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Gitarrenunterricht in Frankfurt

Dipl.-Gitarrenlehrer Stephan Zitzmann

Die Nähe des Erinnerungsortes

Ich glaube, es war im ersten Semester, als ich meinem Dozenten erzählte: „Komisch, wenn ich die Gitarre in der Hand habe, kann ich mir die Sachen gut vorstellen. Wenn ich sie nicht in der Hand habe, wird es schlechter. Wenn ich weit weg vom Platz bin, geht es noch schwerer.“

Mein Dozent meinte: „Das legt sich mit der Zeit.“

Es hat sich gelegt. Mir fiel diese Geschichte wieder ein, weil ich einen Schüler habe, welcher über 30 Jahre Musik macht, in welchen er auch über 20 Jahre Gitarre gespielt hat. Bei diesem Schüler fällt ein Phänomen besonders extrem auf, welches ich von anderen Schülern*Innen in abgemilderter Form kenne. Muss irgendwo mitten im Stück angefangen werden, muss mehrmals angefangen werden, und bis es funktioniert, muss die Sache er(f)inn(g)ert werden.

Bloß bei diesem Schüler war die Aufgabe, er möge nur die Abschnitte üben und er sollte mir nur die Abschnitte vorspielen. Er hat sich an die Aufgabe gehalten, aber trotzdem, er musste immer erst auf dem Griffbrett herumfingern und trotzdem gab es viele Fehlstarts.

Daraufhin zwang ich ihn, sich eine Vorstellung zu konstruieren. Der Schüler sah dabei sehr angestrengt aus und meinte auch, dass ihm dieses Vorstellen sehr schwerfallen würde.

Wenn ich mich beim Spielen beobachte, dann ist das eine Art Assoziationsstrom. Bin ich an einer bestimmten Stelle, dann höre, sehe und spüre voraus.

Ich habe das Wort Assoziationsstrom gewählt, weil es so ähnlich anfühlt, wenn ich eine häufig gefahrene oder gelaufene Strecke nach einiger Zeit wieder nutze. Am Anfang der Strecke, weiß ich nicht, was mitten in der Strecke kommt. Aber das eine Merkmal an einer Ecke ruft in mir wach, wie es an der nächsten Ecke weitergeht.

Ob das identisch ist, mit dem, was die Gedächtnispsychologie mit Assoziation meint. Lasse ich dahingestellt.

Auf dem Rad schaffe ich auf diese Art Strecken von bis zu 50 Kilometer aus dem Gedächtnis. Aber ich kann die 50 Kilometer nicht beschreiben. Aber ab und zu verfahre ich mich auch gewaltig.

Wenn ich einer Ecke nahe genug bin, weiß ich, wie die nächste Ecke aussieht. Besser gesagt, ob ich abbiegen muss oder geradeaus fahren muss.

Dieser Schüler gibt mir Anlass zu einer Überlegung, die ich an einem anderen Phänomen erklären will. Im Laufe des Übens oder des Gitarrenspiellebens ökonomisieren sich die Bewegungen. Die Muskulatur entspannt sich beim Spielen. Bloß andererseits glauben manche Schüler*Innen, diese anfängliche Anspannung ist notwendig, um richtig zu spielen.

Also sie glauben es nicht, sondern sie kopieren, was Erfolg gebracht hat und behindern eine natürliche Entwicklung.

Jetzt die These, es gibt Schüler*Innen, die an bestimmten Erinnerungsmechanismen festhängen, weil ihr Unterbewusstes oder ihr Bewusstsein, diese als notwendige Bedingung für das Gelingen des Stückes erachten.

Dies schreibend stelle ich mir die Frage, gibt es in diesem Erinnern eine natürliche Entwicklung und wie sieht diese aus?

Wie dem nun auch sei, ich sehe darin eine Bestätigung der Praxis, dass ich von Schüler*Innen fordere oder ihnen vermittle, Du kannst ein Stück eigentlich erst auswendig, wenn Du es Dir im Kopf vorstellen kannst.

Weiter, dass ich nicht davon ausgehen kann, dass es wie bei mir ist, spiele ich ein Stück lange genug, dann geht dieses Vorstellen schon.

Ich weiß zwar von meinen Schüler*Innen, dass sie ihre Stücke sich nicht automatisch vorstellen können. Ich habe dies bisher der Menge des Übens zugeschrieben.

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Der Beitrag wurde am Freitag, den 7. April 2023 um 08:59 Uhr veröffentlicht von Stephan Zitzmann und wurde unter den Kategorien: Gitarre lernen, Gitarrenunterricht, Lernen, Übemethodik abgelegt. | Es gibt keinen Kommentar .