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Gitarrenunterricht in Frankfurt

Dipl.-Gitarrenlehrer Stephan Zitzmann

Stephan Hesse Gitarrenschule Gitarrenzauber

Mir wurde jetzt ein Grundschüler vorgestellt, der mich etwas verwirrte. Er konnte sehr viel mit der rechten Hand, aber so gut wie nichts mit der linken Hand. Es wirkte auf mich etwas unausgewogen. Ich konnte auch einen Blick in das von seinem vorigem Lehrer verwendete Lehrwerk werfen.

Das machte auf den ersten Blick auch einen befremdlichen Eindruck. Aber so gut, wie die rechte Hand bei diesem Kind lief, habe ich mir den ersten und zweiten Band der Gitarrenschule von Stephan Hesse besorgt.

Nach genauerem Studium fällt mein Urteil zwiespältig aus. Die Grundidee, die ich hinter der Schule vermute, finde ich ausgesprochen vernünftig.

Die Schule ist für Kinder ab fünf gedacht. In dieser Altersgruppe stellt die Kombination von rechter und linker Hand, auch wenn das Spielmaterial sehr einfach ist, eine Herausforderung dar. Der Spielfluss stellt sich schwer ein.

Stephan Hesse macht aus der Not eine Tugend. Er hat sehr viel Spielmaterial geschrieben, dass nur die rechte Hand bedient. Es geht bis zum zweistimmigen Anschlag. Erst dann kommen allmählich die ersten gegriffenen Töne. Diese werden in die verschiedenen Anwendungsfälle für die rechte Hand eingebaut. Der Schüler kann mit dem Ton richtig vertraut werden. Dadurch entsteht Abwechslung.

Erst dann kommt ein neuer Ton. Nach diesem genaueren Hinsehen war ich sogar versucht, diese Schule mal mit einem Schüler auszuprobieren.

Bei noch genauerem Hinsehen kamen mir Bedenken praktischer Art.

Aufgrund des Konzeptes der Schule hat Stephan Hesse nur Eigenkompositionen verwendet. Sollte man „zufüttern“ müssen, hat man das Problem, dass das Standardmaterial sich nicht in das Konzept von Stephan Hesse einpassen lässt. In anderen Worten man muss mit dem Material hinkommen.

Denn der Schüler, der die Zufütterung nötig hat, der verträgt am wenigsten die Abweichung von dem didaktisch sinnvollen Konzept.

Dieses Problem stellt sich noch einmal mit Ende des zweiten Bandes. Die Schüler spielen zweistimmig mit gegriffenen Bässen. Das Material ist clever, weil immer noch sehr viele leere Saiten vorkommen, keine Kombination von gegriffenen Tönen. Aber der Weg, der sich andeutet, dass demnächst mit 3. und 4. Finger gleichzeitig gegriffen wird, halte ich für eine Überforderung. Dieser Weg müsste gebaut werden.

Kann das ein Gitarrenlehrer nicht selber. Jein. Wenn ich dir mir bekannte Unterrichtsliteratur ansehe, müsste ich aufgrund des Konzeptes von Stephan Hesse zum Komponieren anfangen, um die sich auftuende Lücke zu schließen.

Sind die Kompositionen von Stephan Hesse gelungen? Aufgrund des Konzeptes kann Stephan Hesse auf einer sehr langen Strecke eigentlich keine richtigen Melodien schreiben. Die wenigsten Stücke entsprechen dem, was man unter einer einfachen Melodie versteht. Bei genauerem Hinhören hatte ich den Verdacht, dass Hesse versucht den Sprechgesang von Kindern zu imitieren. Wenn dem so sei, dann ist das keine schlechte Idee.

Damit sind wir aber auch bei meiner Besorgnis, von der ich nicht weiß, ob sie berechtigt ist. Wie reagieren die Kinder darauf. Sind die dann angeödet oder kommt ihnen das entgegen? Ich finde diese Art der Melodiebildung dauert zu lange an. Vielleicht täusche ich mich. Aber ich befürchte dort einen Demotivationsfaktor.

Dann habe ich ein weiteres Bedenken. Könnte es sein, dass dieses Material die Entwicklung einer auditiven Vorstellung behindert?

Wie sind die Erklärungen in der Schule. Stephan Hesse hat meiner Meinung etwas sehr Vernünftiges getan. Es gibt so gut wie keine Erklärungen. Meine Kritik an vielen Erklärungen ist, dass sie aufgrund ihrer Schriftlichkeit für junge Kinder zu hoch geraten müssen. Ich verwende teilweise meine eigenen Texte im Unterricht nicht, sondern erkläre einfach. Daher ist es vielleicht ganz klug, die Vermittlung gänzlich dem realen Gespräch zwischen Lehrer und Schüler zu überlassen.

Eine Sache fand ich bemerkenswert an dieser Schule. Die Begleitungen, die Stephan Hesse für seine Stücke geschrieben hat. Sie sind teilweise sehr poppig und jazzig. Weiter sind sie in einer Art ausgefeilt, wie ich es bisher noch nicht gesehen habe. Vor dieser kompositorischen Leistung ziehe ich meinen Hut.

Aber dadurch wird die Rhythmik in einer Art komplex, sodass die Begleitungen nicht die Funktion eines harmonischen Metronomes für die Kinder haben kann. Ich nenne das, die Kinder können sich nicht auf die Begleitung draufsetzen.

Ich spiele mich bei meinen Begleitungen auch ganz gerne mit etwas ausgefallenen Harmonien rum. Aber gegen Stephan Hesse bin ich ein Traditionalist. Ich frage mich, ob man junge Kinder schon so begleiten soll. Wie kommen die elementaren harmonischen Mechanismen in das Gehör der Kinder? Mit diesem Material eher nicht, weil es diese zu sehr verschleiert.

Dann gibt es einen Kritikpunkt, der aber ein persönlicher ist. Die Texte der Lieder sind ab und zu etwas sehr pädagogisch und anbiedernd.

Für mich ist immer wieder erstaunlich, wie offen Kinder im Instrumentalunterricht für verschiedene Musiken sind. Die wenigsten haben Rockgitarristenträume. Texte zu dichten, die mit cool und Startum hantieren, bedeutet für mich Kinder zu unterschätzen. Ob für Kinder dieser Altersgruppe Bob Marley in irgendeiner Weise relevant ist, bezweifle ich auch ganz stark. In gewisser Weise sieht man in ihnen damit schon die Kosumidioten, die sie nicht sind. Es hat etwas von vorauseilendem Gehorsam.

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Der Beitrag wurde am Freitag, den 14. Dezember 2012 um 08:31 Uhr veröffentlicht von Stephan Zitzmann und wurde unter den Kategorien: Buchbesprechung, Gitarrenunterricht, Kinder, Noten abgelegt. | Es gibt einen Kommentar