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Gitarrenunterricht in Frankfurt

Dipl.-Gitarrenlehrer Stephan Zitzmann

Paraphrase 2a über „Einfach üben”

Ein Problem sollte so genau wie möglich und in all seinen Teilaspekten beschrieben werden. Nur was man detailliert wahrnehmen und beschreiben kann, kann man detailliert üben.
aus „Einfach üben“ von Gerhard Mantel

Wer ist der Herr der Wahrnehmung?

Aus dieser Prämisse folgt die Frage, entwickelt sich diese detaillierte Wahrnehmung und kann ich diesen Prozess als Übender fördern?

Du solltest Dir grundsätzlich die Situation in deinem Kopf klar machen. Du spielst und es kommen irgendwelche Informationen in deinem Bewußtsein an. Was für Informationen durch deine Filter dringen, bestimmst Du meistens nicht, sondern deine neuronalen Prozesse, weil Du eher selten willentlich in diese Filterprozesse eingreifst.

Die erste Sache die Du lernen musst, ist die der gezielten Aufmerksamkeitslenkung. Eine mögliche Aufgabe wäre, Du versuchst eine Passage mit ununterbrochener Aufmerksamkeit auf die Fingerkuppe des erstens Finger zu spielen.

Du wirst merken, dass das Aufrechterhalten dieser Aufmerksamkeit besonders schwierig ist, wenn der erste Finger „untätig“ ist. Es mag auf den ersten Blick wenig sinnvoll erscheinen auf untätige Finger achten zu können. Aber es ist eine sehr wichtige Fähigkeit.

Das zu Wahrnehmende neben dem Wahrgenommenen

Denn in diesen vermeintlich untätigen und unbeobachteten Gegenden sind sehr häufig die Ursachen von Fehlern und Problemen verborgen.

Ein einfaches Beispiel. Wenn der Sattel auf einem Fahrrad zu hoch eingestellt ist, erreichen deine Füsse die Pedale nicht. In deiner Sinneswahrnehmung wirst Du erst feststellen: „Oh Gott, meine Füsse kommen nicht an die Pedale heran.“

Dann wirst Du dir deine Beine ins Bewußtsein rufen. Du stellst fest die Knie sind gestreckt, das Hüftgelenk auch. Also der Sattel ist zu hoch. Du wirst ihn tiefer stellen.

Würdest Du aber die Sache handhaben wie viele Menschen beim Üben, würdest Du strampelnd auf deine Füsse achten und dich wundern, warum Du einfach nicht an die Pedale kommst und diese hie und da gegen die Schienbeine (Ist sehr schmerzhaft) bekommst.

Dein Hirn lässt nur Informationen durch, die seiner Meinung nach wichtig sind. Beim Gitarrespielen liegt die Hauptaufmerksamkeit auf den Fingerkuppen, die gerade mit dem Spielen beschäftigt sind. Der Rest der Hände und Arme sind mehr oder weniger ausgeblendet.

Damit entgehen dir aber wichtige Informationen. Das Fingerkuppengefühl alleine sagt dir nicht, über was für einem Ton der Finger gerade schwebt. Diese Information beziehst Du aus den Gelenkstellungen deiner Finger, Handgelenke und der Stellung des Ellenbogen- und des Schultergelenkes.

Jetzt probiere mal bei der selben Passage permanent den Gelenkwinkel des Mittelgelenkes des Zeigefingers der Greifhand zu beobachten. Die Übung mit der Kuppe des Zeigfingers dürfte deutlich leichter gewesen sein. Vermutlich rutscht deine Wahrnehmung immer wieder in die Fingerkuppen und Du verlierst den Kontakt zum Mittelgelenk.

Wenn Du jetzt überlegst, wie viele Dinge Du beobachten kannst, wirst Du feststellen, dass Du dir mannigfaltig viele Aufgaben stellen kannst, aber auch, was dir vielleicht bisher entgangen ist. Insbesondere wenn Du bedenkst, dass Du dann in einem weiteren Schritt die Aufgaben kombinieren kannst. Zum Bispiel, wie verhält sich das Endglied des Zeigefingers zum Endglied des Mittelfingers.

Was hilft das?

Als ich auf diese Beobachtungsübungen gekommen bin und diese ausprobiert habe, sind zwei Dinge passiert. Ich konnte nach einer gewissen Zeit wesentlich besser wahrnehmen, was in meinen Händen geschah und war damit auch besser in der Lage gezielter meine Fehler zu verbessern, weil ich besser einen konkreten Bewegungsplan fassen und kontrollieren konnte.

Aber was mich damals noch wesentlich mehr faszinierte und was auch immer wieder meine Schüler feststellen, ich hatte durch meine diffuse Wahrnehmung bei komplexen Bewegungsabläufen ein total falsches Bild von dem was wirklich geschah. Ich glaubte Finger zu bewegen, die sich nicht bewegten und ähnliches.

Empfehlung

Probiere erst einmal eine halbe Stunde aus, ob dieses Beobachten etwas in deiner Wahrnehmung verändert und ob es dir hilft. Dann kannst Du diese Beobachtungsübungen vertiefen.

Teilweise ist man anfänglich etwas phantasielos, was man beobachten könnte. Um mal eine Orientierungsmarke vorzugeben, ich komme auf 64 Körperpunkte oder -teile in meinen Händen und Armen, die mann beobachten könnte.
Versuche einen Punkt permanent zu beobachten. Wenn Du spielst, musst Du dein Tempo so wählen, dass Du die Aufmerksamkeit fortwährend aufrechte erhalten kannst. Ist dir dies gelungen, gehe zum nächsten Punkt in deinen Händen oder Armen.

Später kannst Du einzelne Punkte kombinieren.

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Der Beitrag wurde am Freitag, den 9. Februar 2007 um 08:55 Uhr veröffentlicht von Stephan Zitzmann und wurde unter den Kategorien: Übemethodik abgelegt. | Es gibt keinen Kommentar .