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Gitarrenunterricht in Frankfurt

Dipl.-Gitarrenlehrer Stephan Zitzmann

Julio S. Sagreras – Guitar Lessons Book 1-3 (Notenbesprechung)

Mir ist diese Schule von Julio S. Sagreras durch einen Unterrichtsinteressenten in die Hände gefallen. Obwohl diese Schule eine Schule vom alten Schlag ist, fand ich interessant, was ich sah und bestellte mir diese Schule.Julio S. Sagreras lebte von 1897 – 1941. War der Sohn von zwei professionellen Gitarristen. Er wurde später Professor für Gitarre an der „Academia de Bellas Artes“. Später gründete er die eigene Gitarrenschule „Academia de Guitarra“. Zusätzlich genoss er eine Ausbildung in Komposition und Klavier.

1922 wurden vermutlich die ersten drei Bände dieser Schule veröffentlicht. Mir liegt die Ausgabe von „Mel Bay“ vor. Bei meinen Recherchen stieß ich noch auf eine Ausgabe von „Ricordi America“. Dort sind auf dem Titelbild erklärende Zeichnungen zu sehen, die in der Ausgabe von Mel Bay nicht zu finden sind.

Deswegen vermute ich, dass es verschiedene Ausgaben mit verschiedenen Inhalten von dieser Schule gibt. Ob das nur für den Textteil gilt oder auch für den Notenteil, vermag ich nicht zu sagen.

Vorsichtshalber möchte ich erwähnen, dass es den Textteil im Anhang auf Deutsch übersetzt gibt.

Oben sagte ich schon, dass es sich hier um eine Schule vom alten Schlag handelt. Damit meine ich, dass es ziemlich schnell zur Sache geht. Auf Seite 24 tauchen Stücke auf, die bei modernen Schulen erst ab Seite 150 bis 200 auftauchen. Dazu kommt, dass es keine Erklärungen über Haltung und Technik gibt. Es gibt zwar kleine Hinweise zur Ausführung, aber diese sind eher oberflächlich. De facto handelt es sich um eine Stückesammlung mit progressivem Charakter.

Als Grundlage für einen normalen Unterricht ist diese Schule nicht verwendbar. Wenn ein Schüler professionelle Ambitionen anmelden würde, dann wäre diese Schule eine Option.

Trotz alledem sticht mir diese Schule positiv ins Auge. Der Grund sind die Stücke. Meiner Ansicht nach gibt es ab einer gewissen Könnenstufe ein Problem mit der Stückauswahl. Es gibt zu wenig Stücke, die kurz und interessant genug sind, um den Schüler mit komplexeren Zusammenhängen vertraut zu machen. Viele Stücke sind zu lange und zu große Brocken, als das man die Inhalte, die mit dem Stück vermitteln werden sollen, ernsthaft bearbeiten könnte. Der Schüler hat schon genug mit der grundsätzlichen Bewältigung des Stückes zu tun. Oder es werden zu viele Inhalte mit dem Stück angesprochen, so dass ein sinnvolles Arbeiten auch sehr erschwert wird.

Diese Lücke könnte man mit den Stücken aus der Schule von Julio S. Sagreras füllen. Aber ich verwende den Konjunktiv. Die Stücke sind Großteils sehr schön und gelungen, aber sie bewegen sich mit ihrem musikalischen Idiom zwischen Tárrega und Barrios. Das wird auf Dauer doch etwas monoton.

Andererseits sind die Stücke methodisch sehr gut gemacht. Julio S. Sagreras versteht das Kunststück einen technischen oder musikalischen Inhalt in Etüden zu verpacken, ohne das musikalische Langeweile bzw. das, was ich als den Durchnudelcharakter von Etüden bezeichne, aufkommt. Der Etüdencharakter bleibt für das Ohr meist verborgen.

Ich betrachte diese Schule als guten Stückefundus für den Fortgeschrittenenbereich. Es ist gut geeignet, die Fähigkeiten beider Hände zu erweitern und das Griffbrett kennenzulernen. Schön wäre, wenn ähnlich gutes didaktisches Material auch für andere musikalische Idiome vorliegen würde.

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Der Beitrag wurde am Freitag, den 29. Januar 2010 um 08:12 Uhr veröffentlicht von Stephan Zitzmann und wurde unter den Kategorien: Gitarrenunterricht, Notenbesprechung abgelegt. | Es gibt keinen Kommentar .