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Gitarrenunterricht in Frankfurt

Dipl.-Gitarrenlehrer Stephan Zitzmann

Die große Monstergitarrenschule

Eigentlich ist es unfair, dass ich diese Kritik über „Die große Monstergitarrenschule“ von Sebastin Horn und Norbert Maier schreibe, denn ich bin persönlich der Meinung, man sollte Kindern Akkorde ab der Mittelstufe beibringen. Davor ist es auf Grund der motorischen Schwierigkeiten eher ein Fall für die UN-Menschenrechtskonvention.

Mir ist diese Schule durch eine Schülerin, die momentan in die dritte Klasse geht, in die Hände gefallen. Es war ein Weihnachtsgeschenk. Sie hat mir daraus eine Übung vorgemacht. Bei dieser Übung dachte ich, entweder hat da jemand über die Schwierigkeiten nachgedacht, dann sollte ich mir das Buch genauer ansehen, oder meine Schülerin hat etwas total missverstanden.

Ebenfalls ich bat, mir die Schule mal ausleihen zu dürfen.

Zu erst sticht die Schule rein optisch aus allen Lehrwerken heraus. Es ist eindeutig ein Buch und kein zu dickes Heft. Das Papier ist hochwertig, fest und es macht optisch einen hochwertigen und gut gelayouteten Eindruck.

Das dem optischen Eindruck hohe Bedeutung beigemessen worden ist, erkennt man daran, dass der Illustrator Norbert Maier wie ein Autor auf dem Buchcover genannt wird.

Da sind wir schon beim ersten Problem dieser Gitarrenschule. Durch die kindgerechte Verpackung wird der Inhalt der Gitarrenschule nicht kindgerecht. Ich habe schon andere Konzepte gesehen, die den Problemen von Kindern bei der Schlaggitarre  deutlich gerechter werden.

Hier ist der Frust vorprogrammiert.

Nehmen wir jetzt mal an, das Layout wäre an das Alter der Zielgruppe angepasst, für die der Inhalt eher geeignet ist, würde ich die Schule als gute Schule ansehen?

Auch hier sind viele Dinge, die bei vielen Frust erzeugen werden.

Grundsätzlich bin ich der Ansicht, das Hauptproblem bei der Schlaggitarre ist der Griffwechsel. Deswegen sollte man im Anfangsspielmaterial, die Schlagmuster und Tempi so wählen, dass für den Griffwechsel genügend Zeit bleibt.

Die Schlagmuster und Tempi sind so gewählt, dass meiner Erfahrung nach eine große Mehrheit damit Schiffsbruch erleiden wird.

Auch die anfänglichen Zählübungen sind für einen musikalischen Unerfahrenen besonders bei den genannten Metronomzahlen zu schwer. Hier fehlt eine schrittweise Heranführung.

Dadurch, dass das erste Lied mit den Griffen am und G gespielt wird, wird die Latte auch höher gelegt als notwendig.

Die große Monstergitarrenschule versucht sich dann in einer didaktisch wertvollen Gliederung des zu spielenden Liedmaterials. Als Kriterium wurde die Anzahl der pro Lied verwendeten Akkorde gewählt. Da es leichte und schwere Griffverbindungen gibt, ist diese nicht geeignet ein progressives Ansteigen des Spielmaterials zu verwirklichen.

Hie und da stehen sehr brauchbare Dinge in dieser Schule. Z.B. je lockerer die Hände desto besser kann man die Finger dehnen. So was habe ich bisher in keiner Schule gelesen.

Aber andererseits stehen viele unbrauchbare Dinge in dieser Schule. Z.B. die Erklärung der Intervalle. Die ergibt keinen Sinn. Es fehlen die grundlegenden Informationen, um das Geschriebene zu verstehen. Damit ist aber auch nicht möglich, die Akkorde zu verstehen. Die Autoren schreiben aber selber, sie würden die Intervalle erklären, damit man die Akkorde versteht.

Anderes finde ich so simplifiziert, dass man es besser nicht erwähnt hätte, weil wenn diese Dinge nicht in das rechte Licht gerückt werden, führen sie eher zu Missverständnissen.

Z.B. die These Haltung müsse bequem sein. Das ist so falsch. Haltung ist funktional, was ganz gerne damit einhergeht, dass sich Dinge bequem anfühlen. Aber es ist kein Signal, dass die Haltung wirklich dem Spiel förderlich ist. Manch bequeme Haltung ist eigentlich Spielschäden fördernd. Z.B. die klassische Haltung ohne Fußbänkchen fühlt sich für viele bequemer an, aber das abgeknickte Handgelenk ist ein Katalysator für Sehnenscheidenentzündungen.

Letztendlich hat sich mir folgende Erklärung aufgedrängt, warum diese Gitarrenschule das Licht der Welt erblickt hat.

Man hat in einem fachfremden Verlag zwei BigNames aus der Filmusikszene und Animationsfilmszene zusammengeworfen in der Hoffnung, dass das Ergebnis inhaltlich schon passen wird. Da die Verpackung besser ist als bei herkömmlichen Schule, nimmt man an, einen Kassenschlager kreiert zu haben.

Letztendlich bleibt, Marketing kann Didaktik nicht ersetzen, auch wenn es weniger knallig bunt ist.

Persönlich finde ich solche Schulen ein Ärgernis. Obwohl solche Schulen bei den Menschen zu der Erkenntnis führen ein Lehrer wäre doch nicht schlecht, entmutigen diese Schulen auch die Menschen.

Vor kurzem habe ich einen Schüler bekommen, der sich aufgrund seiner Erfahrung als motorisch unbegabt beschrieben hat. Er hatte starke Zweifel an seiner Fähigkeit Gitarre überhaupt lernen zu können. Dies hat sich als falsch erwiesen. Dieser Schüler gehört zu den eher flotteren Schülern. Und ein Bewegungslegastheniker, so die Selbstbezichtigung des Schülers, ist er wirklich nicht.

Nachtrag: Ich habe mal meine Schüler zu dem Layout gefragt. Die Altersgruppe, von der ich dachte, dass sie gemeint ist, fand dieses Layout eher kindisch. Das waren Kinder aus der dritten und vierten Klasse. Die Schülerin, die mir die Schule gegeben hat, verwendete sogar den Begriff „albern“.

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Der Beitrag wurde am Freitag, den 2. März 2012 um 08:22 Uhr veröffentlicht von Stephan Zitzmann und wurde unter den Kategorien: Buchbesprechung, Gitarrenunterricht, Kinder, Lernen, Liedbegleitung, Notenbesprechung abgelegt. | Es gibt keinen Kommentar .