, wenn die Schüler oder die Hirne meiner Schüler bemerken, wie sehr Musizieren mit genauem Hinhören Freude macht, dass das Hirn versucht auf genaues Hinhören umzuschalten, um den Lustgewinn zu erhöhen, auch wenn sie mit Noten spielen.

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Der Beitrag wurde am Freitag, den 28. Oktober 2011 um 08:03 Uhr veröffentlicht von Stephan Zitzmann und wurde unter den Kategorien: Gehör, Gitarrenunterricht, Lernen abgelegt. | Es gibt keinen Kommentar .