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Gitarrenunterricht in Frankfurt

Dipl.-Gitarrenlehrer Stephan Zitzmann

Effortless Mastery – Kenny Werner (Buchbesprechung)

Auf Grund einer Beschreibung, dachte ich, dass das Buch „Effortless Mastery“ von Kenny Werner ein paar interessante Übemethoden enthalten könne und kaufte es. Was habe ich gefunden?

Schwierig zu sagen. Es ist ein Buch, das ich im herkömmlichen Sinn nicht einordnen kann und will. Oberflächlich betrachtet hätte ich es als esoterische Schwatzschwarte abqualifiziert, bei genauerem Hinsehen fand ich das Buch doch sehr aufschlussreich.

Kenny Werner stellt die Frage in den Raum, was bedeutet es für das eigene Musizieren, wenn man von der Musik lebt oder davon leben will.

Das bekannteste Phänomen dieser Fragestellung, das jeder kennt, ist das Lampenfieber. Am Lampenfieber wird das Problem klar, das Kenny Werner beschäftigt. Musizieren ist eine soziale Interaktion, bei der der Musizierende bewertet wird oder eine Bewertung befürchtet. Dieser Bewertungsakt wirkt sich auf das Musizieren und auch schon auf das Üben zu Hause aus. Die Antriebsmotive, warum man Musik gemacht hat, vermischen sich oder werden sogar überlagert von den Anforderungen des Musikbetriebes. Letztlich kann diese Problematik zum Verlust der Freude an der Musik führen. Es muss aber nicht nur der Musikbetrieb sein, sondern auch die eigenen Erwartungen, die man in die Musik gesteckt hat.

Als weiteres Problem beschreibt Kenny Werner einen Phänomen, dass ich als Wollensschleife beschreiben würde. Weil ich gut spielen will, spiele ich schlecht. Deswegen strenge ich mich an und es wird noch schlechter. Werner betrachtet diese Wollensschleife unter anderem als Folge der oben genannten Problematik.

Bemerkenswert fand ich den Gedanken, dass die Freude an der Musik, die Freude an der Musik verleiden kann. Weil man noch mal dasselbe intensive emotionale Erleben haben will, wird die Musik tot.

Die Antwort auf dieses Problem ist stark von buddhistischen Ansätzen geprägt. Wer sich mal mit Buddhismus beschäftigt hat, wird hier auf sehr viel Vertrautes stoßen. Was Werner letztlich vorschlägt ist eine Art Meditationspraxis am Instrument.

Erstaunlich fand ich, dass Übevarianten auftauchten, die mir eingefallen sind, als ich mich mit dem Musizieren unter kognitionspsychologischen Aspekten beschäftigt habe.

Ist Kenny Werners Antwort eine gute Antwort? Das kann ich schwer sagen. Denn Kenny Werner fordert letztlich eine totale Umstellung der Übepraxis. Das ich diesen totalen Anspruch nicht unbedingt ausprobieren will, kann man vielleicht nachvollziehen.

Aber die Dinge, die ich auf Grund der Lektüre ausprobiert habe oder zu denen ich inspiriert worden bin, fand ich hilfreich und aufschlussreich.

Ob jetzt nun jeder dieses Buch mit demselben Gewinn lesen kann, weiß ich nicht.

Da die für mich bestfunktionierende Entspannungsmethode Meditation in der Tradition des Zen-Buddhismus ist, habe ich mich auch mal mit den Hintergründen des Zen-Buddhismus beschäftigt.Deswegen kam mir der Denkansatz von Kenny Werner vertraut vor. Meine Kenntnisse über den Zen-Buddhismus haben mir deutlich erleichtert, Gewinn aus dem Buch zu ziehen.

Ich möchte nicht ausschließen, dass es viele Leute gibt, die mit diesem Buch nicht sehr viel anfangen können.

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Der Beitrag wurde am Freitag, den 18. April 2008 um 08:13 Uhr veröffentlicht von Stephan Zitzmann und wurde unter den Kategorien: Buchbesprechung abgelegt. | Es gibt keinen Kommentar .