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Gitarrenunterricht in Frankfurt

Dipl.-Gitarrenlehrer Stephan Zitzmann

Emanzipationsstarre

Ich bemerke in meiner Arbeit Dinge, von denen ich nie so recht weiß, ob Sie eine Ankündigung eines gesellschaftlichen Phänomens sind oder statistische Ausreißer in meiner Erfahrungswelt.

Früher war es so, wenn sich ein Unterrichtsverhältnis für ein Kind anbahnte, dass der Mutter wichtig war, dass ich und das Kind zusammenpassen, ich ein guter Lehrer bin und nicht unbedingt die Länge des Weges zu mir. Jetzt allmählich habe ich den Eindruck, es ist nur noch der Weg interessant.

Wie komme ich darauf? Eine Schülermutter sprach mich an, sie hätte ihrer Freundin meine Nummer gegeben. Das Kind der Freundin käme wegen der fünften Klasse in eine neue Schule. Deswegen würden sich die Wege ändern, deswegen bräuchte man einen anderen Gitarrenlehrer. Ich läge günstiger.

Einige Tage später erhielt ich eine Mail einer anderen Mutter, die mich schon vor über einem halben Jahr gefragt hatte, ob ich einen Platz in Praunheim frei hätte, ich läge so günstig.  Ob denn jetzt ein Platz frei wäre. Ich unterrichte hier in Frankfurt in zwei benachbarten Stadtteilen. Die Unterrichtsräume sind je nach Verkehrsmittelwahl zwei bis drei Kilometer entfernt. Für Hausen ist diese Mutter nicht zu gewinnen. Der Beruf, die Geschwister usw.

Die Mutter und die Tochter kennen mich gar nicht. Meine Person ist nicht entscheidend, sondern nur der Aufwand für die Mutter.

Ich möchte das jetzt nicht moralisch werten, aber mögliche Konsequenzen und Probleme aufzeigen.

Mütterkonkurrenz

Es ist hoffentlich klar, wer eine Stundenplanänderung von mir will, will eigentlich etwas von seinen Mitschüler*Innen bei mir. Denn diese müssen ihren Terminplan ändern. Bisher habe ich das bisher noch nicht getan, aber wenn ich höre, wie schwierig das alles mit der Fahrerei und Bringerei ist und es gäbe genau nur diese Uhrzeit, dann überlege ich mir ab und zu im Hinterkopf, ob ich diese Leute annehme, weil ich dann eher Probleme mit anderen Schülern bekomme.

Also eine Mutter, die sich flexibler zeigt, wird auf Dauer eher Chancen haben, einen geeigneten Lehrer für ihr Kind zu finden. Wenn dieser Druck der mütterlichen Unflexibilität zunimmt, wird das vielleicht ein Ablehnungsgrund für solche Familien werden.

Preise und soziale Schicht

Mir fällt auf, je qualifizierter die Mütter sind, desto mehr klagen sie. Ob jetzt das Phänomen dahintersteckt, Besserqualifizierte können ihre Interessen besser durchdrücken als Wenigerqualifizierte oder ob sie wirklich unflexiblere Strukturen haben, lasse ich mal dahingestellt.

Aber auf der Seite der Instrumenatellehrer sieht es so aus, Flexibilität bereitstellen, bedeutet weniger unterrichten und deswegen höhere Preise für alle, obwohl nur eine Minderheit, wenn auch vielleicht in Zukunft eine beträchtliche, diese Flexibilität braucht.

Ob die Bessergestellten höhere Preise berühren, das ist die Frage. Denn es steht ja der Erwerb, der dadurch ermöglicht wird, dem höheren Preis gegenüber. Aber den finanziell Schwächeren wird das vielleicht Kopfzerbrechen bereiten.

Es gibt die Argumentation, man müsse Strukturen schaffen, damit die Frauen arbeiten können. Aber diese Strukturen kosten etwas. Sobald diese Strukturen nicht von der öffentlichen Hand geschaffen werden, entstehen im privaten Sektor Preise, die sich eine kleinere Gruppe leisten kann. Damit wird auch eine soziale Spaltung vorangetrieben.

Unterrichtsqualität

Mich persönlich stört an dieser Aussicht auch etwas anderes. Unterrichtserfolg hat meiner Meinung nach sehr viel auch etwas mit Routine und Erfahrung zu tun. Nehmen wir an, dass in Zukunft Instrumentallehrer ein Drittel weniger unterrichten, um die Mütterprobleme auszugleichen, dann sinkt auch die Unterrichtsqualität.

Weiter – dies ist nicht unbedingt eine Frage der Qualität – Instrumentalunterricht ist auch eine Beziehungsfrage. Ein Schüler erklärte mir mal: „Ein Drittel mache ich dir zu Liebe“. Aber wenn dieses Drittel nicht entstehen kann, wenn man den nicht ganz so sympathischen Lehrer nimmt, weil der günstiger liegt, ist auf lange Sicht auch keinem geholfen.

Und die Väter?

Wahrscheinlich ist manchem schon die Hutschnur hochgegangen. Warum schreibe ich nur von Müttern? Weil es der Realität entspricht. Dass ein Vater der Hauptagierende in einer Anbahnung zu einem Unterrichtsverhältnis war, ist zwei Jahre her. Momentan bringen nur zwei Väter regelmäßig die Kinder.

Man könnte das auf gesellschaftliche Strukturen zurückführen. Aber ich mache seit Jahren meine Kennenlerngespräche für Interessenten meist Sonntagsnachmittag. Aber wer ist Sonntagsnachmittags nicht zu sehen? Die Väter! Für diese innerfamiliäre Ungleichheit ist die Gesellschaft am wenigsten verantwortlich, sondern die beiden Elternteile.

Und da stelle ich mir allmählich die Frage, ob dieses Ergebnis dieses Diskussionprozesses mit den Frauen zu tun hat? Sei es ein andere Durchsetzungsfähigkeit, sei es, dass sie den Vätern diese Erziehungsarbeit (Stichwort: Maternal Gatekeeping) nicht zutrauen. Warum ändert sich so wenig an der Mitarbeit der Väter , obwohl in den letzten 35 Jahren – seitdem interessiere ich mich für das Thema Emanzipation – es so viele Fortschritte in dieser Frage gibt – an der Ermöglichung des Intrumentalunterrichtes?

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Der Beitrag wurde am Freitag, den 1. Juni 2018 um 08:53 Uhr veröffentlicht von Stephan Zitzmann und wurde unter den Kategorien: Allgemein, Eingeschoben, Gitarrenunterricht, Kinder abgelegt. | Es gibt einen Kommentar