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Gitarrenunterricht in Frankfurt

Dipl.-Gitarrenlehrer Stephan Zitzmann

Rhythmische Erlebnisse – Teil 6

In den sich daraus entwickelnden Experimenten bildete sich folgende Übeform heraus. Vorstellen, spielen, vorstellen, spielen. Einerseits verbesserte sich das Spiel, es wurde sanfter und geschmeidiger. Andererseits löste der Vorschlag, sich die Musik vorzustellen auch teilweise ziemliche Irritationen aus. Die Idee als solches war befremdlich, wir spielen doch Gitarre.

Ein Schüler fasste das Problem so zusammen: „Du musst mir das schon vorspielen. Woher soll ich wissen, wie es klingen soll, ich kenne doch nur das, was ich mir vorspiele und so soll es ja nicht klingen.

Dieser Schüler konnte aber damit etwas anfangen, dass wenn man nur zerkratzte Flächen kennt, aber diese als hässlich empfindet, sich trotzdem mindestens ein vage Vorstellung des besseren einstellt. Auch bei diesem Schüler stellten sich merkbare Verbesserungen ein.

Dies ist alles nicht neues. Aber mir ist dadurch aufgefallen, wie stillschweigend davon ausgegangen wird, dass die musikalische Vorstellung schon da sein wird, bzw. wie wenig Raum ihr gegeben wird.

Im normalen Unterricht läuft es doch so, der Schüler bekommt einen Änderungsvorschlag und soll diesen sofort ausführen. Ist das Ergebnis richtig, dann wird auch schon die Vorstellung passen.

Letztendlich werde ich hoffentlich den Schülern mehr das Vorstellen abfordern und ihnen den Raum dazugeben.

Jetzt will ich zu einer anderen Sache kommen, die mich auch sehr faszinierte.

Die anscheinende Selbstregulation zum Besseren hin, wenn ich einen Abschnitt als Loop spiele und beobachte, ob es sich zum besseren entwickelt. Das entscheidende ist die Haltung, ich beobachte ob, da etwas passiert.

Auch hier habe ein wenig herum experimentiert. Das Ergebnis war, je erfahrener der Schüler desto eher stellt sich der Effekt ein.

Bei einer Anfängerin konnte ich sehr gut feststellen warum, dass so ist. Sie kämpfte schlichtweg damit, dass a zu treffen. Ein permanentes Wiederholen brachte nichts. Ich konnte aber beobachten, dass sich die Fingerkrümmung des zweiten Fingers eigentlich konstant blieb und nicht variiert wurde.

Ich machte die Schülerin darauf aufmerksam. Es war zwar erkennbar, dass sie jetzt versuchte einzugreifen. Aber eher hilflos. Letztendlich mussten wir erst üben, den zweiten Finger willentlich zu krümmen. Dann funktionierte die Sache ziemlich schnell.

Wenn einem die Möglichkeiten und die Wahrnehmung derselben zur Verfügung stehen, dann kann man anscheinend unterbewusst auf diese zugreifen.

Aber in diesem Zusammenhang beschäftigt mich eine andere Beobachtung. Die innere Haltung beim Üben. Wie reagiert man, wenn der Versuch der Verbesserung nicht auf Anhieb gelingt?
Diejenigen, die es richtig machen sollen, reagieren eher mit Hektik, Wut oder ähnlichem, wenn sich nach einigen Versuchen kein Erfolg einstellt und sie geraten in eine Aufregungsspirale hinein, die sie innerlich so chaotisiert, das eigentlich noch weniger gelingt.

Diejenigen, die beobachten sollen, ob sich da etwas entwickelt, bleiben wesentlich länger ruhig, konzentrierter und wenn die Aufgabe gelingt, dann gelingt diese entspannter als in der zuvor genannten Herangehensweise.

Bei diesen Rhythmusexperimenten habe ich häufig mit immer wiederkehrenden Handlungsabläufen gearbeitet. Die Zeitpunkte der einzelnen Wiederholungen, waren nicht beliebig, sondern fanden immer im selben zeitlichen Abstand statt.

Interessanter Weise scheint dies auf die Konzentration eine sehr fokussierende Wirkung zu haben, sodass einige auch plötzlich Details wahrnehmen können, die sonst in dem Informationsfluss in ihrem Kopf untergehen.

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Der Beitrag wurde am Freitag, den 1. Juni 2012 um 08:27 Uhr veröffentlicht von Stephan Zitzmann und wurde unter den Kategorien: Gehör, Gitarrenunterricht, Lernen, Übemethodik abgelegt. | Es gibt keinen Kommentar .