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Gitarrenunterricht in Frankfurt

Dipl.-Gitarrenlehrer Stephan Zitzmann

Gitarrenunterricht, Integration und Sprache

Eines der merkwürdigen Phänomene rund um das Thema Instrumentalunterricht bzw. Gitarrenunterricht ist, dass sich die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung nicht in der Schülerschaft widerspiegelt. Probleme, die Grundschullehrer schon lange kennen, sind uns Instrumentallehrern noch immer eher unbekannt.

Jetzt habe ich zum ersten Mal eine Anfrage abgelehnt, weil das Kind zu wenig Deutsch verstand und ich keinen Satz in seiner Muttersprache sprechen kann. In dem Fall ist das jetzt weniger herzlos gewesen, wie es auf den ersten Blick scheint. Die Muttersprache des Kindes war Französisch und ich legte den Eltern ans Herz sich einen Lehrer zu suchen, der Französisch sprechen könne und damit dem Kind helfen könne, auf lange Sicht einen deutschen Gitarrenunterricht zu verstehen. Solch ein Gitarrenlehrer dürfte sich in Frankfurt relativ leicht finden lassen.

Bloß wie es aussieht, stehe ich demnächst noch einmal vor der gleichen Frage. Aber dieses Mal handelt es sich um ein asiatisches Kind. Die Mutter wollte gleich mit mir am Telephon Englisch sprechen.

Aber es gibt in Frankfurt, wahrscheinlich keinen Lehrer mit meiner Qualifikation, der eine asiatische Sprache spricht. Obwohl es viele Lehrer mit meiner Qualifikation gibt.

Wie soll ich mich dann verhalten? Bei dem französischen Kind weiß ich, dass es aller Voraussicht nach eine bessere Lernsituation finden kann als bei mir.

Aber ein asiatisches Kind mit sehr geringen Deutschkenntnissen dürfte bei fast jedem Lehrer gleich schlecht dran sein. Mir ist mal vor Jahren ein koreanisches Erstklässler von einer Musikschule zugeteilt worden. Das Kind und ich waren erleichtert, als der Gitarrenunterricht vorbei war.

Es verstand nichts und bekam letztendlich nolens volens zu häufig die Rückmeldung, dass es nicht das Gewollte tat, obwohl es sich sehr anstrengte. Es lernte trotz seinen guten Willens kaum etwas.

Ich hatte mal einen Schülerin, die mit 14 Jahren aus der Türkei zu ihrem Vater nach Deutschland zog. Sie fasste ihre Situation als Sechzehnjährige in Deutschland so zusammen: Es ist so frustrierend, weil ich weiß, ich könnte mehr erreichen, wenn nicht die neue andere Sprache wäre. Ich strenge mich mehr an als in der Türkei, aber die Ergebnisse sind schlechter.

Bloß auf der Lehrerseite sieht es nicht besser aus, man muss sich mehr anstrengen, aber die Ergebnisse sind schlechter wegen der Sprache.

Bloß wenn mehr oder weniger gute Sprachbeherrschung schon so etwas wie Instrumentalunterricht stark beeinträchtigen kann, wie ist das mit einem kompletten Lebensentwurf, der auf einer fremden Sprache fußt? Wie frustrierend und verbitternd muss das sein, wenn das Investment der Migration wegen der Sprache sich bei weitem nicht so auszahlt, wie erträumt? Und wie wird damit umgegangen, dass das Ankunftsland trotz gutem Willen nicht so helfen kann, wie es notwendig wäre?

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Der Beitrag wurde am Freitag, den 16. September 2016 um 08:00 Uhr veröffentlicht von Stephan Zitzmann und wurde unter den Kategorien: Allgemein, Gitarrenunterricht abgelegt. | Es gibt einen Kommentar