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Gitarrenunterricht in Frankfurt

Dipl.-Gitarrenlehrer Stephan Zitzmann

Mythos Motivation – Buchinspiration (Teil1)

Zufällig hörte ich ein Interview mit Spenger in dem der Satz fiel: „Wer motivieren muss, muss sich fragen, wie er demotiviert hat.“ Dann wurde in dieser Radiosendung der Buchtitel „Mythos Motivation“ erwähnt. Neugierig wie ich bin, lieh ich mir dieses Buch in der Stadtbücherei aus.

Dieses Buch ist eigentlich ein Managementbuch, aber gerade deswegen vielleicht sehr aufschlussreich.Spenger vertritt die provokante These, dass Motivierung meist nur kurzfristig wirkt und letztendlich in die Demotivation der Mitarbeiter führt.

Spenger vertritt mehrere Thesen und belegt diese unterschiedlich gut.

  1. Motivierung ist Misstrauen, Verachtung und Abwertung des Gegenübers, weil die Motivierung indirekt unerstellt, dass das Gegenüber „böswillig“ unterhalb seiner Leistungsfähigkeit bleibt.
  2.  Motivation ist ein Versuch der Manipulation, damit der Mensch Zielen dient, die nicht seine eigenen sind. Dies ist aber auch ein Ausdruck von Missachtung des Menschen.

Spenger versucht auch einen Weg zu zeigen, wie man aus diesem Dilemma entgehen kann. Die Führungskraft soll Bedingungen schaffen, damit der grundsätzlich vorhandene „gute Wille“ des Mitarbeiters sich besser entfalten kann.

Ich fand das Buch sehr inspirierend, weil die These, dass Motivation auch schädlich sein könnte, mir so noch nicht gekommen ist. Da das Buch eigentlich für die Managementwelt geschrieben wurde, war es für mich ein wahrlicher Gedankenkatalysator. Es stellte sich natürlich die Frage, wie ist das in meiner Unterrichtswelt, was kann ich übertragen?

Die Hauptfrage, die daraus resultierte, war, warum motiviert man im Instrumentalunterricht?

Nehmen wir den Satz „Musikunterricht soll Begeisterung für die Musik wecken.“ Ich glaube, viele Menschen würden diesen Satz ohne weitere Bedenken unterschreiben.

Überlegt man aber genauer, kann man sich über diesen Satz eher wundern. Normaler Weise meldet sich ein Schüler an, weil er Interesse an Musik hat. Warum soll ich wecken, was eigentlich schon vorhanden ist?
Also warum muss man im Instrumentalunterricht motivieren? Die meisten würden vermutlich sagen, damit der Schüler vorankommt, damit er besser lernt. Auf den ersten Blick eine befriedigende Antwort. Auf den zweiten Blick stellt sich dann doch die Frage, warum ist es so wichtig, dass man vorankommt. Damit man besser wird. Ist das ein Wert an und für sich? Eigentlich nicht. Also warum ist es wichtig, fortzuschreiten?
Würden Sie sich gerne für den Rest ihres Lebens von Pizza ernähren?
Vermutlich nicht? Irgendwann will man etwas anderes und muss lernen etwas Neues zu kochen. Und in der Musik haben wir eine ähnliche Situation. Dem Schüler wird auf Dauer früher oder später sein musikalischer Horizont langweilig werden.
Ich habe mal versucht den Werdegang eines Schülers zu skizzieren.

Musikalische Welt und Fähigkeiten
Es ist festzuhalten, dass die Entwicklung des Schülers verschiedene Verläufe nehmen kann.
Bloß es ist die Frage, wohin geht die Reise? Wer bestimmt das Ziel?

Gehen wir jetzt einmal davon aus, dass es die Wünsche des Schülers sind. Ist damit alles Friede, Freude und Eierkuchen.
Leider „Nein“!

Denn es bleibt immer die Differenz zwischen Fähigkeit und musikalischem Wunsch des Schülers zu überwinden. Und dieser Weg ist das Problem.

Ich hatte vor kurzen ein Erlebnis mit einem neuen Schüler, der bei mir geparkt wird, bis im Sommer ein Platz beim E-Gitarrenkollegen frei wird. Dieser Schüler hatte schon drei Jahre woanders Unterricht. Ich bin jetzt der vierte Lehrer. Dementsprechend konfus war der bisherige Unterricht und dementsprechend schlecht spielt der Schüler.

