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Gitarrenunterricht in Frankfurt

Dipl.-Gitarrenlehrer Stephan Zitzmann

Moro und Lilli (Band 1) – Notenbesprechung

Ich miste gerade meine Regale aus. Dabei ist mir die Gitarrenschule „Moro und Lilli – Band 1“ in die Hand gefallen. Sie muss seit Jahren in dem Regal gelegen haben. Ich kann mich nicht mal erinnern, sie gekauft zu haben.

Und das Schicksal hat diese Schule nicht verdient.

Dass ich „eigenes“ Unterrichtsmaterial mache, hatte eigentlich damit zu tun, dass man bei vielen Gitarrenschulen einfach viel Material zufüttern muss. Als ich dieses Material organisierte, stellte sich heraus, es ist einfacher die Schulen in das Material einzubauen als andersherum.

Ich habe zwar immer wieder mal die Besorgnis, dass ich ich den Schülern zu wenig zutraue und zu vorsichtig vorangehe.

Aber der Verfasser Gerhard Koch-Darkow von „Moro und Lilli“  scheint noch radikalere Ansichten als ich zu vertreten, wie viele Stücke notwendig sind, um ein Thema bzw. einen Ton abzuschließen. Dabei simplifiziert er noch mehr als ich und erlaubt noch ein geringeres Tempo als ich.

Und das finde ich einfach gut.

Die meisten Gitarrenschulen fangen mit dem Daumenanschlag an. Und wechseln dann zum Wechselschlag. Meine Erfahrung war, dass die Kinder den Schritt zum Wechselschlag immer als sehr schwierig empfanden. Deswegen fange ich gleich mit dem Wechselschlag an. Dazu brauche ich aber erst mal eine Menge von Leersaitenstücke um dann mit gegriffenen Tönen anzufangen.

„Moro und Lilli“ fängt auch mit dem Daumenanschlag an. Gerhard Koch-Darkow verwendet für den einfacheren Daumenanschlag mehr Leersaitenstücke als ich bei hartnäckigen Fällen für den Wechselschlag brauche, bevor ich zu den gegriffenen Tönen übergehe.

Der Umstieg auf den Wechselschlag findet bei einem höheren motorischen Komplexitätsgrad statt als bei anderen Schulen.

Ich kenne die Besorgnis aus meinem Kollegenkreis, die Schüler mit dem Wechselschlag zu überfordern.

Würde man die Leersaitenstücke von Moro und Lilli eine Saite entsprechend höher schieben, dann dürfte man eigentlich keinen Schiffbruch erleiden.

Wie kommt Gerhard Koch-Darkow zu all den Stücken? Er schreibt selbst viele Lieder, die meiner Meinung nach einen leichten Ohrwurmcharakter haben. Die Texte dazu sind auch sehr witzig. Sie sind teilweise herrlich doof, ohne anbiedernd zu sein.

Dann gelang es Gerhard Koch-Darkowes aus anderen Ländern Lieder zu finden, sodass die restlichen Lieder nicht nur die üblichen Verdächtigen sind.

Der musikalische Teil und seine Strukturierung sind das Beste, was ich bisher gesehen habe.

Nun zu dem theoretischen Teil. Leider nicht mehr ganz so glänzend. Gerhard Koch-Darkow findet dabei nicht mehr so treffend den kindgerechten Ton, wie bei den Stücken. Ab und zu finde ich, die kindgerechte Verpackung erschwert den Zugang, weil der Kern der Information dahinter verschwindet.

Aber in diesem Punkt gehört die Schule trotzdem zu den besseren Schulen.

Gerhard Koch-Darkowes folgt dem Prinzip, erkläre die Sachen, wenn sie gebraucht werden.

Ich tendiere mittlerweile dazu, dass dies nicht so klug ist, weil es damit schwerer wird auf die Erklärungen zurückzugreifen, wenn man Wochen später als Schüler zu Hause merkt, ich weiß nicht mehr, wie das genau war. Das Hauptproblem ist meiner Meinung nach, wichtige Zusammenhänge werden zerrissen und man kann ziemlich schwer verdeutlichen, wo man für die entscheidende Information nachsehen muss.

An anderen Stellen wird das überladene Layout dieser Schule kritisiert. Und dem stimme ich voll zu. Optisch ist die Schule trotz der schönen Zeichnungen anstrengend, weil in dem Gedränge keine optische Struktur und Führung herrscht. Mehr Luft im Layout wäre schön gewesen.

Gerhard Koch-Darkow stellt mehr Aufgaben zur Musiktheorie als andere Schulen. Bzw. sie ist einer der wenigen Schulen, die das überhaupt tun.

Leider setzt Gerhard Koch-Darkow das Prinzip der normale Schüler braucht sehr viele, viele Übegelegenheiten nicht bei den Theorieaufgaben fort.

Fazit: Eigentlich das Beste, was ich bisher im Bereich Kinderschulen gesehen habe.

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Der Beitrag wurde am Freitag, den 2. Dezember 2016 um 07:57 Uhr veröffentlicht von Stephan Zitzmann und wurde unter den Kategorien: Buchbesprechung, Gitarrenunterricht, Kinder, Noten, Notenbesprechung abgelegt. | Es gibt keinen Kommentar .