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Gitarrenunterricht in Frankfurt

Dipl.-Gitarrenlehrer Stephan Zitzmann

Los geht’s! – Gitarrenschule für Kinder (Rezension)

Bei meiner Aufräumaktion bin ich auf die Kindergitarrenschule „Los geht’s!“ gestoßen. Diese Schule ist irgendwie bei mir gelandet.

Auf den ersten Blick dürfte diese Gitarrenschule die mit am meisten Aufwand gestaltete Gitarrenschule auf dem Markt sein. Vierfarbendruck mit schönen vielen bunten Bildern. Und es gibt ein knapp 300-seitiges Handbuch dazu.

Ungewöhnlich für diese Gitarrenlehrwerk, es gibt keine erklärende Bilder und Photos.

Am Anfang gibt es eine Art simplifizierte Notenschrift. Die Notenlinien fehlen und die Noten sind vertikal weiter auseinandergerückt als normal. Links am Anfang stehen in entsprechender Höhe die Saitenzahlen. Diese Notation wird so lange verwendet, wie auf den Leersaiten gespielt wird.

Und diese Notation hat mich neugierig gemacht. Wieso, weshalb, warum?

Wie schon geschrieben, es gibt ein Handbuch für diese Schule. Also habe ich es mir gekauft, um meine Neugierde zu befriedigen.

Dieses Handbuch ist mir schon vor ca. 20 Jahren in der Frankfurter Stadtbücherei in die Hand gefallen. Das eigentliche Heft war aber ausgeliehen. Damals dachte ich mir, dass ist musikalische Früherziehung mit Gitarre. Dieser Eindruck hat sich auch dieses Mal eingestellt.

So schön und sinnvoll die vorgeschlagenen Dinge sind, man braucht diese Dinge für sehr junge Kinder . Persönlich bin ich der Ansicht, in diesem Alter tut man den Kinder keinen Gefallen, wenn man sie auch mit einem „kindgerechten“ Unterrichtskonzept auf die Gitarre loslässt, weil die motorische Entwicklung der eigentliche Hemmschuh ist.

Aber betrachten wir die ganze Sache mal abgelöst von diesen Fragen. Ist diese Gitarrenschule in sich stringent.

Dazu greife ich wieder auf die vereinfachte Notenschrift zurück. Bevor das Handbuch eintraf, hatte ich die Theorie, die Notenschrift wäre so gestaltet, damit die Kinder die Noten nicht absolut lesen, sondern relativ. Also die zu spielende Note mit der vorigen vergleichen, um dann zu entscheiden, was zu spielen ist.

Und das wäre meiner Meinung ein sehr guter Ansatz.

Im Handbuch stand zu meiner großen Enttäuschung, weil Kinder Notenlinien mit Saiten verwechseln und deswegen die g-Saite mit der h-Saite verwechseln würde, würde man die Notenlinien weglassen, damit der Irrtum erst gar nicht aufkommen würde.

Ich kenne diesen Irrtum, aber die Notenlinien abzählen und Saiten abzählen hilft. Die Beseitigung des Problems ist eigentlich kein Problem.

Also gehen die Autoren anscheinend von intellektuell noch nicht weit entwickelten Kindern aus. Diesen Kindern wird aber mit Einführung der Notenlinien sofort zugemutet, dass sie mit vier Tönen auf einen Schlag umgehen.

Aus purem Leersaitenspiel, wird ein Spiel mit vier Tönen, davon drei gegriffen. Keine andere mir bekannte Kindergitarrenschule mutet ihren Kindern einen dermaßen heftigen Sprung zu. Obwohl man von den Erklärkonzepten den Kindern dort deutlich mehr zutraut.

Auch wie dann weitere Töne eingeführt werden, gehen die Autoren im Vergleich zu anderen Gitarrenschulen plötzlich von geistigen Überfliegern aus.

Irgendwann hat sich mir die Frage gestellt, wissen die Autoren überhaupt an wen sie sich wenden?

Bei den gegriffenen Tönen, äußert das Autorenteam, Kinder würden dazu neigen, die Finger vom Griffbrett wegzustrecken. Deswegen würden sie möglichst wenig Leersaiten zulassen und den kleinen Finger einsetzten.

Diese Gitarrenschule kam auf den Markt, als ich anfing zu unterrichten. Meine damals altgedienten Kollegen, waren sehr begeistert von dieser Idee, bis sie es wirklich ausprobierten. Die Kinder waren ziemlich sauer auf diesen frühen Einsatz des vierten Fingers.

Mein Exemplar hat eine Kollegin vor zwanzig Jahren mit einem Kind durchgearbeitet. Die ganzen Fingersätze sind von ihr auf konventionelle Fingersätze mit vielen Leersaiten umgeschrieben worden.

Es gab noch einiges Inkoinzidentes, wo ich mir dachte, wen ihr glaubt, dass Kinder das nicht können, warum soll das plötzlich gehen? Bzw. was für eine Praxiserfahrung habt ihr?

Letztendlich fand ich so Widersprüchliches, sodass ich entschieden habe, ich lese jetzt nicht das ganze Handbuch. Ich kann meine Zeit vermutlich sinnvoller verbringen.

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Der Beitrag wurde am Freitag, den 9. Dezember 2016 um 07:29 Uhr veröffentlicht von Stephan Zitzmann und wurde unter den Kategorien: Gitarrenunterricht, Kinder, Notenbesprechung abgelegt. | Es gibt keinen Kommentar .