Als der Schüler mir vorspielte, was er für sich außerhalb seines Unterrichtes üben würde, erkannte ich, dass dieser Schüler eine überdurchschnittliche Leidenschaft und ein klares Ziel hat. Bei Allem was er mir vorspielte, waren die Stücke erkennbar, aber nichts war richtig und es war unter musikalischen Gesichtspunkten einfach hässlich. Dem Schüler fehlte einfach vorne und hinten das Handwerkszeug, um das zu spielen, was er spielen will.

Als ich ihm so zusah, dachte ich mir, es wird spannend sein, ob seine Begeisterung reicht die Schwierigkeiten, die ihm im Wege stehen, zu überwinden. Oder ob die Schwierigkeiten seine Begeisterung zerstören?
Motivieren hieße also jemanden zu unterstützen,  die Schwierigkeiten zu überwinden, die seiner Freude an der Musik entgegenstehen.

Aber die andere Fragestellung die Sprenger aufwirft, ist auch interessant. Hat Motivation eine Botschaft, die eigentlich das Gegenüber diskreditiert. Ich würde die Fragestellung aber erst einmal verändern. Was teile ich dem Schüler mit, wenn ich ihn motiviere.

Ich hatte vor kurzem eine interessante Erfahrungen. Der Sternenstempel aus dem Artikel Feedbackmaterial hat seinen Einsatz gefunden. Ich verwende den Stempel dazu, damit meinen Schülern deutlicher wird, wie gut sie ein Stück können und auch besser sehen, wie lange der Weg zum Ziel ist und wie schnell sie ihn zurücklegen. Mir ging es eigentlich darum, dass meine gesprochene Beurteilung besser einzuordnen ist, weil Text doch leicht zu Missverständnissen führt.

Da solch eine Skala auch den Geschmack von Noten hat, habe ich meine Schüler gefragt, warum ich diesen Stempel einsetze.
Umso verblüffter war ich, dass ich sogar von Schülern, denen ich eigentlich nicht den Vorwurf machen würde, sie tun zu wenig, kam, ich würde das machen, damit sie mehr tun würden.

Bei anderen Dingen erlebe ich, dass manche Dinge von Seiten der Schule schon negativ besetzt sind. Zum Beispiel reagieren schon Grundschüler auf Grund ihrer schulischen Erfahrungen allergisch auf Zielvereinbarungen. Wenn ich die empörten Äußerungen richtig interpretiere, empfinden sie diese Zielvereinbarungen als verlogenen. Ein klare Ansage wäre den Kindern lieber.

Nach längerem Überlegen bin ich auf die These gestoßen, dass den Schülern teilweise nicht klar wird, dass es letztendlich um ihre Ziele geht. Das mag kurios klingen, scheint aber so zu sein. Die Schüler erleben Instrumentalunterricht ähnlich wie Schule. Da sitzt ein Lehrer, der Hausaufgaben aufgibt, der die Erledigung der Aufgaben nach dem Schüler bisher unvertrauten Maßstäben beurteilt.

Also versteht der Schüler die Situation ähnlich wie in der Schule. Da ist jemand, der unzufrieden ist, weil es nicht so ist, wie es sein soll, und deswegen soll er etwas tun. Aber auf Grund der Formulierungen kommt der Schüler nicht zwangsläufig darauf, dass er sicht nicht seine Empfindungen zum den geforderten Veränderungen bewusst macht und in Beziehung zu seinem Ziel setzt.

Natürlich ist nicht bei jeder Maßnahme der Bezug zum Ziel des Schülers offenkundig, insbesondere dem Schüler. Persönlich finde ich, es hilft ungemein, wenn dem Schüler klar wird, dass der erzielte Fortschritt eine Erleichterung oder ein musikalischer Lustgewinn ist.
Aber für einen Lehrer heißt das, er sollte vielleicht öfter hinterfragen, wie seine Botschaft wirklich ankommt beim Schüler.

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Der Beitrag wurde am Freitag, den 20. Februar 2009 um 08:28 Uhr veröffentlicht von Stephan Zitzmann und wurde unter den Kategorien: Buchbesprechung abgelegt. | Es gibt keinen Kommentar .