https://www.gitarrenunterricht-frankfurt.de/wp-content/themes/GitarreFrankfurt/image/Logo-6a.png

Gitarrenunterricht in Frankfurt

Dipl.-Gitarrenlehrer Stephan Zitzmann

Mit Noten keine Noten gelernt

Ich mache mit jedem Interessenten ein Art Kennenlerngespräch, um herauszufinden, ob ich der richtige Lehrer für denjenigen bin. Jetzt hatte ich eine 15-jährige vor mir sitzen, die drei Jahre Unterricht hatte, aber dann bei der alten Lehrerin aufhörte, weil die nur noch mit ihr über Gott und die Welt geredet hätte. Sie hatte eine Spielpause von ca. drei Monaten und spielte mir „Hat in the Wind“ von Maria Linnemann vor. Gitarrenlehrer wissen jetzt, dieses Mädchen wurde mit der Teuchert-Schule unterrichtet.

Ich halte nicht allzu viel von dieser Schule, weil zu konfus und zu unstrukturiert. Der Schüler hat eigentlich keine Gelegenheit, neue Unterrichtsinhalte zu festigen. Dementsprechend sehen viele Dinge bei den Schülern aus, die nach dieser Schule lernen. Und Notenlesen ist gerade auch nicht die Stärke dieser Schüler.

So wie mir diese Schülerin aber „Hat in the Wind“ vorspielte, bekam ich Zweifel, ob mein Urteil wirklich gerecht sei. Doch plötzlich erzählte mir die Schülerin, sie könne keine Noten umsetzen. Sie formulierte es etwas anders. Sie wisse nicht, nach was für Regeln man die Zahlen und Buchstaben an die Noten schreiben würde. Ich brauchte einige Zeit, bis ich verstand, was sie mir sagen wollte. Sie könne keine Noten lesen. Darauf warf ich einen genaueren Blick in ihre Noten. Es stand durchgehend an jeder Note der Fingersatz für die linke und rechte Hand.

Ich wollte ihr das nicht so ganz glauben, dass sie gar keine Noten lesen könne und legte ihr die Melodie von „Lied an die Freude“ auf den Notenständer. Sie konnte keinen einzigen Ton spielen. Ich fragte dann für einige Töne, ob sie zumindest wisse, wo sie auf dem Griffbrett seien. Sie wusste es von keinem einzigen Ton. Dann fragte ich, ob sie zumindest wisse, ob man den Ton greifen muss oder nicht. Wieder totale Fehlanzeige.

Auf den ersten Blick ist klar, die ausführlichen Fingersätze dürfen dazu geführt haben, dass die Schülerin keine Noten lesen konnte. Aber es gibt ja so etwas wie eine Fähigkeit zur Mustererkennung. Eine Note ist eine bestimmte Tonhöhe, ein Platz auf dem Griffbrett und kehrt entsprechend häufig wieder.

Warum hat diese Schülerin kein einziges wiederkehrendes Merkmal erkannt?

Mir fällt bei manchen meiner Unterrichtsschritte auf, dass vielen Schülern das Konzept hinter Note und Ton nicht klar ist. Bzw. es ist schwer wahrnehmbar.

Wenn ich die zweite Lage erkläre und meine Schüler damit zum ersten Mal die erste Lage verlassen, bitte ich sie, ein a in der zweiten Lage zu greifen. Ca. 90 Prozent greifen dann mit dem zweiten Finger auf den dritten Bund. Das machen sogar Erwachsene, die naturwissenschaftliche Ausbildungen haben. Was verblüffend ist, denn die müssten eigentlich wissen, dass sich die Frequenz ändert und damit sich der Ton ändert.

Ich lasse ja meine Schüler gerne nach Gehör spielen. Da kommt schon mal vor, dass der erste Ton gleich dem dritten oder vierten Ton ist. Ab und zu frage ich, wenn jemand nicht weiter weiß, was für ein Ton ist wie der erste Ton. Ziemlich wenige können das beantworten, weil bei der Wiederkehr der Ton anders wirkt.

Also wenn nicht klar ist, dass eine Note derselbe Ton sein ist und der gleiche Ton nicht gleich wirkt, dann ergeben sich keine wiederkehrenden Regelmäßigkeiten.

Also warum seine Mustererkennung belästigen?

Vielleicht wird aber durch diese Geschichte klar, was Erleichterungen für das Notenlesen nicht sein dürfen. Es dürfen keine Systeme sein, die das Notenlesen überflüssig machen, obwohl sie auf dem Papier stehen.

Wobei ich bei dieser Geschichte nicht weiß, ob die Intention der Kollegin war, das Notenlesen zu erleichtern. Ich gehe eher davon aus, dass ihr wichtig war, dass die richtigen Finger genommen werden. Denn das ist auch gerade keine Stärke der Schüler, die mit der Teuchert-Schule unterrichtet werden.

Teile diesen Beitrag von Gitarrenunterricht Frankfurt

Der Beitrag wurde am Freitag, den 6. Oktober 2017 um 08:58 Uhr veröffentlicht von Stephan Zitzmann und wurde unter den Kategorien: Gitarre lernen, Gitarrenunterricht, Krimskrams, Lernen, Übemethodik abgelegt. | Es gibt keinen Kommentar .