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Gitarrenunterricht in Frankfurt

Dipl.-Gitarrenlehrer Stephan Zitzmann

Der Ärger mit der Technik

Ich habe vor langer Zeit einen Artikel geschrieben, warum moderne Technologie so selten im Instrumentalunterricht vorkommt. Damals habe ich eher spekuliert, jetzt habe ich durch Zufall sehr praktische Erfahrungen sammeln können.

Ein Schüler von mir hat Aufnahmetechnologie zu Hause rumliegen, weil er Let‘s Plays für Youtube aufnimmt. Eine andere Schülerin hat sich zu Weihnachten einen H4n gewünscht, weil sie ziemlich angetan davon ist, was ich mit ihr und meinem H2n im Unterricht so treibe. Sie bekam sogar einen H5.

Beide Schüler finden die Idee mehrstimmige Stücke im Mehrspurverfahren aufzunehmen nicht nur gut, sondern es macht ihnen viel Spaß. Die Schülerin ist 11, aber außergewöhnlich intelligent. Der Schüler 13 – ein zukünftiger Nerd. Er programmiert, Linux ist toll und Apple eine Strafe, ChaosComputerClub-Konferenzen zu besuchen ist ein Glück.

Was jetzt kommt, klingt nach „Mein Gott sind die doof“. So ist es nicht gemeint, sondern die Aussage lautet, der Prozess wird dadurch so umständlich, dass er seine Effizienz verliert.

Bei der 11-Jährigen habe ich wohlweislich mit einer Installation auf einem USB-Stick gearbeitet, damit die Bedienung des Programms sich zu Hause ja nicht von der im Unterricht unterscheidet. Was aber trotzdem nicht vor Überraschungen schützt.

Z.B. als sich die Datei nicht durch ein Draufklicken öffnen ließ, kam die Schülerin nicht darauf, es mal im Programm über das Menü Datei und dann Datei öffnen zu probieren. Sondern es kam die Email, es geht nicht. Und da sind wir schon beim nächsten Problem, Fehlerbeschreibungen, waren erst einmal: „Geht nicht!“ Genaueres musste erst immer entlockt werden, obwohl die Schülerin sprachlich durchaus in der Lage ist, ein Problem so zu beschreiben, dass man das Problem versteht.

Der programmierende Schüler war auch sehr interessant. Bei ihm verwendete ich eine Lightversion von Samplitude. Eine Installation auf einem Stick ist nicht möglich. Ich habe von dem Schüler keine einzige Aufnahme gehört, die er zu Hause gemacht hat. Er war nicht in der Lage, dass er die notwendigen Wavedateien auf den USB-Stick kopiert hätte. Ich fand etwas verblüffend, dass er durch mich das Konzept kennen lernte, dass man mit einer Datei indirekt auf eine andere Datei zurückgreift. Weiter, dass diese beiden Dateien zwei verschiedene Speicherorte haben können. Wie gesagt, der Schüler versucht ein Spiel zu programmieren.

Das Problem war, so bald sich die Dinge nicht wie gewohnt verhielten, waren beide nicht in der Lage nur ansatzweise sich eine Lösung einfallen zu lassen. Der Grund lag aber nicht in mangelnder Computererfahrung, sondern dass ihr Gebrauch mit dem PC ihnen nicht klar machte, wie man Probleme löst. Es ist so ungefähr, als würden beide Auto fahren und wüssten nicht, dass es Zündkerzen gäbe und für was es diese gibt. Sobald diese Idee der Zündkerze fehlt, ist man in einer „Notlage“ ein Stück hilfloser als mit dieser Idee.

Die andere Seite des Problems liegt auch an mir. Mir ist unklar, was Kinder und Jugendlich über Rechner wissen. Also es fällt sehr schwer, dies quasi schülersicher aufzubereiten. Bzw. um es schülersicher aufzubereiten fehlt mir wieder die Kompetenz.

Den Artikel noch einmal lesend könnte sich darin auch der Unterschied in den Generationen darstellen. Bei mir war Informatikunterricht reiner Programmierunterricht und nicht das Bedienen von verschiedenen Programmen. Wir haben noch mit Kommandozeilen gearbeitet, weil es die Maus noch nicht gab. Ich benutze deswegen heutige Programme ganz anders als heutige Kinder.

 

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Der Beitrag wurde am Samstag, den 25. April 2015 um 08:18 Uhr veröffentlicht von Stephan Zitzmann und wurde unter den Kategorien: Gitarre lernen, Gitarrenunterricht abgelegt. | Es gibt keinen Kommentar .